Reykjavik/London, 11. Jan (Reuters) – Vor dem Hintergrund des US-Anspruchs auf Grönland hat Bundesaußenminister Johann Wadephul erklärt, die Frage der Sicherheit im Nordatlantik solle im Rahmen der Nato gelöst werden.

Die Welt ändere sich und es gebe neue Sicherheitsherausforderungen, sagte Wadephul am Sonntag bei einem Zwischenstopp in Island auf seinem Flug in die USA. “Und darauf werden wir immer richtige Antworten finden müssen. Aber Antworten eben im Nato-Rahmen.” Deutschland sei immer bereit dazu, dies im Bündnis miteinander zu besprechen. Wadephul soll sich in Washington mit US-Außenminister Marco Rubio treffen.

Die Zeitung “The Telegraph” hatte am Samstag berichtet, britische Militärs berieten mit Kollegen aus anderen europäischen Ländern über einen Nato-Einsatz in Grönland. Auch Deutschland sei an den Gesprächen beteiligt. Die britische Verkehrsministerin Heidi Alexander sagte dazu dem Sender Sky News am Sonntag, die Abschreckung von Russlands Präsident Wladimir Putin sei Routine – “business as usual”. Die Agentur Bloomberg meldete unter Berufung auf Insider, dass Großbritannien und Deutschland mit anderen Staaten eine Stärkung der Militärpräsenz in Grönland erörterten. Deutschland wolle einen gemeinsamen Nato-Einsatz vorschlagen.

INSIDER: BERICHTE ÜBER GROSSE EINSÄTZE ÜBERTRIEBEN

In deutschen Regierungskreisen hieß es, Berichte über eine große Militäroperation oder -stationierung beziehungsweise einen “Nato-Einsatz” in Grönland seien übertrieben. “Es handelt sich lediglich um eine politische Geste gegenüber den USA, dass die europäischen Länder ihre Verpflichtung hinsichtlich der Sicherheit Grönlands ernst nehmen”, sagte ein Insider der Nachrichtenagentur Reuters zu den Gesprächen innerhalb der Nato. Bundeskanzler Friedrich Merz führe parallel dazu Gespräche mit den beteiligten Regierungen.

US-Präsident Trump hat den Anspruch der USA auf Grönland mit der Abwehr von Russland und China begründet. Demnach müssen die USA die Insel aus Gründen der nationalen Sicherheit unter ihre Kontrolle bringen, obwohl sie dort bereits auf Grundlage eines Abkommens von 1951 militärisch präsent sind. Die Insel mit ihren 57.000 Einwohnern ist ein autonomes Gebiet Dänemarks und reich an Bodenschätzen. Die USA und Dänemark sind durch die Nato-Mitgliedschaft zu gegenseitigem Beistand verpflichtet.

(Bericht von Alexander Ratz, Catarina Demony und Andreas Rinke; Bearbeitet von Scot W. Stevenson; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)