Oliver Vrankovic, Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Stuttgart, lebt in Israel und blickt von dort auf die Vorgänge im Iran. Er hofft auf den Sturz des Mullah-Regimes.

Die politische Entwicklung im Iran nach den massiven Protesten der vergangenen Tage ist ein großes Thema in Israel – auch für den dort lebenden Oliver Vrankovic aus Göppingen, der der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) in Stuttgart vorsitzt. Sie kümmert sich „um die Förderung der bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und Israel in den Bereichen Zivilgesellschaft, Kultur und Wissenschaft“.

Herr Vrankovic, wie nimmt man in Israel das wahr, was aktuell im Iran geschieht?

Man muss unterscheiden. Die Armee (Heimatfront) hat bisher keine Warnung ausgesprochen. Der Armeesprecher widerspricht Gerüchten von einem unmittelbaren iranischen Angriff auf Israel. Die Sicherheitsexperten halten das für unwahrscheinlich raten aber zur Wachsamkeit. In den Medien wird empfohlen, die Bunker zu checken. In der Bevölkerung herrschen Sorgen, teils auch Panik.

Bundeskanzler Friedrich Merz meint, das Mullah-Regime nähere sich dem Ende. Wie ist die Einschätzung in Israel, und wie lautet Ihre persönliche Ansicht?

Schwierig, ob das Regime zeitnah stürzt, weil das an US-Präsident Donald Trump hängt und Trump unberechenbar ist. Aber die israelische Erfahrung mit Trump ist, dass er Hilfeschreie erhört. Er hat uns die Geiseln zurückgebracht, weil sich die Protestierenden direkt an ihn gewandt hatten. Irgendwann wird dieses verrottete islamfaschistische Regime zugrunde gehen. Es ist den Iranerinnen und Iranern zu wünschen, dass sie bald frei sind.

Blickt von Israel auf den Iran: Oliver Vrankovic aus Göppingen Foto: privat

Die Führung in Teheran droht den USA und auch Israel im Falle eines US-Eingreifens mit Gewalt. Beunruhigt das die Menschen in Israel? Die Erinnerung an die iranischen Drohnen- und Raketen-Angriffe vom Juni 2025 als Reaktion auf die Attacken auf iranische Atomanlagen ist ja noch frisch.

Es ist großes Thema. Den Zwölf-Tage-Krieg und die Raketeneinschläge hier wünscht sich niemand zurück. Aber: Wenn garantiert wäre, dass es die Mullahs stürzt, würden wir dafür auch ein paar Tage im Bunker akzeptieren.

Wie sieht man die Rolle der persischen Exil-Opposition, insbesondere des Schah-Sohns Reza Pahlavi, der von den USA aus zum Umsturz aufruft?

Iran und Israel waren einmal Verbündete (unter dem 1979 gestürzten Schah, d. Red.), und die Hoffnung hier ist, dass es zu einer Neuauflage des Bündnisses kommt. Die Menschen im Iran genießen hier großes Ansehen.

Verknüpft man in Israel Hoffnungen mit dieser Person?

Die Hoffnung hier ist in erster Linie ein Ende des Mullah-Regimes.

Ein Blick nach Gaza und ins Westjordanland. Wie würden Sie die aktuelle Situation beschreiben?

Fragil. Die Hamas konsolidiert sich in der von ihr kontrollierten Hälfte des Gazastreifens und versucht in der Westbank eine Eskalation herbeizuführen. Nach der Erfahrung des 7. Oktober 2023 ist das Fortbestehen der Hamas für die Israelis nicht zuzumuten. Es kann hier kein Zurück zur Konstellation vor dem 7.10. geben. Gleichzeitig ist nicht klar, wie Entwaffnung und Entmachtung der Hamas laufen soll, und es gibt hier die Sorge, dass die Türkei und Katar von Trump zu viel Mitsprache erhalten in Hinsicht auf Gaza.

Ihre Einschätzung: Wie weit entfernt ist die Region vom Frieden?

Wenn das Mullah-Regime fällt, fällt der Anstifter und Pate des Terrors. Die notwendigen Voraussetzungen für einen friedlichen Nahen Osten sind dann geschaffen.

Ein Deutscher in Israel

Werdegang
Oliver Vrankovic wurde 1979 in Esslingen geboren. Er ist in Göppingen aufgewachsen und hat in Esslingen Sozialpädagogik studiert. Bei einem Israel-Aufenthalt lernte er 2004 seine jetzige Frau kennen; die Wahl des gemeinsamen Wohnorts fiel auf Israel. Seit 2007 lebt er dort als nichtjüdischer Deutscher. Er war zunächst Pflegehelfer und arbeitet heute als Rezeptionist in dem ursprünglich für Einwanderer mitteleuropäischer Herkunft gegründeten Altenheim Pinkhas Rozen in Ramat Gan bei Tel Aviv. Seit knapp fünf Jahren Jahren ist er Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG). Die DIG Stuttgart hat rund 350 Mitglieder.