„Es ist, glaube ich, mit das größte Derby in Deutschland“, sagte St. Paulis Trainer Alexander Blessin mit Blick auf die Stadtmeisterschaft am Freitagabend im Millerntor-Stadion (20.30 Uhr). Und in seinen Augen schimmerte schon ein besonderer Glanz: „Ganz Deutschland guckt auf dieses Derby und deswegen freuen wir uns alle.“
Doch auch in Luxemburg werden viele Fußballfans den Fernseher einschalten. Denn es kommt zum Duell zweier Offensivkünstler, die im Großherzogtum bestens bekannt sind: HSV-Stürmer Rayan Philippe, der zwischen 2021 und 2023 für Hesperingen 45 Tore in der BGL Ligue schoss, trifft auf Nationalspieler Danel Sinani. Das Hinspiel hatte St. Pauli mit 2:0 gewonnen.
Danel hat seine Belastungsprobe bestanden. Passiert nichts Außergewöhnliches, wird er wieder im Kader sein.
Alexander Blessin
Pauli-Trainer
Der 25 Jahre alte Franzose Philippe überzeugt in seiner ersten Bundesligasaison. Mit vier Toren in 16 Spielen gehört er regelmäßig zur Hamburger Startelf. Der 28-jährige Sinani (zwei Tore, zwei Vorlagen) muss hingegen bei Pauli um seinen Stammplatz kämpfen. Zuletzt bremsten ihn Wadenprobleme aus. „Danel hat seine Belastungsprobe bestanden. Passiert nichts Außergewöhnliches, wird er wieder im Kader sein“, verrät Blessin.
Danel Sinani kämpft um seinen Stammplatz. Foto: dpa
Das Duell der Erzrivalen ist für viele Fans das Spiel des Jahres, es geht wie immer um enorm viel. Vor allem aber um Prestige, der hochverdiente Erfolg der Kiezkicker im Hinspiel im Volksparkstadion wirkte nach. Der HSV hat sich aber längst gefangen und kann dem ungeliebten Nachbarn mit einer erfolgreichen Revanche am Millerntor so richtig wehtun.
„Wir sind voller Power, Energie und vor allem der Überzeugung, dass wir gemeinsam mit einer guten HSV-Kurve im Stadion einen richtig coolen Freitagabend erleben“, sagte Coach Merlin Polzin: „Ich halte jetzt aber wenig davon, nach außen Parolen auszurufen. Wir wollen nicht reden, sondern wir wollen liefern.“ Und zwar einen Sieg, der den Fünf-Punkte-Abstand zum Tabellenletzten St. Pauli spürbar vergrößern würde.
Erbittert ausgetragene Rivalität
Die Braun-Weißen um Blessin werden sich dagegen mit aller Macht und lautstarker Unterstützung ihres Publikums wehren – und sehen sich trotz der jüngsten 2:3-Niederlage beim BVB im Aufwind. „Ich bin absolut überzeugt, wenn wir so eine Leistung zeigen wie gegen Dortmund, dass wir das Spiel gewinnen“, sagte Blessin, der neben Sinani wohl auch auf seinen zuletzt angeschlagenen Kapitän Jackson Irvine setzen kann.
Rayan Philippe will auch im Nordderby jubeln. Foto: dpa
Glanzvollen Fußball hat der hohe Norden Deutschlands schon seit einigen Jahren nicht mehr zu bieten, aber immerhin als einzige Stadt zwei Clubs in der Fußball-Bundesliga. Die erbittert ausgetragene Rivalität früherer Tage haben die Verantwortlichen und Fans dabei zuletzt in die richtigen Bahnen gelenkt.
Rund ums Hinspiel blieb es vergleichsweise ruhig, auch vor dem Freitagabend-Duell verzichten die Protagonisten beider Lager erneut darauf, die Partie verbal anzuheizen. „Wir haben in unserer Gesellschaft ohnehin schon viel Spaltung und viele Zerwürfnisse – da brauchen wir rund um die Derbys nicht auch noch zusätzliche Eskalation“, hatte St. Paulis Präsident Oke Göttlich schon nach dem Aufstieg des HSV im vergangenen Sommer gesagt.
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Dies gilt vor dem mit Spannung erwarteten Heimspiel gegen den Nachbarn noch immer. „Das Spiel sollte nicht nur unter Sicherheitsaspekten betrachtet werden, sondern es soll ein Fußballfest werden“, teilte St. Pauli dem „Hamburger Abendblatt“ mit: „Es ist immerhin das erste Bundesliga-Derby am Millerntor seit 2010.“
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