Die dritte Ausgabe des Luxembourg Song Contest hat das Publikum begeistert und eine Siegerin hervorgebracht: Eva Marija. Die 20-Jährige reist im Mai nach Wien zum größten Musikwettbewerb der Welt. Sie hat sich durchgesetzt gegen Steve Castile und Irem, die ebenfalls ins Finale gekommen sind.
Die Tochter slowenischer Eltern entdeckte schon früh ihre Liebe zur Geige. Sie studiert derzeit Songwriting in London und spielt Geige, Klavier und Bassgitarre. Ihr Song entstand im Songwriting Camp im Sommer in der Rockhal. Dort traf sie ihr Team: die schwedische Singer-Songwriterin Maria Broberg und die Dänin Julie Aagaard, eine Songwriterin, sowie den Dänen Thomas Stengaard, einen Produzenten. Der Song soll an die Kindheit erinnern, als man noch unbeschwert in Parks und Wäldern spielte.
Finale! Steve Castile, Eva Marija (Mitte) und Irem waren die letzten Drei. Foto: Laurent Sturm
Eva Marija ist seit Luxemburgs Comeback die bisher jüngste ESC-Vertreterin. Foto: Laurent Sturm


Eva Marija, gebürtig Eva Puc, konnte sich in der ersten Runde der internationalen Jurys gegen ihre sieben Mitbewerber durchsetzen (94 Punkte). Sie erhielt von sieben der acht internationalen Jurys die Höchstpunktzahl – das war aus Litauen, Tschechien, Österreich, Griechenland, Großbritannien, Norwegen und Serbien. Lediglich Italien gab Steve Castile die Höchstpunktzahl. Bei den Jurys lag Steve Castile (80 Punkte) auf dem zweiten Platz, Irem auf dem dritten (66 Punkte).
Auch in der zweiten Abstimmungsrunde, die das Publikum einbezog, konnte sie sich durchsetzen, hier erhielt sie 128 Punkte (insgesamt 222). Steve Castile und Irem erhielten jeweils 56 Punkte (Steve Castile insgesamt 136 Punkte und Irem 122 Punkte insgesamt).
Eine Hommage an Österreich
Da der Eurovision Song Contest 2026 in Wien stattfindet, hat sich der luxemburgische Vorentscheid bemüht, Wiener und österreichische Elemente einzubeziehen. Passend dazu war der amtierende ESC-Sieger und Wiener Opernsänger JJ der Special Guest und gleichzeitig auch der Opener des Abends. Er trug seinen Siegertitel „Wasted Love“ sowie seinen brandneuen Titel „Shapeshifter“ vor dem Publikum in Luxemburg vor.
Dann traten auch schon die Moderatoren auf die Bühne. Die RTL-Gesichter Loïc Juchem und Raoul Roos wurden dieses Jahr von Hana Sofia Lopes als Gasthost begleitet. Lopes, die für ihre Rollen in Film und Fernsehen in Luxemburg, Portugal und Deutschland bekannt ist, hat dem Event zusätzlichen internationalen Glanz verliehen.
Auch der amtierende ESC-Sieger JJ aus Österreich trat beim Luxembourg Song Contest auf. Foto: Laurent Sturm
Als Nächstes betrat Kandidat Nummer eins die Bühne: Steve Castile. Der 28-Jährige macht seit seiner Jugend Musik. Damals hat er auch angefangen, Gesangsvideos auf YouTube zu veröffentlichen. Neben der Musik ist das Joggen seine große Leidenschaft. Umso besser, wenn er beides kombinieren kann! Sein Beitrag „Sweet Tooth” hat laut seiner Aussage genau das Potenzial, um bei einer Laufrunde durch die Kopfhörer zu pumpen. Zwar beginnt der Song melancholisch und erzählt von einer verbotenen Liebe, doch spätestens beim Refrain explodiert die Energie förmlich und macht Lust, loszusprinten. Diese Wucht steckt auch in seiner Stimme, die einen sofort in ihren Bann zieht. Die Inszenierung mit dem Mensch-Werwolf-Motiv und der düsteren, mystischen Atmosphäre ist ein echter Hingucker.
Es folgte Luzac. Auch er ist 28 Jahre alt und macht bereits seit fast der Hälfte seines Lebens Musik. Manchen dürfte er von der LSC-Ausgabe des letzten Jahres bekannt sein, als er mit „Je danse” antrat und den dritten Platz belegte. Die Erfahrung aus dem vergangenen Jahr hat ihm geholfen, dieses Mal selbstsicherer an den Start zu gehen. Dabei hilft ihm auch, dass er sich mit seinem diesjährigen Beitrag „Prison Dorée” besser identifizieren kann. Dieser sei viel persönlicher, versichert er. Musikalisch bewegen sich sowohl sein Beitrag vom letzten Jahr als auch der von diesem Jahr in einer Mischung aus Urban Pop und Techno. Beide Songs starten verhalten, doch beim Refrain muss man den Lautstärkeregler fast ein wenig herunterdrehen, so kraftvoll brechen die Beats durch. Die Inszenierung auf der großen Bühne ließ allerdings noch Luft nach oben. Luzac stand allein auf der Bühne, ohne Tänzer, und hätte durchaus mehr Show bieten können.
Als Nächstes war Act Nummer drei an der Reihe: Daryss. Die 30-Jährige ist auf der Bühne zu Hause – allerdings nicht auf der musikalischen, sondern auf der des Theaters. Davon merkt man an diesem Abend jedoch nichts. Sie fühlt sich sichtlich wohl und ihre gesamte Bühnenshow ist ein absoluter Hingucker. Das liegt nicht nur an dem eisblau schimmernden Kleid und ihren gleichfarbig leuchtenden Augen. Ihr Song „Melusina“ erinnert musikalisch stark an den französischen ESC-Beitrag von 2021: „Voilà“ von Barbara Pravi. Das liegt auch daran, dass sich hinter beiden Songs derselbe Songwriter verbirgt. Dennoch enthält der Beitrag klare Referenzen auf Luxemburg, indem er die Legende der Flussjungfrau Melusina aufgreift. Eine Geschichte, die Daryss gefesselt und inspiriert hat. „Ich finde mich in ihr wieder, ich bewundere ihre Stärke und ihre Ehrlichkeit“, betont sie im Vorstellungsvideo.
Steve Castile hat seine Musikkarriere mit YouTube-Videos begonnen. Foto: Laurent Sturm
Manchen dürfte Luzac bereits von der LSC-Ausgabe des letzten Jahres bekannt sein, als er mit „Je danse” antrat und den dritten Platz belegte. Foto: Laurent Sturm
Daryss‘ Song „Melusina“ erinnert musikalisch stark an den französischen ESC-Beitrag von 2021: „Voilà“ von Barbara Pravi. Foto: Laurent Sturm
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Indie-Rock, Retro-Pop und laszive Tänze
Anschließend trat die einzige Band auf die Bühne: ShiroKuro. Der Name stammt aus dem Japanischen und bedeutet „Weißschwarz“. Genau in diesen Farben war auch die Bühnenshow ihres Songs „Eye to Eye“ gehalten. Die noch junge Band besteht aus dem Sänger Nathanaël Paulis (25 Jahre) sowie Louis Comblin (25 Jahre) und Matias Pollicino (23 Jahre). Die Band stammt ursprünglich aus Liège in Belgien. Da Louis jedoch auch Luxemburger ist, durften sie sich für den luxemburgischen Vorentscheid bewerben – und wurden ausgewählt. Obwohl sie keine gebürtigen Luxemburger sind, betonen sie, dass sie alles geben wollen: „Send a Band!“ lautete ihr leidenschaftlicher Appell. Doch angekommen ist dieser nicht.
Nach einer kurzen Verschnaufpause betrat die Siegerin des letzten Jahres, Laura Thorn, mit ihrem Lied „La Poupée monte le Son” die Bühne. Dieses Mal gab es jedoch eine kleine Überraschung: Sie wurde nicht von Tänzern, sondern von sechs Jugendlichen begleitet, die den Song gemeinsam mit ihr sangen. Moderatorin Hana Sofia Lopes wollte von einem der Newcomer wissen, ob er oder sie in einigen Jahren auch zum ESC fahren will. „Warum nicht“, konterte einer von ihnen stolz. Thorn trat auch gegen Ende der Show noch einmal auf, um ihre neue Nummer „Not On Me“ vorzutragen, die im Vergleich zu ihrem puppenhaften ESC-Beitrag selbstbewusster und provokanter wirkt.
Selbstverständlich durfte auch Laura Thorn, Luxemburgs letztjährige ESC-Kandidatin, noch einmal mit ihrem Song auftreten. Foto: Laurent Sturm
Laura Thorn wurde von Jugendlichen musikalisch begleitet. Foto: Laurent Sturm


Dann eröffnete Andrew The Martian die zweite Hälfte der Show. Der 35-Jährige portugiesischer Abstammung hat sich 2013 auf den Weg ins Großherzogtum gemacht. Stolz erzählt er im Vorstellungsvideo, dass er gerne in öffentlichen Bereichen singt, vor allem aber auf öffentlichen Toiletten, da die Akustik dort am besten sei, wie er mit einem Augenzwinkern scherzt. Wie man es sich beim Songtitel „I’m the Martian“ vorstellen kann, wird man bei seiner Bühnenshow direkt auf den Mars katapultiert – oder zumindest in dessen Nähe. Der Künstler beginnt zunächst im Sitzen und man hofft unwillkürlich, dass sich das nicht durch den ganzen Song ziehen wird. Immerhin steht er gegen Mitte bis Ende auf und bewegt sich rhythmisch zur Musik.
ShiroKuro war die einzige Band des Abends. Foto: Laurent Sturm
Andrew the Martian performte seinen Beitrag größtenteils im Sitzen. Foto: Laurent Sturm
Hugo One brachte Achtzigerjahre-Stimmung auf die Bühne. Foto: Laurent Sturm
Eva Marija schreibt seit ihrem 13. Lebensjahr Lieder. Foto: Laurent Sturm
Irem pendelt zwischen ihrer Musikkarriere und ihrem Physikstudium. Foto: Laurent Sturm
Es folgte Hugo One mit „Born Again“. Der 28-Jährige steht zwar erst seit wenigen Jahren auf den luxemburgischen Bühnen, singt aber schon deutlich länger im Chor und in seiner Freizeit. Vor seinem Auftritt witzelt er: „Ich singe 24/7, aber eher 23/7, eine Stunde muss ich ja schlafen!“ Er ist ein großer ESC-Fan und bewundert alles, was dazu gehört, vor allem aber Auftritte mit Glitzer und Feuer. Wie passend, dass sich beides auch in seiner Show wiederfindet! Mit seiner eingängigen Retro-Pop-Nummer fühlt man sich in die 1980er-Jahre zurückversetzt, als wäre man plötzlich in einer Diskothek mit Spiegelkugeln und Neonlichtern gelandet.
Als Vorletzte betrat die 20-jährige Eva Marija mit ihrer optimistischen und aufmunternden Nummer „Mother Nature“ die Bühne. Die Luxemburgerin mit slowenischen Wurzeln spielt seit ihrer Kindheit leidenschaftlich gerne Geige. Mit 13 Jahren hat sie angefangen, eigene Lieder zu schreiben. Genau wie bei Hugo One begleitet sie die Musik durch den gesamten Alltag. „Musik ist für mich mein Hobby, mein Studium und soll später auch mein Beruf werden“, erzählt sie träumerisch. Passend zum Titel wurden für das Staging auch Elemente aus der Natur aufgegriffen. In ihrem nudefarbenen Kleid schmiegt sie sich harmonisch in dieses Konzept ein. Die Bewegungen und die Kameraführung erinnern stark an „Only Teardrops“ von Emmelie de Forest, den ESC-Siegerbeitrag aus Dänemark aus dem Jahr 2013: Beide setzen auf ein minimalistisches, aber dennoch schön anzusehendes Staging. Und dies stieß sowohl beim Publikum als auch bei den Jurys auf Anklang.
Irem rundete den Abend ab. Die 24-Jährige studiert derzeit Physik in Wien. Wie sie in ihrem Vorstellungsvideo betont, sind sowohl die Physik als auch die Musik wichtige Bestandteile ihres Lebens. Eine Musikkarriere ist dennoch Plan A: Seit drei Jahren macht sie Musik und bewegt sich aktuell im Deutschrap, weswegen sich auch in ihrem LSC-Song ein Rap-Part in dieser Sprache wiederfindet. Was ihre Performance angeht, setzt die junge Frau auf laszive Bewegungen und viele Tänzer, die sie gekonnt in Szene setzt. Auch ihr knapper, kurzer Lederanzug ist ein Blickfang – das ist gewollt. Ihre Botschaft an das Publikum ist unmissverständlich: „Baddies vote for Irem“.
Eva Marija muss sich nun im Mai beim 70. Eurovision Song Contest im österreichischen Wien beweisen. Doch vor der Finalshow am 16. Mai muss Luxemburg erst noch einmal das Halbfinale am 14. Mai bestehen.
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Pro-palästinensische Proteste vor der Rockhal
Zur Einlasszeit protestierten rund 30 Demonstranten vor der Rockhal gegen Luxemburgs Teilnahme am Eurovision Song Contest. Die Aktion wurde von BDS Luxembourg (Boycott, Divestment & Sanctions Movement) organisiert, die bereits im Dezember einen Aufstand vor dem RTL-Gebäude organisiert hatten. Die Aktivisten richten sich gegen Israels ESC-Beteiligung und fordern daher einen Rückzug Luxemburgs aus dem Wettbewerb.
Während die Besucher am Einlass warteten, verteilten die Demonstrierenden Plakate. Foto: Laurent Sturm
Die einen warten, die anderen demonstrieren und skandieren Parolen wie „From Ukraine to Palestine, occupation is a crime“ oder „Netanjahu escalates, Eurovision tolerates“. Foto: Laurent Sturm
Vor der Rockhal haben rund 30 Personen gegen die Teilnahme Luxemburgs am ESC protestiert. Foto: Laurent Sturm
Die Demonstranten werfen RTL vor, sich durch die Ausstrahlung des Wettbewerbs zum Komplizen von Menschenrechtsverletzungen zu machen. Israel nutze den Musikwettbewerb konsequent, um seine Politik schönzupinseln. Gleichzeitig versucht kein anderes Land so sehr, Politik und Musik miteinander zu vermischen.
Angesichts des Leids im Gazastreifen sei eine Teilnahme nicht zu rechtfertigen. Spanien, die Niederlande, Slowenien, Irland und Island haben nach der EBU-Bestätigung für Israel ihre ESC-Teilnahme zurückgezogen. Die Protestierenden betonen, dass verschiedene Länder und Künstler eine klare Linie gezogen haben. Sie hätten gezeigt, dass es so nicht weitergehen könne.
Mit ihren Forderungen hat das Kollektiv auch bereits RTL konfrontiert. Der Sender hält jedoch weiterhin an einer Teilnahme fest. BDS Luxembourg kündigt nun einen alternativen Contest an. Details dazu bleiben vorerst offen.