Sie hat gerade den luxemburgischen Vorentscheid gewonnen und wird das Großherzogtum beim größten Musikwettbewerb der Welt vertreten, dem Eurovision Song Contest. Dennoch wirkt sie herzlich entspannt, als sie zur Pressekonferenz nach der Show schlendert.
Wann sie gemerkt habe, dass sie gewonnen hat, wollen die Journalisten wissen. „Erst als ich meinen Song noch einmal auf der Bühne vorgetragen habe. Als mein Name fiel, war ich wie paralysiert. Ich konnte meine Hände nicht mehr spüren, obwohl ich sonst bei Auftritten nie gestresst bin.“
Luxemburg hat mir so viel gegeben, kulturell, als Studentin und als Musikerin.
Eva Marija
Luxemburgs ESC-Anwärterin
Eva Marija wirkt sichtlich entspannt nach ihrem Sieg. Foto: Sabrina Backes
Mit ihren 20 Jahren ist Eva Marija die jüngste luxemburgische ESC-Teilnehmerin seit dem Comeback. Tali war 23, Laura Thorn 25. Und wieder schickt das Land eine Solokünstlerin. „Ich fühle mich sehr geehrt. Die beiden sind nicht nur talentiert, sondern auch unglaublich sympathisch. Tali und ich gingen als Kinder zusammen ins Musicaltheater. Luxemburg hat mir so viel gegeben, kulturell, als Studentin und als Musikerin. Dieses Land zu unterstützen, bedeutet mir sehr viel.“
Die 20-jährige Eva Marija über die Unterstützung ihrer Familie und die Entstehung des Songs auf der Pressekonferenz nach ihrem Sieg am Samstagabend. Video: Jil Reale
Die Geige spielt sie seit ihrem dritten Lebensjahr. Am Ende von „Mother Nature“ zeigte sie ihr Können auch dem Publikum mit einem Violinsolo. Ihr großes Vorbild: Alexander Rybak, der 2009 mit seiner geigenintensiven Ballade den ESC für Norwegen gewann. Ausgerechnet er tritt nun wieder beim norwegischen Vorentscheid an und hofft, ein drittes Mal zum Contest fahren zu können. „Er ist mein Vorbild und ich würde alles tun, um ihn kennenlernen zu können!“
Die Tochter slowenischer Eltern entdeckte schon früh ihre Liebe zur Geige. Foto: Laurent Sturm
Alexander Rybak gewann 2009 den Eurovision Song Contest für Norwegen. Foto: Getty Images


Lesen Sie auch:„Mother Nature“: Eva Marija fährt zum ESC
Doch die beiden verbindet mehr als die Liebe zur Geige. Beide setzen auf minimalistisches Staging ohne wildes Bühnenbild oder Tänzer. Eva Marijas Performance erinnert zudem optisch an Emmelie de Forests ESC-Beitrag „Only Teardrops“ für Dänemark, der 2013 übrigens den Sieg holte. Nudefarbenes Flatter-Outfit, barfuß auf der Bühne. Im Fokus steht ein eingängiger Popsong mit starker Stimme.
Dies ist kein Zufall. Thomas Stengaard, einer der Produzenten von „Mother Nature“, war auch an „Only Teardrops“ beteiligt. Gemeinsam mit der Schwedin Maria Broberg, der Dänin Julia Aagaard und Eva Marija natürlich produzierte er den Song in einem Songwriting Camp in der Rockhal. Sechs der acht LSC-Songs entstanden dort letzten Sommer. Künstler, Liederschreiber und Komponisten treffen sich, tauschen Ideen aus, komponieren gemeinsam. Wie viel Input die Sänger dort selbst einbringen können, ist unklar.
Warum mit unbequemen Schuhen auf die Bühne treten, wenn es auch ohne geht? Foto: Laurent Sturm
Das dachte sich auch diese Dame: Emmelie de Forest. Sie holte 2013 den ESC-Sieg für Dänemark. Foto: WireImage


Luxemburgs ESC-Kandidatin beschreibt die Zusammenarbeit jedoch als „sehr konstruktiv“. Und weiter: „Wir waren in einem Flow-Zustand. Wir hatten dieses Konzept von Natur, sich mit ihr zu verbinden. Am Ende haben alle zu den Texten und zur Melodie beigetragen.“
Die Songs entstehen unter straffen Zeitplänen. Sie sollen in ihren groben Grundzügen am Tag selbst fertig werden. „Der Tag war fast vorbei. Ich wollte aber noch unbedingt ein Violinsolo einbauen. Ich hatte buchstäblich zwei Minuten Zeit, spielte das Solo improvisiert und dann blieb es buchstäblich in der endgültigen Aufnahme.“
So sehen glückliche Gewinnerinnen aus. Foto: Laurent Sturm
Bevor sie am 16. Mai im ESC-Finale auftreten kann, muss sie jedoch noch durch das Halbfinale am 14. Mai. Bis dahin stehen unter anderem Interviews, Promotermine und ein Musikvideodreh an. Und dann ist da ja noch ihr Songwriting-Studium in London! Jetzt feiert sie erst einmal mit ihren Liebsten. „Meine Familie bedeutet mir alles. Sie haben mich von Anfang an unterstützt und waren immer stolz auf mich.“
Dank der pinken T-Shirts sind die Fans von Eva Marija gut aufgefallen. Foto: Laurent Sturm
Auch ihrer Kirchengemeinschaft dankt sie. „Sie haben mich sehr unterstützt. Sie sind heute sogar im knallpinken Merch erschienen, das finde ich fantastisch.“ Ihr Glaube gebe ihr viel. „Mother Nature“ beziehe sich nicht nur auf die Natur, die sie erdet, sondern auch auf ihre Religion. Und mit ihrer Geige, ihrem Glauben und ihrer Familie im Rücken macht sie sich nun schon demnächst auf den Weg zum Eurovision Song Contest nach Wien.