Die Gespräche zwischen Amerikanern, Ukrainern und Russen über ein Ende des russischen Angriffskrieges werden voraussichtlich am 1. Februar in Abu Dhabi fortgesetzt. Das sagte ein US-Offizieller nach Abschluss zweitägiger Gespräche am Golf. Offiziell endeten die Gespräche ergebnislos, die zum ersten Mal seit Juli 2025 Russen und Ukrainer wieder an einen gemeinsamen Verhandlungstisch brachten. Auch Russlands Luftangriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur gingen während der Gespräche in Abu Dhabi unvermindert weiter.

US-Verhandlungsführer Steve Witkoff nannte die Gespräche dennoch „sehr konstruktiv“; der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij „konstruktiv“. Auch ein russischer Verhandlungsteilnehmer sagte der Staatsagentur Tass, es gebe „Resultate“.

Russland beharrt auf ukrainischem Gebietsverzicht

Worin diese bestehen sollen, blieb indes offen. Einer Quelle des ukrainischen Infodienstes RBK-Ukraina zufolge seien Fortschritte bei Diskussionen über eine Einstellung der russischen Angriffe erzielt worden. Doch der russischen Tageszeitung Kommersant zufolge ist dieses Thema in Abu Dhabi überhaupt nicht diskutiert worden.

In der Tat flog Russland etwa in der Nacht auf den zweiten Verhandlungstag am 24. Januar die heftigsten Luftangriffe im noch jungen Jahr. Der ukrainischen Luftwaffe zufolge griff Russland mit 21 ballistischen Raketen und Marschflugkörpern und 375 Kamikaze-Drohnen an. Dem ukrainischen Vize-Ministerpräsidenten Oleksij Kuleba zufolge ließen die Angriffe – bei Temperaturen von minus zehn Grad und darunter – allein in Kiew 800 000 Menschen zunächst ohne Strom, in der ebenfalls schwer angegriffenen Stadt Tschernihiw seien es 400 000 Menschen gewesen. Auch aus anderen Regionen und Städten wie Charkiw gab es Meldungen über Ausfälle. Die Angriffe gingen auch in der Nacht zum Sonntag weiter, der Luftwaffe zufolge mit 104 Drohnen und Raketen.

Russlands Machthaber Wladimir Putin hatte in einem vierstündigen Gespräch mit US-Verhandlungsführer Witkoff und Präsidentenschwiegersohn Jared Kushner in Moskau seinem außenpolitischen Berater Jurij Uschakow zufolge betont, es gebe keine Aussicht auf eine Friedenslösung, bevor sich Kiew nicht bereiterkläre, sich vollständig aus der Region Donezk mit seinen schwer befestigten Schlüsselstädten Slowjansk und Kramatorsk zurückzuziehen.  Putins Sprecher Dmitri Peskow bestätigte dies am ersten Tag der Gespräche in Abu Dhabi. Selenskij und Witkoff erklärten, die Territorialfrage sei bisher ungelöst. Einer Umfrage von Dezember zufolge sind drei Viertel der Ukrainer gegen eine Friedensregelung, die von Kiew verlangen sollte, bisher noch kontrollierte Gebiete aufzugeben.

Dennoch bemühten sich US-Offizielle, die Gespräche in Abu Dhabi und die Position Putins als positiv darzustellen. So habe der Kremlherrscher in der letzten Stunde des Gesprächs mit Witkoff und Kushner gesagt, er wolle „eine diplomatische Lösung dieses Krieges“, so ein US-Offizieller zum Nachrichtenportal Axios. In Abu Dhabi hätten die Amerikaner „eine Menge von Respekt im Raum zwischen den Parteien gesehen, weil sie wirklich versuchten, Lösungen zu finden“. Ein anderer US-Offizieller sagte, man sei „einem Treffen zwischen Putin und Selenskij sehr nahe“. Freilich müssten zuvor die Gespräche am 1. Februar in Abu Dhabi und möglicherweise auch noch weitere in Moskau oder Kiew stattfinden, so sagte ein US-Offizieller der Nachrichtenagentur Reuters.

Wie geht es mit dem Atomkraftwerk Saporischschja weiter

Ein ukrainischer Regierungsvertreter zeigte sich deutlich skeptischer und sagte dem Nachrichtenportal Axios, es sei „zu früh zu beurteilen“, ob Putin den Krieg wirklich beenden wolle. Selbst der oft notorisch optimistische US-Präsident Donald Trump hatte vor den Gesprächen am Golf gesagt, es gebe zwischen Ukrainern und Russen „keine Veränderungen“, zur Diskussion stünden „Dinge, die seit sechs oder sieben Monaten diskutiert worden sind“.

Dazu gehörten neben der Frage, wer das russisch besetzte Atomkraftwerk Saporischschja – das größte Europas – künftig kontrollieren solle, auch US-Sicherheitsgarantien für die Ukraine nach einem Ende der bewaffneten Auseinandersetzungen. Ein US-Offizieller tat die europäischen Bemühungen von Frankreich, England und Deutschland über mögliche Truppen in der Ukraine als nebensächlich ab.

„Die Anstrengungen der Koalition der Willigen sind nett. Sie hatten hier und da ein paar Hubschrauber, ein paar Truppen und ein paar Garantien, aber wenn man zu den Ukrainern spricht, sind es wirklich die amerikanischen Sicherheitsgarantien, die zählen“, zitierte das Portal Politico einen US-Offiziellen. Anders als die Europäer hat Trump bisher die Anwesenheit von US-Truppen zur Friedenssicherung auf ukrainischem Boden ausgeschlossen; die Rede ist lediglich von technischer Hilfe wie Satellitenüberwachung und mutmaßlich anderen Aufklärungserkenntnissen.