Stand: 30.01.2026 20:48 Uhr

Das schleswig-holsteinische Putlos wird im Februar Schauplatz eines Szenarios, das sich niemand wünscht. Experten sehen es aber bedrohlich nahe kommen. Ein NATO-Staat wird angegriffen, andere eilen zu Hilfe. Das Ziel des Manövers “Steadfast Dart”: Stärke zeigen.

von Andreas Schmidt

Dieselqualm wabert, das Gedröhne der Schiffsdiesel hallt von den stählernen Wänden wider. So ist es, wenn eine Kriegsmaschine sich in Bewegung setzt. Das Heck der “Castilla”, einem Landungsschiff der spanischen Marine, ist abgesenkt, sodass ein Teil des Rumpfes unter Wasser steht.

So können zwei Landungsboote ins Innere der “Castilla” fahren, Truppen oder auch Panzerfahrzeuge an Bord nehmen und an den Strand bringen. Kommandant David Diaz-Caneja ist sichtlich stolz auf sein Gefährt: “Wir können sehr schnell und sehr flexibel überall da operieren, wo wir gebraucht werden.”

10.000 Soldaten sind bei “Steadfast Dart” im Einsatz

Ein Mann in Militäruniform

David Diaz-Caneja ist der Kommandant des spanischen Marineschiffes “Castilla”.

Die “Castilla” ist das Flaggschiff des NATO-Manövers “Steadfast Dart”, der größten Übung des Bündnisses im Jahr 2026. Das Manöver hat Anfang Januar begonnen und dauert noch bis Ende März. Europaweit sind etwa 10.000 Soldaten im Einsatz. Das Ziel: möglichst schnell möglichst viele Truppen und Gerät von Südeuropa bis nach Norddeutschland zu bringen. Mit 13 anderen Kriegsschiffen wird die “Castilla” Mitte Februar Truppen an den Strand von Ostholstein bringen. “Verlegeübung” nennen das Militärs. Das klingt zahm, ist es aber nicht.

Krieg als logistische Aufgabe

Ein Mann in Militäruniform

Yves Gruchot hat das NATO-Manöver zwei Jahre lang vorbereitet.

“Logistik ist entscheidend, das haben auch die ersten Wochen im Ukraine-Krieg gezeigt”, sagt Oberstleutnant Yves Gruchot. Der deutsche NATO-Offizier hat zwei Jahre an dem Manöver geplant. “Ohne Logistik scheitern die Pläne der Operateure im Krieg.”

“Baby und Quälgeist zugleich” sei das Manöver für ihn, sagt er schmunzelnd. Zum Start des maritimes Teils der Übung fliegt er nach Rota, zusammen mit dem deutschen General Ingo Gerhartz. Gerhartz hätte im Ernstfall das Kommando über alle NATO-Truppen in Zentraleuropa.

“Signal in alle Richtungen”

Im Inneren der “Castilla” baut sich General Gerhartz vor der internationalen Presse auf. “Gerade in Zeiten wie diesen”, betont er, “ist nichts wichtiger, als unsere Einigkeit und Entschlossenheit zu zeigen.” Nur wenn das Bündnis einig sei, könne es auch abschrecken. Das sei kein Signal speziell an Russland, sondern “360 Grad”, also an alle. “Strategische Kommunikation” nennt das sein Chefplaner Yves Gruchot. Im Optimalfall sei die Botschaft: “Wir können das, wir sind einig, wir sind da.”

Kein Zweifel an den USA, aber Europa “muss mehr tun”

Eine Aufnahme von Yves Gruchot

NATO-General Ingo Gerhartz fordert mehr Einsatz für Verteidigung in Europa.

Dass die Amerikaner nicht bei dieser Übung dabei sind, spielt General Gerhartz herunter. “Sie sind aktuell nicht Teil der Allied Reaction Force, es kann aber gut sein, dass sie das nächste oder übernächste Mal wieder dabei sind.”

Innerhalb der NATO habe er täglich mit US-Admirälen zu tun und er habe “keinerlei Zweifel, dass wir hier zusammenstehen.” Gleichwohl geht er davon aus, dass die konventionellen US-Truppen sich innerhalb der nächsten Jahre aus Europa zurückziehen. “Das bedeutet, wir Europäer müssen deutlich mehr tun, um für unsere Verteidigung zu sorgen.”

Kurs Kiel, dann Putlos

In den nächsten Tagen wird sich die Flottille aus Rota in Bewegung setzen, unter Führung der “Castilla”. Begleiten wird sie unter anderem ein türkischer Drohnenträger, die “Anadolu”. Das türkische Schiff kam zwischenzeitlich wegen eines Sturms vor der spanischen Küste nicht weiter.

Auf dem Weg treffen die NATO-Schiffe dann noch auf britische und französische Einheiten. Am 10. Februar machen sie einen Stopp in Kiel, danach geht es weiter nach Putlos, vor die Küste von Ostholstein.

Die angespannte Lage in der Ostsee macht dem Kommandanten der “Castilla” keine Angst: “Wir sind auf alles vorbereitet. Wir trainieren, als würden wir kämpfen. Und wir kämpfen so, wie wir es trainieren.” Am 18. Februar wird sich auch Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) ein Bild von dem NATO-Manöver machen.

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