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Mehrere Berichte stellen die Qualität der Kampfdrohnen infrage, die für die Bundeswehr beschafft werden soll. Der Hersteller wehrt sich.

Berlin – Die Bundeswehr steht kurz vor der Anschaffung von Kampfdrohnen und plant dafür Investitionen von 600 Millionen Euro. Ein neuer Bericht weckt jedoch Zweifel an der Qualität: Daten aus dem Ukraine-Krieg zeigen offenbar, dass die Drohnen weit hinter den Erwartungen zurückbleiben. Besonders das Münchner Drohnen- und KI-Unternehmen Helsing, das einen Auftrag von 300 Millionen Euro erhalten soll, gerät in die Kritik.

Ukrainische Soldaten mit einer Drohne in der Region Saporischschja.

Ukrainische Soldaten mit einer Drohne in der Region Saporischschja. © Dmytro Smolienko / Avalon/IMAGO

Dem Nachrichtenportal Politico liegen nach eigenen Angaben interne Daten des deutschen Verteidigungsministeriums vor. Diese belegen offenbar, dass nur etwa ein Drittel der bisher eingesetzten Drohnen bei Einsätzen in der Ukraine erfolgreich ihre Ziele erreichten. Die Fehlschläge seien meist nicht auf russische Gegenmaßnahmen zurückzuführen, sondern auf technische Probleme. Dazu gehören eine instabile Videoübertragung, Einschränkungen bei der Zielerfassung und unflexible Sensorsysteme.

Kritische Berichte über Kampfdrohnen häufen sich

Es ist nicht der erste Bericht, der die Qualität des Münchner Unternehmens infrage stellt. In einem Bloomberg-Artikel wurde kürzlich behauptet, die Ukraine habe „neue Bestellungen für Helsing-Drohnen zurückgestellt“ – aufgrund von Qualitätsmängeln. Auch hier berief man sich auf eine interne Präsentation einer Bundeswehreinheit, die General Gunter Schneider unterstellt sein soll. Schneider wurde im Oktober zum Leiter der Abteilung Streitkräfte im deutschen Verteidigungsministerium ernannt.

Helsing weist die Vorwürfe zurück. In einer Mitteilung Mitte Januar hieß es: „Die HX-2 wurde erfolgreich in Frontoperationen in der Ukraine getestet, und die Leistung des Systems wurde dokumentiert.“ Die Drohne habe bei militärischen Tests in Deutschland, Großbritannien und Kenia durchweg Trefferquoten von nahezu 100 Prozent erzielt. Man sei grundsätzlich dankbar für ehrliches Feedback. „Wir können jedoch keine irreführenden Berichte über unser Unternehmen und unsere vielen Mitarbeiter tolerieren, die sich für die Sicherheit Europas einsetzen.“

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Ob die Bundeswehr die Drohnen letztendlich erhält, wird voraussichtlich der Bundestags-Haushaltsausschuss im Februar entscheiden. „Wir gehen davon aus, dass im Februar zwei Beschlussvorlagen zur Anschaffung von Kampfdrohnen bei uns eingehen werden“, sagte Andreas Schwarz, Verteidigungsexperte der SPD-Bundestagsfraktion, gegenüber dem RND. Den Informationen zufolge sollen das Münchner Unternehmen Helsing und das Berliner Rüstungs-Startup Stark Defence jeweils einen Auftrag von 300 Millionen Euro erhalten. (Quellen: Politico, Bloomberg, Helsing, dpa) (no)