„America First“ war immer auch ein Eingeständnis amerikanischer Schwäche. Denn der Slogan impliziert, dass die USA nicht mehr in der Lage sind, die ganze Welt zu verbessern – oder eben nur auf Kosten des eigenen Landes. Der Niedergang vieler Städte und ganzer Bundesstaaten belegt: Diese Kosten sind zu hoch geworden.
Jahrzehntelang versuchten sich die Vereinigten Staaten im Nation Building auf dem ganzen Globus, verkämpften sich in billionenteuren Kriegen des Nahen Ostens oder in der Wahrung von Sicherheitsgarantien für die Europäer, die ja immer auch mit Truppen und Investitionen vor allem im Osten des Kontinents unterlegt sein mussten. Mittlerweile kosten Washington allein die Zinsen für Staatsschulden mehr als der gesamte Verteidigungsetat. Wer all seine Kraft darauf richten muss, Amerika wieder groß zu machen, hat offensichtlich nicht mehr die Kraft, den Rest der Welt aufzurichten.
Rubio nennt US-Hegemonie Ausnahme der Geschichte
Direkt nach der Amtsübernahme Trumps Anfang 2025 erklärte Außenminister Marco Rubio das völlig nüchtern: „Es ist nicht normal, dass es nur eine einzige Supermacht auf der Welt gibt. Das war keine Normalität, sondern eine Anomalie. Es war eine Folge des Endes des Kalten Krieges, aber irgendwann musste man wieder zu einer multipolaren Welt zurückkehren, mit mehreren Großmächten in verschiedenen Teilen der Welt.“
Doch die europäischen Staatschefs haben das nie anerkennen wollen und ihren Bürgern den Rückzug der USA als Verrat verkauft. Als würden die Amerikaner ohne Grund der Ukraine die Mittel verweigern. Als würde das Land, das gemeinsam mit den Sowjets die Nazi-Herrschaft über Europa unter hohem Blutzoll gebrochen hat, nun willkürlich seine Verbündeten im Stich lassen. Nein, hinter Trumps Rhetorik steckt eine viel beunruhigendere Erkenntnis: Amerika kann sich Europa nicht mehr leisten.
Daddys Bosheit ist leichter zu ertragen als seine Ohnmacht
Es ist für Teenager aber viel angenehmer zu glauben, dass Daddy Trump, wie Nato-Generalsekretär Mark Rutte den US-Präsidenten nennt, einfach den Geldhahn zudreht, als einzusehen, dass der Vater ums eigene Überleben kämpfen muss. Vielleicht sind die Europäer auch nicht in der Lage, den Ernst des geopolitischen Lebens zu erkennen, vor dem sie die Supermacht USA so lange abgeschirmt hat.
Von Konfuzius soll der Ausspruch stammen: „Jeder Mensch hat zwei Leben. Das zweite beginnt, wenn er erkennt, dass er nur eines besitzt.“ Staaten und Kontinente leben länger als Menschen, aber auch sie sind sterblich. Und erst wenn Europa das erkannt hat, wird es sein Schicksal wieder selbst in die Hand nehmen können. Um zu dieser Einsicht zu gelangen, sind Nahtoderfahrungen mehr als hilfreich. Und so ließe sich der Zerfall des westlichen Verteidigungsbündnisses auch als Chance begreifen.
Wer nichts mehr hat, wird auch nicht ausgeraubt
Aber während der Bundeskanzler sich um die große Weltpolitik kümmern will, stünde es Deutschland eigentlich besser zu Gesicht, kleinere Brötchen zu backen, vor allem in der Hauptstadt. Seit Tagen sind die Gehwege Berlins buchstäblich No-Go-Areas. Weil ein Naturschutzgesetz den Einsatz von Tausalz verbietet, brechen sich Bürger die Knochen, manche erleiden Hirnblutungen, es gab schon einen Querschnittsgelähmten. Der Regierende Bürgermeister flehte öffentlich die SPD an, das Gesetz zu ändern, aber Sozialdemokraten warnten vor einem „Schnellschuss“. Seit Freitagnachmittag heißt es, nun dürfe doch auch Salz gestreut werden, aber wer weiß, ob es die notwendigen Mengen überhaupt gibt.