Am 15. Dezember 2025 hat die EU Jacques Baud, einen ehemaligen Schweizer Oberst im Generalstab, sanktioniert. Brüssel bezichtigt ihn, als «Sprachrohr für prorussische Propaganda» zu fungieren, und hat eine Einreisesperre für den EU-Raum und Kontosperren gegen ihn verhängt.
Die Affäre sorgt besonders in der Schweiz für hitzige Diskussionen. Ins Zentrum rücken dabei auch die Bundesberner Behörden. Was genau haben sie unternommen, um Baud zur Hilfe zu kommen?

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Recherchen dieser Zeitungen zeigen: In der entscheidenden Phase zerbrachen sich Beamte des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) sowie des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) ausgerechnet darüber den Kopf, welche Wortwahl in der Causa Baud nun die treffendste ist. Daniel Aeby, Ressortleiter Sanktionen im Seco, beschäftigte sich am Vormittag des 16. Dezember 2025 just damit.
In einer E-Mail-Nachricht an Seco- und EDA-Mitarbeiter schrieb er an diesem Tag etwa: «Im Fall JB ist mit einer erhöhten Anzahl parlamentarischer und medialer Anfragen zu rechnen. Deshalb möchten wir gemeinsam mit dem EDA eine Sprachregelung vereinbaren.»
Im Vorschlag hiess es dann lediglich, dass das Seco «Kenntnis vom EU-Beschluss» habe. Und die Schweiz sich nicht den Sanktionen gegen Baud anschliesse. Ähnliche Aussagen kommunizierten die Behörden dann am selben Tag später auch gegenüber Medien. Von einer milden Silbe der Kritik war aus den Zeilen nichts herauszulesen.
Weiter zeigen E-Mail-Nachrichten, die der Weltwoche gestützt auf das Öffentlichkeitsgesetz vorliegen: Die Affäre Baud beschäftigte die Bundesberner Ämter schon vor dem 15. Dezember, dem Tag, als die EU die Sanktionen gegen Baud verhängt hatte.
So fand etwa am 13. Dezember ebenfalls ein E-Mail-Austausch zwischen Mitarbeitern des EDA und des Seco statt. Dessen Inhalt hat Cassis’ Behörde jedoch in Gänze schwärzen lassen. Begründung: Eine Offenlegung gefährde die «aussenpolitischen Interessen und die internationalen Beziehungen der Schweiz».
Aus Bern ist zu hören: Auch eine ausländische Behörde habe sich dagegen gewehrt, dass der E-Mail-Verkehr publik gemacht werde. Dabei dürfte es sich um die Europäische Union handeln.
Wir halten fest: Eine gemeinsame «Sprachregelung» war den Behörden in der Schweiz in der heissen Phase offenbar wichtiger als das Wohlergehen Bauds. Dieses hatte für das Seco und das EDA anscheinend keine Priorität. Dabei ging immer auch die Angst um, auf keinen Fall die EU zu verärgern.
Zur Erinnerung: Rita Adam, Chefin der Schweizer Mission in Brüssel, intervenierte erst am 9. Januar ein erstes Mal bei der EU in der Angelegenheit. Baud selbst hatte am 12. Dezember 2025 die Schweizer Mission in Brüssel um Hilfe gebeten. Passiert jedoch ist lange nichts. Bis die Schweizer Behörden aktiv den Kontakt zu ihm suchten, dauerte es rund zehn Tage.