Die endgültigen Zahlen zur unselbstständigen Beschäftigung liegen erst Mitte Februar vor, deshalb gibt es für die nationale Berechnung der Arbeitslosenquote vorerst nur diese Schätzung. Gemäß der Berechnung der EU-Statistikbehörde EUROSTAT, die aufgrund einer anderen Erhebungsweise traditionell unter dem heimischen Wert liegt, gibt es vorerst nur Zahlen für Dezember: Demnach hatte sich da die Arbeitslosenquote hierzulande um 0,4 Prozentpunkte auf 5,8 Prozent erhöht.

„Der Arbeitsmarkt steht weiterhin unter dem Eindruck der schwachen Konjunktur, zeigt aber zugleich erste Anzeichen einer Stabilisierung“, so Arbeits- und Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) mit. Österreich befinde sich „weiterhin in einer Phase wirtschaftlicher Stagnation“. Der Zuwachs von rund 8.000 Beschäftigungsverhältnissen könne den Anstieg der Arbeitslosigkeit derzeit allerdings nicht vollständig ausgleichen, da das Arbeitskräfteangebot steige.

Die Balkengrafik zeigt die Entwicklung der Arbeitslosigkeit in Österreich seit 2015. Im Jänner 2026 beträgt die Arbeitslosigkeit acht Komm acht Prozent.

Grafik: APA/ORF; Quelle: AMS

Rückgang bei Schulungen

Von den fast 456.200 Menschen ohne Job im Jänner befanden sich 76.421 in Schulungen – das waren österreichweit um 3.346 Personen oder 4,2 Prozent weniger als vor einem Jahr. Rückläufig war die Zahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer in den Bundesländern Wien (minus 11,7 Prozent), Salzburg (minus 4,6 Prozent) und Vorarlberg (minus 1,8 Prozent). Überall sonst gab es mehr Menschen in AMS-Schulungen – am stärksten war der Anstieg in Tirol (plus 5,8 Prozent) und Oberösterreich (plus 5,1 Prozent).

Die Zahl der offenen Stellen hat sich im Jahresabstand stark verringert – sofort verfügbar waren nur 68.463 (minus 10,5 Prozent), nicht sofort verfügbar 14.556 (minus 13,2 Prozent).

Weniger Lehrstellen

Die sofort verfügbaren Lehrstellen sanken um 14,8 Prozent auf 5.963, die nicht sofort verfügbaren um 5,3 Prozent auf 11.601. Die Zahl jener, die eine sofort verfügbare Lehrstelle suchten, legte um 9,2 Prozent auf 9.493 Personen zu; 4.014 Menschen suchten eine nicht sofort verfügbare Lehrstelle (minus 5,3 Prozent).

„Mit kleinen und langsamen Schritten bewegt sich die österreichische Wirtschaft Richtung Erholung“, hielt auch AMS-Vorständin Petra Draxl bei der Zahlenbekanntgabe fest. Wirtschaftsforscherinnen und -forscher rechneten für heuer mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von rund einem Prozent. „Der Arbeitsmarkt spiegelt diese Entwicklung erst mit Verzögerung wider und hat die Talsohle noch nicht zur Gänze durchschritten“, so die Einschätzung der AMS-Chefin.

Die Balkengrafik zeigt die Arbeitslosigkeit in Österreich 2026 im Detail. Die Arbeitslosigkeit steigt um zwei Komma fünf Prozent, am stärksten bei Frauen mit plus fünf Prozen. die offenen Stellen sinken um zehn Komma fünf Prozent.

Grafik: APA/ORF; Quelle: AMS

In welchen Gruppen die Arbeitslosigkeit zunahm

Erste positive Vorzeichen seien jedenfalls die aktuellen Zahlen in der Industrie, in der der Zuwachs bei den Arbeitslosen lediglich 0,4 Prozent betragen habe, sowie der mit 0,6 Prozent geringe Anstieg unter Männern (267.630). Die Arbeitslosigkeit unter den Frauen legte hingegen um fünf Prozent auf 188.562 Personen zu.

Besonders stark von zunehmender Arbeitslosigkeit betroffen waren den Angaben zufolge Personen mit akademischer Ausbildung (plus 12,7 Prozent), Personen mit Behinderung (plus 12,6 Prozent) und über 60-Jährige (plus 12,1 Prozent). Die wenigsten Arbeitslosen gab es bei Personen mit mittlerer Ausbildung (21.164 Menschen).

Rückgang bei Asylberechtigten

Der anhaltende Anstieg der Arbeitslosigkeit trifft laut Sozialministerium aber vor allem auch die Langzeitbeschäftigungslosen. Ende Jänner seien 101.536 Menschen seit mindestens einem Jahr beim AMS vorgemerkt gewesen – ein Anstieg von 12.569 Personen oder 14,1 Prozent.

In absoluten Zahlen waren im Jänner 264.224 Inländerinnen und Inländer arbeitslos und 191.968 Ausländerinnen und Ausländer. Positiv sei die Entwicklung bei den Asylberechtigten „mit einem kontinuierlichen Rückgang der vorgemerkten Arbeitslosen und Schulungsteilnehmerinnen und -teilnehmer seit Mai 2025“, so Draxl. Heuer im Jänner sei hier die Zahl gegenüber Jänner des Vorjahres um 9,8 Prozent gesunken.

Wie es in den Bundesländern aussieht

Die meisten Arbeitslosen (173.546) gibt es in Wien – doch lag hier zumindest der Anstieg zu Jahresbeginn mit 1,3 Prozent unter dem österreichweiten Schnitt – mehr dazu in wien.ORF.at . Als erfreulich strich die AMS-Chefin hervor, dass der Anstieg der Arbeitslosigkeit neben dem bevölkerungsreichen Bundesland Wien auch in Oberösterreich mit einem Plus von 0,6 Prozent auf 59.945 Personen „deutlich geringer“ als im Bundesschnitt ausfiel – mehr dazu in ooe.ORF.at.

Beim Zuwachs stark darüber lagen hingegen Niederösterreich (plus 6,1 Prozent auf 69.073) – mehr dazu in noe.ORF.at, Vorarlberg (plus 4,9 Prozent auf 14.415) – mehr dazu in vorarlberg.ORF.at, das Burgenland (plus 4,3 auf 13.233) – mehr dazu in burgenland.ORF.at, und die Steiermark (plus 3,6 auf 57.962) – mehr dazu in steiermark.ORF.at.

In Kärnten kam es zu einer Zunahme bei den Arbeitssuchenden um 0,4 Prozent. Insgesamt suchten im Jänner 28.134 Menschen einen Job, davon befanden sich 3.349 in Schulungsmaßnahmen – mehr dazu in kaernten.ORF.at. In Salzburg waren Ende Jänner genau 15.274 Personen arbeitslos beim AMS Salzburg gemeldet. Das ist ein Plus von 444 Personen oder umgerechnet drei Prozent mehr als im Vergleichsmonat des Vorjahres. Bei den Frauen stieg die Arbeitslosigkeit deutlich mehr als bei den Männern – mehr dazu in salzburg.ORF.at.

Der Anstieg der Arbeitslosigkeit ist in Tirol offenbar etwas eingebremst. Mit Ende Jänner waren 19.418 Personen beim Arbeitsmarktservice (AMS) für die Jobsuche gemeldet, das ist ein leichtes Plus von 1,8 Prozent gegenüber einem Jahr davor – mehr dazu in tirol.ORF.at.

Opposition kritisiert Regierung

Kritik kommt von der Opposition. Für die FPÖ hat die schwarz-rot-pinke „Verliererkoalition“ weder ein Konzept zur Sicherung bestehender Arbeitsplätze noch eine Strategie für Qualifizierung und Umschulung angesichts des technologischen Wandels, so FPÖ-Sozialsprecherin Dagmar Belakowitsch mit Blick auf die aktuellen Arbeitsmarktdaten. Stattdessen würden steigende Lohnnebenkosten, die noch immer vorherrschende überbordende Bürokratie und eine wirtschaftsfeindliche Politik den Standort Österreich schwächen und Betriebe zur Abwanderung oder zum Personalabbau zwingen. „Wer Unternehmen belastet, gefährdet Arbeitsplätze“, so Belakowitsch.

Auch die Grünen kritisieren die Regierung. „Angesichts der weiter stark steigenden Arbeitslosenzahlen darf es kein ‚Weiter wie bisher‘ in der Arbeitsmarktpolitik geben“, so der Arbeits- und Sozialsprecher der Grünen, Markus Koza, in einer Aussendung. „Wir brauchen einen grundlegenden Kurswechsel in der Arbeitsmarktpolitik: ein Ende der Kürzungen, dafür Investitionen in Qualifizierung, Weiterbildung und Beschäftigung.“