Der angeschlagene steirische Konzern AMS-Osram verkauft das Sensorgeschäft für 570 Millionen Euro an Infineon. Damit soll der Schuldenberg verringert werden. Wie es mit dem Werk in Premstätten weitergeht.

Nun ist es fix. Wie „Die Presse“ in den vergangenen Wochen mehrmals berichtete, waren die Gespräche rund um einen Verkauf des österreichisch-deutschen Chip- und Sensorhersteller AMSOsram bereits fortgeschritten. Am Dienstagabend gab das Unternehmen bekannt, dass ein Teilbereich des Sensorgeschäfts nun tatsächlich an Infineon verkauft wurde.

Konkret geht es um das „nichtoptische Automotive-, Industrie- und Medizinsensorgeschäft“, das für 570 Mio. Euro an Infineon gehen soll, wie das Unternehmen Dienstagabend mitteilte. Das Closing der Transaktion werde für das zweite Quartal 2026 erwartet.

Premstätten bleibt der Hauptsitz des Unternehmens. Rund 70 Beschäftigte wechseln nach dem Closing zu Infineon nach Graz, wie aus dem Unternehmen gegenüber „Der Presse“ bestätigt wird. Lange war spekuliert worden, ob das Werk in Premstätten verkauft wird – dies ist nun nicht der Fall. AMS-Osram fertigt seine verbliebenen Produkte dort weiter. Die Vereinbarung umfasst außerdem ein mehrjähriges Lieferabkommen.

Die verkaufte Sparte Geschäft erwirtschaftete den Angaben zufolge im vergangenen Jahr rund 220 Mio. Euro Umsatz und etwa 60 Mio. Euro bereinigtes Ebitda. Der Verkauf betrifft laut AMS-Osram auch Gesellschaften, die rund 130 Mio. Euro an Vermögenswerten halten, welche die Wandelanleihen und Senior Notes der Gruppe besichern. Die entsprechenden Erlöse sollen für einen anteiligen Rückkauf bzw. die Rückzahlung dieser Instrumente verwendet werden.

In Summe sollen die Teilverkäufe im Rahmen des Entschuldungsplans rund 670 Mio. Euro einbringen. Damit soll der Pro-forma-Verschuldungsgrad von 3,3 auf 2,5 (inkl. Osram-Put-Optionen) sinken.

Seit der Übernahme des deutschen Traditionskonzerns Osram im Jahr 2020 durch den damals deutlich kleineren Sensorspezialisten AMS steht das fusionierte Unternehmen AMS-Osram unter erheblichem finanziellem Druck. Dieser strategische Kauf gilt mittlerweile als Ursache der aktuellen Probleme: Seither leidet der Konzern unter Schulden in Milliardenhöhe. Ursprünglich war man davon ausgegangen, die Übernahme rasch durch Synergien und den Zugang zu neuen Märkten rechtfertigen zu können – Erwartungen, die sich bislang nur teilweise erfüllt haben. AMS-Osram hatte es darauf angelegt, seine Micro-LED-Technologie großflächig ausrollen zu können. Eigens dafür zog man eine Fabrik in Kulim (Malaysia) hoch, deren Kosten sich inklusive Forschung auf 1,3 Milliarden Euro beliefen. Der Kunde, der diese Technologie hätte abnehmen sollen, war niemand Geringerer als Apple – wenngleich sich AMS-Osram aus Geheimhaltungsgründen nie offiziell dazu äußerte. Der Technologiekonzern aus dem Silicon Valley überlegte es sich jedoch anders und stornierte den Auftrag.

Die finanziellen Folgen wiegen schwer. Die Schulden des Konzerns liegen aktuell bei rund zwei Milliarden Euro. Der Druck, diese abzubauen, ist entsprechend hoch – allein die Zinszahlungen machen derzeit einen beträchtlichen Teil der Belastung aus, wie Insider gegenüber der „Presse“ berichten. Vor diesem Hintergrund fiel bereits im vergangenen Frühjahr die Entscheidung, Unternehmensteile zu veräußern.

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