Das neue Suizidhalsband von «Sarco»-Erfinder Philip Nitschke soll in der Schweiz erstmals an einem Menschen getestet werden.
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Nach der Suizidkapsel «Sarco» sorgen ihre Erfinder nun mit einem neuen Produkt für Aufsehen: Das Suizidhalsband «Kairos», das per Druck auf die Halsschlagader zum Tod führt, soll in der Schweiz getestet werden.
«Es funktioniert wie ein Airbag im Auto: Knopf drücken, es knallt, man wird ohnmächtig und stirbt.»
Mit diesen drastischen Worten umschrieb Philip Nitschke, der Erfinder der umstrittenen Suizidkapsel «Sarco», kürzlich in der australischen Zeitung «The Herald Sun» sein neues Projekt. Es handelt sich um ein Suizidhalsband namens «Kairos», das laut «Beobachter» nun in der Schweiz erstmals an einem Menschen getestet werden soll.
Das nach dem griechischen Gott der Gelegenheit benannte Halsband besitzt zwei kleine Ballons, die sich nach Knopfdruck aufblasen und gezielt Druck auf die Halsschlagadern sowie auf sogenannte Barorezeptoren ausüben. Dadurch wird die Durchblutung des Gehirns stark reduziert, in der Folge kommt es zur Bewusstlosigkeit und schliesslich zum Tod.
Nitschke bezeichnet das Halsband bei X als «wichtige Entwicklung in der Sterbehilfe – schnell, zuverlässig, medikamentenfrei. Und vor allem uneingeschränkt.»
Bereits im vergangenen Jahr hatte Nitschke seine Erfindung in einem Workshop vor Medienvertretern präsentiert und an einer Puppe vorgeführt. Der erste Test an einer echten Person soll nun in der Schweiz stattfinden, wie Nitschke gegenüber dem «Beobachter» bestätigte; auch «Blick» berichtete.
Als Testperson hätte sich demnach eine Frau aus den Niederlanden bereit erklärt. Ein medizinisches oder juristisches Gutachten, das den Einsatz in der Schweiz prüft, liegt bislang jedoch nicht vor. Nitschke, der einst als Arzt tätig war, beruft sich auf Forschungsarbeiten aus den USA aus den 1940er-Jahren zur Unterbrechung der Hirndurchblutung.
Erster «Sarco»-Einsatz sorgt international für Aufsehen
Weitere Details wolle er noch in diesem Monat an einer Pressekonferenz bekannt geben, so der Australier. Bekannt wurde Nitschke durch seine Erfindung «Sarco», eine Kapsel, in der sich Menschen per Knopfdruck mithilfe von Stickstoff selbst das Leben nehmen können.
Im September 2024 kam sie erstmals zum Einsatz, als eine US-Amerikanerin in einem Wald im Kanton Schaffhausen Suizid beging. Initiiert von der Sterbehilfeorganisation «The Last Resort», dem Schweizer Ableger von «Exit International», sorgte der Fall international für Aufsehen und mehrere Strafverfahren.
Der damalige Präsident der Organisation, Florian Willet, hatte dem Suizid der schwerkranken 64-Jährigen als Einziger beigewohnt und danach wegen Verdachts auf vorsätzliche Tötung 70 Tage in Untersuchungshaft gesessen. Nach seiner Freilassung soll er an schweren psychischen Problemen gelitten haben; im Mai 2025 nahm er sich mit 47 Jahren selbst das Leben.
Nach seinem Tod hatten die Aktivitäten der Organisation ein Jahr lang geruht. Inzwischen wurde mit Marc Dusseiller ein neues Vorstandsmitglied eingetragen: Der 50-jährige Schweizer ist in die Pläne rund um «Kairos» eingebunden, betonte gegenüber dem «Beobachter» aber, dass Nitschke das Projekt leite.
Dusseiller sieht die Rolle von «The Last Resort» vor allem darin, Informationen bereitzustellen. Herstellung und Anwendung des Halsbands sollen offen zugänglich sein und kostenlos vermittelt werden. Dusseiller zufolge müssten Interessenten mindestens 50 Jahre alt und uneingeschränkt entscheidungsfähig sein, was durch ein «Assessment» geprüft werde.
Jeder könne das Halsband selbst nachbauen, es sei eine Alternative zu den bestehenden Methoden. «Beim Kairos-Halsband handelt es sich nicht um ein Medizinprodukt, und es ist keine Einnahme von Medikamenten notwendig.»
Für assistierten Suizid müssen normalerweise Urteilsfähigkeit und unerträgliches Leiden ärztlich bestätigt werden. Mit «Sarco» und nun auch «Kairos» wollen Nitschke und seine Mitstreiter dies umgehen. Grundsätzlich strafbar würden sich Helfer nur machen, wenn sie aus Eigennutz handeln. Die Kosten für das Halsband sollen deshalb lediglich die Produktionskosten decken – ein paar Hundert Franken.
– Nebelmeer: Perspektiven nach dem Suizid eines Elternteils