Rädler hatte mit einer starken Abfahrt und Platz zwei nur sechs Hundertstel hinter US-Weltmeisterin Johnson am Vormittag den Grundstein zur Sensation gelegt. Huber verwies schließlich im Slalom das bis dahin führende deutsche Duo Emma Aicher und Kira Weidle-Winkelmann um 0,05 auf den zweiten Platz. Bronze ging an ein US-Duo, aber nicht an Shiffrin/Johnson, sondern deren Teamkolleginnen Jacqueline Wiles und Paula Moltzan (+0,25).
„Ich habe, glaub ich, eine gute Abfahrt gezeigt. Die Kathi – ich hatte ein gutes Gefühl bei ihr. Sie hat den Slalom so super runtergedrückt. Ich war unglaublich nervös – es ist so cool. Klar, als kleines Kind habe ich davon geträumt. Wir sind mit dem Skifahren groß geworden“, sagte eine strahlende Rädler. „Dass es Gold geworden ist, habe ich noch gar nicht begriffen.“

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Katharina Truppe (r.) war die erste Gratulantin bei Huber nach deren sensationellem Lauf
Auch Huber konnte ihr Glück kaum fassen. „Es ist unbeschreiblich, ich war extremst nervös, Ari ist so geil gefahren, und das habe ich mir auch vorgenommen. Dass sich das ausgegangen ist und wir als Olympiasiegerinnen hier stehen, ich glaube es noch immer nicht. Das wurde mir früher angeprangert (unten nicht schnell zu sein, Anm.), jetzt habe ich dort Gold geholt. Der Kreis schließt sich, umso schöner“, sagte die Niederösterreicherin.
Shiffrin fehlt der Halt
Denn ausgerechnet Superstar Shiffrin, die heuer bis auf einen Slalom im Weltcup alle gewonnen hatte, kam nicht auf Touren und rutschte auf den vierten Platz zurück (+0,31). Unmittelbar dahinter landeten Katharina Truppe und Cornelia Hütter auf dem fünften Platz. Auf eine Medaille fehlten dem Duo 31 Hundertstel. Katharina Gallhuber und Nina Ortlieb wurden Siebente, Mirjam Puchner und Lisa Hörhager belegten Rang 14.
Die große Favoritin Mikaela Shiffrin fiel diesmal nicht nur zurück, sondern sogar aus den Medaillenrängen.
Shiffrin nahm nach der verpassten Wiederholung der Goldenen von der WM in Saalbach die Schuld auch auf ihre Kappe. „Breezy hat einen unglaublichen Lauf geliefert, und das alles nach ihren speziellen Tagen, für Paula und Jacqui freue ich mich. Ich muss Adaptierungen machen, um mit der Oberfläche besser klar zu kommen. Es ist unglaublich für Österreich, Deutschland und auch die USA“, sagte der US-Star und gab die faire Verliererin. Johnson nahm die Niederlage locker: „Ich konnte befreit auffahren. Wir haben einfach unser Bestes versucht, und das ohne Erwartungen, manchmal kommt so was raus“, sagte die Olympiasiegerin in der Abfahrt.
Sternstunde für „Team 95“
Der Platz an der im Slalom von Wolken über der Tofana verdeckten Sonne gehörte aber Huber und Rädler, die gemeinsam die bisherige Sternstunde ihrer Karrieren erlebten. Die 30-jährige Niederösterreicherin Huber war im Weltcup bisher nur in einem Team-Bewerb auf dem Podest gestanden, hatte aber immerhin bereits eine Olympiagoldene daheim. Beim Team-Bewerb 2022 war die Niederösterreicherin aber nur Ersatz ohne Einsatz gewesen. Die 31-jährige Vorarlbergerin Rädler hat zwei dritte Plätze zu Buche stehen.
Der große Moment für Ariane Rädler und Katharina Huber bei der Siegerehrung im Zielraum der Tofana.
Für Österreichs Team ist es nach Snowboarder Benjamin Karl die zweite Goldene bei den Spielen 2026, dazu kommen bisher drei Silbermedaillen durch Sabine Payer im Snowboard, Rodler Jonas Müller und die Manuel Feller und Vincent Kriechmayr in der Teamkombi der Männer am Montag. Dank der sensationellen Goldenen des „Teams 95“ – sowohl Rädler, als auch Huber sind Jahrgang 1995 – ging eine lange Durstrecke für Österreichs Skifahrerinnen zu Ende. Anna Veith hatte 2014 als letzte ÖSV-Dame Gold im Super-G gewonnen.
Ariane Rädler legte mit einer starken Abfahrt den Grundstein zum späteren Olympiasieg.
Teamkolleginnen freuen sich mit
Die anderen Österreicherinnen konnten sich immerhin mit ihren Teamkolleginnen mit freuen. „Richtig geil, das freut mich richtig für die zwei, ist verdient, sie sind richtig gut gefahren. Hut ab“, sagte Truppe im ORF-Interview. Die Kärntnerin, heuer Österreichs konstanteste Läuferin, konnte diesmal dem Druck nicht standhalten: „Ich habe die Nerven nicht gehabt, heute. Das bremst von Schwung zu Schwung. Deswegen wundert es mich nicht, dass es nicht gereicht hat.“
Truppes „Bauer-Power“-Kollegin Hütter, beide Läuferinnen sind auf einem Bauernhof groß geworden, stellte ebenfalls die Freude über die Goldene für Rädler und Huber über die eigene Enttäuschung. “Es war richtig cool zum Zuschauen. Nicht so gut für uns, aber Gold für Österreich. Die Steirerin, die vehement für einen Verbleib des Formats plädierte, freute sich besonders für Rädler: „Es ist cool: Die Ari und ich haben den gleichen Servicetechniker. Sie hat es richtig gut erwischt. Kathi hat es im Slalom richtig runtergedrückt. Damit hat niemand gerechnet, das ist cool – so ist Sport.“
Kurzes Comeback von Vlhova
Der Slalom begann zumindest mit einem emotionalen Moment. Denn die Slowakin Petra Vlhova gab zwei Jahre nach ihrer schweren Knieverletzung und einer weiteren Operation im Vorjahr ihr Comeback in einem Rennen. Allerdings schaffte es die 30-Jährige nicht ins Ziel, sondern schied ungefähr zur Mitte des Kurses aus. Trotzdem wurde Vlhova vom Publikum mit großem Applaus empfangen.
Mit den Medaillen hätte die slowakische Slalom-Olympiasiegerin von 2022 aber nichts zu tun gehabt. Denn Vlhova hatte von Katarina Srobova einen Rucksack mit zehn Sekunden Rückstand übernommen. Die sentimentale Favoritin Sofia Goggia war bereits zur Halbzeit aus dem Rennen. Die Abfahrtsdritte aus Italien kam diesmal zu Sturz und bescherte Lara della Mea einen freien Nachmittag.