Mit einem Familienerbstück war Laura Sanna aus Remich in der Ausgabe der ZDF-Sendung „Bares für Rares“ am vergangenen Montag zu Gast. Vor den Augen von Horst Lichter und Experte Colmar Schulte-Goltz präsentierte die Luxemburgerin ein spanisches Tänzerpaar aus Feinsteingut, das aus dem Haus ihrer 91-jährigen Großmutter stammt und bei der Auflösung des Haushalts entdeckt wurde.

Im Gespräch mit Horst Lichter verrät Sanna, dass sie die Vorbesitzerin vorher gefragt habe, ob sie die Figuren verkaufen dürfe. Die habe gesagt: „Ja, nimm das Geld und kauf dir was Schönes.“

Bei den beiden Figuren handelt es sich um einen Entwurf der französischen Designerin Raymonde Guerbe aus dem Jahr 1925. Foto: Screenshot – ZDF „Bares für Rares“

Danach geht es weiter mit der Expertise zu den beiden Mitbringseln der 32-Jährigen. Bei den Figuren handelt es sich um ein Art-déco-Ensemble, das im Jahr 1925 von der französischen Designerin Raymonde Guerbe entworfen wurde. Die beiden Tänzer wurden von Ende der 1920er- bis Anfang der 1930er-Jahre von Villeroy & Boch in Siebenbrunnen im heutigen Hauptstadtviertel Rollingergrund produziert. Ein weiteres Exemplar dieses Tänzerpaars ist im Nationalmusée am Fischmarkt zu finden.

„Mindestens 2.500 Euro“

„Der Zustand könnte besser sein“, sagt Kunsthistoriker Schulte-Goltz während seiner Expertise und zeigt auf zwei kleine Aussprünge bei beiden Figuren. Außerdem habe die männliche Figur einige Verfärbungen, die auf einen Lasurfehler zurückzuführen seien. „Das ist leider nicht sehr gut geworden“, sind Schulte-Goltz‘ letzte Worte, bevor es an die endgültige Wertbestimmung geht.

Auf Horst Lichters Frage nach der Preisvorstellung antwortet Laura Sanna: „Mindestens 2.500 Euro“ und begründet ihre Preisvorstellung unter anderem damit, dass ihr in Luxemburg bereits Angebote für die beiden Figuren vorliegen. Doch was sagt der Kunsthistoriker von „Bares für Rares“?

Auch im Nationalmusée am Fischmarkt ist ein Exemplar des Tänzerpaars zu finden: Die Kulturinstitution besitzt eine große Sammlung mit Objekten aus dem Hause Villeroy & Boch. Foto: Chris Karaba / LW-Archiv

Laut Colmar Schulte-Goltz liegt der geschätzte Marktwert in Deutschland mit den leichten Beschädigungen nur bei 1.200 bis 1.500 Euro. Das ist Sanna entschieden zu wenig: „Leider habe ich zu Hause jemanden, der die Figuren für 2.000 Euro sofort abkauft.“

Doch um die Händlerkarte von Horst Lichter zu erhalten, müsste sie zustimmen, ihre Stücke gegebenenfalls zum Preis der Expertise zu verkaufen. Da Laura Sanna dies jedoch verneint, erhält sie am Ende keine Händlerkarte und die Figuren gehen zurück ins Großherzogtum.

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Villeroy & Boch in Luxemburg

Villeroy & Boch wurde 1748 in Lothringen in Frankreich gegründet. Schon früh weitete die Familie Boch ihre unternehmerischen Aktivitäten über nationale Grenzen hinaus aus und legte damit den Grundstein für eine internationale Expansion.

Eine zentrale Rolle in der frühen Firmengeschichte spielte Luxemburg. So erhielt das Unternehmen in den Jahren 1766 und 1767 von Kaiserin Maria Theresia die Erlaubnis, im heutigen Hauptstadtviertel Siebenbrunnen (Siwebueren auf Luxemburgisch), eine Keramikmanufaktur zu errichten – die „Manufacture Impériale et Royale“.

Am Standort Luxemburg entstand auch ein prägendes Markenzeichen des Unternehmens: das Dekor „Alt Luxemburg“, das bis heute zu den bekanntesten und langlebigsten Designs von Villeroy & Boch zählt und eng mit der regionalen Geschichte verbunden ist. Über viele Jahrzehnte hinweg war Villeroy & Boch ein bedeutender industrieller und wirtschaftlicher Akteur in Luxemburg. Neben klassischem Porzellan wurden dort in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auch moderne Erzeugnisse, wie speziell für den Hotelbedarf entwickeltes Geschirr, produziert.

Mit der Verlagerung der Fertigung ins Ausland endete jedoch im Jahr 2010 die großindustrielle Serienproduktion am Standort Luxemburg. Zahlreiche Anlagen wurden geschlossen oder einer neuen Nutzung zugeführt.