Die USA haben unter Trump die Militärhilfen für die Ukraine um 99 Prozent zurückgefahren. Neue Zahlen des IfW-Instituts in Kiel offenbaren, wie viel Deutschland im vergangenen Jahr gezahlt hat. Unterdessen warnt Estland vor Russlands Aufrüstung. Mehr im Liveticker.
Mehrere russische Luftangriffe seit Anfang Januar haben die ukrainische Energieversorgung so beschädigt, dass Kiew, Charkiw und andere Städte bei strengem Frost kaum Strom und Heizung haben. Trotz des Drängens der USA auf ein Ende der Kämpfe in der Ukraine ist bislang kein diplomatischer Durchbruch in Sicht. In knapp zwei Wochen jährt sich der Beginn des russischen Angriffskriegs zum vierten Mal.
Alle Ereignisse rund um den Krieg in der Ukraine im Liveticker:
Europa hat 2025 den Einbruch der US-Hilfe weitgehend auffangen müssen. Das zeigen neue Zahlen des „Ukraine Support Tracker“ des Kieler Instituts für Weltwirtschaft in Kiel (IfW). Demnach fiel die Unterstützung der USA 2025 im Vergleich zu 2024 um rund 99 Prozent (98,96 Prozent; von 46,39 Mrd. Euro auf 0,48 Mrd. Euro). Die EU-Militärhilfen stiegen demgegenüber von 2024 auf 2025 um rund 67 Prozent auf fast 29 Mrd. Euro (28,48 Mrd. Euro) – nach etwas mehr als 17 Mrd. Euro (17,0976 Mrd. Euro) in den Jahren 2022 bis 2024.
Größter europäischer Geber bei der Militärhilfe waren 2025:
Bei einem russischen Angriff auf die Stadt Bohoduchiw in der ostukrainischen Region Charkiw sind nach Angaben örtlicher Behörden vier Menschen getötet worden. Unter den Todesopfern seien zwei einjährige Jungen und ein zweijähriges Mädchen, teilte der ukrainische Militärverwalter Oleh Synehubow am Mittwoch im Onlinedienst Telegram mit. Ein 34-jähriger Mann in demselben Haus sei ebenfalls getötet worden. Bei dem Angriff wurden Synehubow zufolge eine 35-jährige Schwangere und eine 74-jährige Frau verletzt.
Dienstag, 10. Februar: 22:09 Uhr – Selenskyj kündigt Änderungen bei der Flugabwehr an
Der Präsident der von russischen Luftangriffen geplagten Ukraine, Wolodymyr Selenskyj, kündigt Veränderungen bei der Organisation der Flugabwehr an. „In einigen Regionen wird die Arbeitsweise der Teams komplett umstrukturiert“, das betreffe Abfangjäger, mobile Feuergruppen und den gesamten Komplex der lokalen Flugabwehr, sagt Selenskyj in seiner abendlichen Videobotschaft. Entsprechende Anordnungen seien bei einer Beratung mit der Militärführung getroffen worden.
Der russische Inlandsgeheimdienst FSB hat nach eigenen Angaben 2025 fast 150.000 Hinweise aus der Bevölkerung zu verdächtigen Aktivitäten erhalten. Unter den weitergegebenen Informationen seien tausende Meldungen zu mutmaßlichem Fehlverhalten im Zuge der Ukraine-Offensive, teilt der FSB mit. Demnach erhielt die „Vertrauenshotline“ im vergangenen Jahr 68.785 Anrufe in der Zentrale, 455 davon enthielten demnach „nützliche Informationen“. 77.772 weitere Hinweise gingen laut FSB in den Regionalbüros ein. 15.233 von ihnen enthielten demnach „für Ermittlungen relevante Informationen“.
Dem FSB zufolge führten die Anrufe zur Strafverfolgung von 18 Verdächtigen wegen des Vorwurfs des „Terrorismus“, der „Sabotage“ oder der „Beteiligung an Sabotage“ im Auftrag der Ukraine – Strafbestände, die mit jahrelanger Haft geahndet werden. Der FSB erklärte, dass die Inhaftierten „Anschläge auf Transport-Infrastruktur und Kommunikationseinrichtungen verübt“ hätten.
11:28 Uhr – Estland: Russland rüstet wegen Machtverhältnis zu Europa auf
Russland baut dem estnischen Auslandsgeheimdienst zufolge angesichts der Aufrüstung in Europa seine Streitkräfte im Eiltempo wieder auf. Ein Angriff Russlands auf ein Nato-Mitglied sei aber weder in diesem noch im nächsten Jahr zu erwarten, heißt es in dem Jahresbericht.
Europa müsse in Verteidigung und innere Sicherheit investieren, sagt Geheimdienst-Chef Kaupo Rosin gegenüber der Presse. „Wir sehen, dass die russische Führung sehr besorgt ist über die europäische Aufrüstung. Sie geht davon aus, dass Europa in zwei bis drei Jahren in der Lage sein könnte, eigenständig militärisch gegen Russland vorzugehen.“ Russlands Ziel sei es, dies zu verzögern und zu verhindern.
11:21 Uhr – Umfrage: Zwei Drittel sorgen sich vor Krieg mit deutscher Beteiligung
Das Sicherheitsgefühl in Deutschland hat laut einer neuen Studie abgenommen. Der seit vier Jahren andauernde Krieg in der Ukraine ist unverändert eine der größten Sorgen der Bevölkerung. Ebenso ängstigt die Bundesbürger die generell unberechenbare Weltlage und das Risiko, dass Deutschland in militärische Konflikte hineingezogen werden könnte. 78 Prozent der Bürger machen sich große Sorgen über den Krieg in der Ukraine, 72 Prozent über die immer unberechenbarere Lage in Europa und der Welt, 69 Prozent in Bezug auf das Risiko, dass Deutschland direkt an militärischen Konflikten beteiligt werden könnte.
07:25 Uhr – Pentagon: „Nichts wird uns abhalten“ – US-Marines beschlagnahmen Öltanker
Die USA haben im Indischen Ozean einen Öltanker beschlagnahmt, der zuvor bereits in der Karibik aufgefallen war. Amerikanische Marinesoldaten hätten das Schiff „Aquila II“ ohne Zwischenfälle eingenommen, erklärte das Pentagon am Montag in Washington. Der Tanker sei zunächst im Atlantik gesichtet worden und habe gegen die von US-Präsident Donald Trump verhängte Ölblockade gegen Venezuela verstoßen.
Das US-Verteidigungsministerium teilte im Onlinedienst X mit, die „Aquila II“ sei anschließend „verfolgt und gejagt“ worden. Es handele sich bereits um den achten Tanker, den die USA seit Ausrufung der Ölblockade festgesetzt hätten. Weiter hieß es wörtlich, nichts werde das Kriegsministerium „davon abhalten, unser Heimatland zu verteidigen – selbst in Ozeanen am anderen Ende der Welt“.
Der unter der Flagge Panamas fahrende Tanker steht nach Angaben aus Washington zudem unter US-Sanktionen im Zusammenhang mit der Lieferung illegalen russischen Öls. Nach Informationen von Samir Madani, Mitgründer der Plattform „TankerTrackers.com“, gehörte die „Aquila II“ zu mindestens 16 Schiffen, die im Januar aus Venezuela ausliefen. Dies geschah kurz nachdem US-Truppen den venezolanischen Machthaber Nicolás Maduro festgesetzt hatten.
07:03 Uhr – Diplomatenkreise: USA übergeben zwei wichtige Nato-Kommandoposten an Europäer
Die USA übergeben Diplomatenkreisen zufolge zwei wichtige regionale Kommandoposten bei der Nato an europäische Staaten. Washington werde die Leitung des für den Süden zuständigen Nato-Kommandos in Neapel an Italien und die Leitung des für den Norden zuständigen Kommandos in Norfolk im US-Bundesstaat Virginia an Großbritannien abgeben, wie die Nachrichtenagentur AFP am Montag aus Nato-Diplomatenkreisen erfuhr. Die USA werden demnach im Gegenzug das Kommando über die Nato-Seestreitkräfte mit Sitz in Großbritannien übernehmen.
Ein Nato-Vertreter erklärte: „Die Verbündeten haben sich auf eine neue Verteilung der Verantwortlichkeiten für höhere Offiziere innerhalb der Nato-Kommandostruktur geeinigt, in der die europäischen Verbündeten (…) eine prominentere Rolle im militärischen Kommando des Bündnisses spielen werden.“ Einzelheiten nannte er nicht.
Die Umverteilung der Posten erfolgt vor dem Hintergrund eines von US-Präsident Donald Trump forcierten Wechsels bei der Verteidigungsstrategie: Die USA wollen ihre Truppenpräsenz in Europa möglicherweise senken und sich auf andere Bedrohungen wie China konzentrieren.
Montag, 9. Februar21:00 Uhr – Selenskyj verspricht Hausbesitzern Hilfe bei Kauf von Generatoren
Angesichts der Zerstörungen im ukrainischen Stromnetz wird die Kiewer Regierung Hausbesitzer bei der Anschaffung von Generatoren und anderen Energiequellen unterstützen. Das kündigte Präsident Wolodymyr Selenskyj nach einer Beratung mit Regierungschefin Julija Swyrydenko an. Für Eigentümergemeinschaften von Mehrfamilienhäusern wie für Besitzer von Einfamilienhäusern solle der Kauf einer autonomen Stromversorgung erschwinglicher werden, sagte Selenskyj abends in seiner Videobotschaft.
In einem anderen Programm für Unternehmen seien bereits 20.000 Anträge auf Beihilfen zur Wartung und Reparatur von Generatoren eingegangen. Außerdem sei eine halbe Milliarde Hrywnja (knapp zehn Millionen Euro) an zinslosen Krediten zum Kauf von Generatoren gewährt worden, sagte er. Der Bedarf dürfte allerdings viel größer und mit den vom Präsidenten genannten Zahlen nicht zu decken sein.
17:41 Uhr – EU-Diplomaten fordern erstmals Sanktionen auf ausländische Häfen
Im Zusammenhang mit dem Umschlag von russischem Öl schlagen EU-Diplomaten erstmals Sanktionen gegen Häfen in Drittstaaten vor. Die Häfen Kulevi in Georgien und Karimun in Indonesien werden auf die schwarze Liste gesetzt, das geht aus einem Dokument des Europäischen Auswärtigen Dienstes (EAD) hervor, welches die Nachrichtenagentur Reuters eingesehenen hat. Der EAD hat gemeinsam mit der EU-Kommission das 20. Sanktionspaket erarbeitet.
15:27 Uhr – Berlin fordert Kreml zu Kompromissen in Ukraine auf
Nach der zweiten Runde der Ukraine-Verhandlungen hat die Bundesregierung Russland zu mehr Kompromissbereitschaft aufgefordert. Deutschland hätte sich bei den Gesprächen vergangene Woche in Abu Dhabi „deutlichere Fortschritte gewünscht“, sagte Regierungssprecher Stefan Kornelius in Berlin. „Moskau beharrt nach wie vor auf Maximalforderungen“, sagte er – und fügte hinzu: „Wir fordern Moskau auf, davon Abstand zu nehmen und nach tragfähigen Kompromissen zu suchen.“
Die USA luden ukrainischen Angaben zufolge zu einer neuen Gesprächsrunde ein – diesmal in den Vereinigten Staaten. Washington habe „erstmals vorgeschlagen“, dass sich die ukrainischen und russischen Unterhändler in den USA treffen, teilte der Selenskyj am Samstag mit.
10:46 Uhr – Russland nach Attentat auf General: Verdächtige haben gestanden
Am Anschlag auf den General Wladimir Alexejew in Moskau war nach Darstellung des russischen Geheimdienstes FSB auch Polen beteiligt. Beide nach der Tat festgenommenen Verdächtigen hätten ihre Beteiligung inzwischen gestanden, teilte der FSB auf seiner Webseite mit. Der Schütze sei dabei „unter Beihilfe polnischer Geheimdienste“ und dessen in Polen lebenden Sohn von Kiew für den Anschlag angeheuert worden, heißt es.
Selenskyj warnt vor großen Wirtschaftsdeals zwischen Russland und den USA, die aus seiner Sicht auch die Ukraine betreffen könnten. Bei einem Briefing vor Journalisten sagte er am Wochenende, Moskau habe der Trump-Regierung bilaterale Vereinbarungen im Umfang von rund zwölf Billionen Dollar in Aussicht gestellt.
Selenskyj beruft sich auf Geheimdienstunterlagen, die ein Rahmenkonzept für wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Washington und Moskau skizzieren. Er nennt es „Dmitriew-Paket“ – benannt nach Kirill Dmitriew, dem Chef des russischen Staatsfonds und Vertrauten von Wladimir Putin, der auch in Gesprächen über eine mögliche Waffenruhe eine Schlüsselrolle spielen soll. Selenskyj sieht Hinweise, dass einzelne Punkte Fragen von Souveränität oder Sicherheit berühren könnten – und stellt klar: Absprachen über die Ukraine ohne die Ukraine werde Kiew nicht akzeptieren.
Sonntag, 8. Februar18:10 Uhr – Erste Drohne aus Produktion in Deutschland schon im Februar
Mitte Februar erwartet die Ukraine die ersten ukrainischen Drohnen aus einer Produktionsstätte in Deutschland. „Ich werde die erste Drohne erhalten. Das ist eine Produktionslinie, die bereits arbeitet“, sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bei einem Auftritt vor Studenten in Kiew. Auch in Großbritannien gebe es bereits eine funktionierende Produktion mit „unserer ukrainischen Technologie“.
Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha dringt auf ein direktes Treffen zwischen Präsident Wolodymyr Selenskyj und dem russischen Staatschef Wladimir Putin zur Klärung der letzten Streitpunkte bei den Friedensverhandlungen. Doch nur US-Präsident Donald Trump habe die Macht, eine Einigung herbeizuführen, sagte Sybiha der Nachrichtenagentur Reuters in Kiew. „Nur Trump kann den Krieg beenden.“ Die Ukraine wolle die Bemühungen um ein Ende des seit vier Jahren andauernden Krieges beschleunigen und die Dynamik der von den USA vermittelten Gespräche nutzen, bevor andere Faktoren wie die US-Zwischenwahlen im November ins Spiel kämen.
Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán hat die von Russland angegriffene Ukraine als „Feind“ bezeichnet. „Die Ukrainer müssen damit aufhören, in Brüssel dauernd zu verlangen, dass Ungarn von der billigen russischen Energie abgeschnitten wird“, sagte der Rechtspopulist in einer Wahlkampfrede in der westungarischen Stadt Szombathely. „Solange die Ukraine das tut, ist sie unser Feind“, fügte er nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur MTI hinzu.
Nach den Ukraine-Verhandlungen in Abu Dhabi haben die USA ukrainischen Angaben zufolge zu einer neuen Gesprächsrunde eingeladen – diesmal in den Vereinigten Staaten. Washington habe „erstmals vorgeschlagen“, dass sich die ukrainischen und russischen Unterhändler in den USA treffen, teilte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mit. Unterdessen kam es in der Ukraine infolge massiver russischer Angriffe erneut zu weitreichenden Stromausfällen.
Das nächste Treffen zwischen den Delegationen der Ukraine, Russlands und der USA solle voraussichtlich in der kommenden Woche in Miami abgehalten werden, erklärte Selensky.
Washington hat sich dafür ausgesprochen, dass die ukrainisch kontrollierten Gebiete in Donezk zu einer „Freihandelszone“ erklärt werden, in der keine der beiden Länder militärische Macht ausübt. Selenskyj sagte dazu: „Selbst wenn es uns gelingt, eine Freihandelszone zu schaffen, brauchen wir faire und verlässliche Regeln.“
Auch zum künftigen Status des größten europäischen Atomkraftwerks Saporischschja im Süden der Ukraine, das derzeit in russischer Hand ist, haben beide Seiten noch keine Einigung erzielt.
dpa/AFP/Reuters/ceb/lay