Die aktuelle Wohnungssituation beschäftigt viele in der Schweiz. Eine Befragung von Comparis zeigt nun: Drei Viertel der Befragten zahlen lieber höhere Mieten, als länger zu pendeln. In der 20-Minuten-Community zeigt sich ein ähnliches Bild. Fünf Personen erzählen, wie viel Zeit sie täglich mit Zug- oder Autofahren verbringen.
Kurzer Arbeitsweg wird wertgeschätzt
Veljko (26) pendelte fünf Jahre lang rund eine Stunde pro Weg. Nach Abschluss der Lehre wechselte er innerhalb der gleichen Firma an einen anderen Standort. «Ich suchte mir bewusst eine Wohnung in der Nähe.» Heute hat er rund 400 Meter Arbeitsweg und kann sich nicht mehr vorstellen, täglich Stunden im Zug zu verbringen. «Ich habe um 17.15 Uhr Feierabend und bin 17.20 Uhr zu Hause. Morgens länger schlafen, zu Hause mittagessen, mehr Freizeit: Ich möchte nicht mehr pendeln.»
Veljko sagt aber auch, dass er Glück gehabt habe. «Ich bin seit zwölf Jahren bei der gleichen Firma und es gefällt mir immer noch. Und ich habe eine tolle Wohnung gefunden, die bezahlbar ist.»
Null Minuten Arbeitsweg
Auch Zoe (26) hat mit ihrer Wohnung Glück gehabt. «Es hat viele Pharmaunternehmen hier und dementsprechend sind die Mietpreise eher hoch.» Durch Bekannte sei sie aber an eine günstige Wohnung gekommen. «Sie war ein absoluter Glückstreffer. Denn sie hat einen grossen Parkplatz.»
So kann die Chauffeurin abends direkt ihren LKW vor dem Haus parkieren. «Davor sass ich morgens und abends jeweils 30 Minuten im Auto. Wenn ich den ganzen Tag mit dem LKW unterwegs war, hatte ich dafür gar keine Energie mehr.» Der Arbeitsweg sei der einzige Grund gewesen, weshalb sie gezügelt sei. «Ich hätte auch eine teurere Wohnung genommen, das wäre es mir wert gewesen.»
Wie lange pendelst du ungefähr pro Weg?
Patrick (60) lebt schon sein ganzes Leben in der Stadt St. Gallen und hat seit 37 Jahren den gleichen Arbeitgeber. «Ich bin ein paar Mal umgezogen und hatte auch schon 15 Minuten Arbeitsweg, aber viel länger nie.» Es störe ihn nicht, dass er etwas mehr Miete oder Steuern zahlt, dafür habe er mehr Freizeit. «Ich brauche sechs Minuten mit dem Auto und acht mit dem E-Bike, dafür kann ich auch mal zu Hause mittagessen.»
Tessin – Zürich für die Familie
Doch es gibt auch Leserinnen und Leser, die jeden Tag lange unterwegs sind. Zum Beispiel Stefan: «Seit 2018 pendle ich jeden Tag von Lugano nach Schlieren im Kanton Zürich. Davor war ich Wochenaufenthalter und nur am Wochenende im Tessin.» Doch dann sei seine Frau krank geworden. «Ich wusste, meine Familie braucht mich, ich muss abends zu Hause sein.»
Nun geht er jeden Tag um sieben Uhr auf den Zug und ist um 20 nach neun abends wieder zurück. Er habe versucht, einen anderen Job zu finden. «Aber eine Versetzung innerhalb der Firma hat nicht geklappt. Und in meinem Alter eine neue Stelle zu finden, ist unrealistisch», so der 57-Jährige.
Wohnung zu teuer
Auch Eshabül sitzt jeden Tag im Zug. «Ich verbringe täglich rund 2,5 Stunden mit Pendeln.» Jeweils um 5.30 Uhr verlässt er das Haus, um 19.20 Uhr ist er wieder zu Hause. «Ich könnte mir vorstellen, zu zügeln, aber ich finde momentan keine bezahlbare Wohnung», erzählt der 29-Jährige. Ein Jobwechsel kommt für ihn nicht infrage, da es ihm im Team sehr gefalle.
«Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt, dass ich so früh aufstehen muss und weniger vom Tag habe.» Die Zeit im ÖV nutze er, um Musik zu hören, auf Social Media zu sein oder ab und zu ein Buch zu lesen.
