Das frühere Kloster Pernegg im Waldviertel (Bezirk Horn) ist heute ein privates Fastenzentrum. Ein Hotelbetrieb in teils mittelalterlichem Ambiente mit einem Ziel: die innere Reinigung des Körpers und der Seele durch Fasten. Und zwar in unterschiedlichster Form, vom Heilfasten bis Ayurveda.
Eine Gruppe Teilnehmer kommt von einem Spaziergang im Wald zurück, sie bekommen zu Mittag ein Glas Rote-Rüben-Saft. Man zahlt, um eine Woche lang nichts oder nur wenig zu essen. Die Teilnehmer aber sind überzeugt von der Wirkung. Sie kommen aus dem In- und Ausland und berichten von einer seelischen Hygiene-Erfahrung, einer Art „Reset“ nach zum Teil beruflich herausfordernden Zeiten.
„Menschen haben Sehnsucht nach Veränderung“
Das bestätigt auch Gini Czernin, Fastenleiterin und im Brotberuf psychologische Beraterin: „Die Menschen haben Sehnsucht nach Veränderung. Und das ist auch der Grund, dass man dafür zahlt, nichts zu essen. Mittlerweile ist es bekannt, wie gut und gesund das Fasten wirkt.“

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Im Fastenzentrum in Pernegg zahlt man für Verzicht
Spätestens seit dem Nobelpreis für den japanischen Zellbiologen Yoshinori Ohsumi im Jahr 2016, der zum „Zellrecycling“ forscht und die zentrale Rolle des Fastens dabei entschlüsselt hat, sei Fasten aus der „Schmuddelecke der Esoterik“ herausgelöst wurden, betont Klaus Rebernig, der Seniorchef des Fastenklosters.
Fasten ohne Bewegung „kontraproduktiv“
Einen wichtigen Teil des Fastens mache Bewegung aus, sagt Gini Czernin: „Allein, dass wir uns in der frischen Luft bewegen, ist elementar, weil die Entgiftung ja auch über die Lunge passiert und die Muskeln müssen aktiv gehalten werden. Es wäre kontraproduktiv, zu fasten und dann drei Tage lang im Zimmer zu liegen. Also man muss schon raus und Bewegung machen.“
Den berüchtigten „Jo-Jo-Effekt“, also nach einer Fastenkur erst recht wieder mehr zu essen und damit alles wieder zunichte zu machen, den könne man verhindern: „Man darf Fasten nicht nur für diesen einen Zeitraum sehen, sondern muss es für eine Ernährungsumstellung nützen und vieles, was man dabei lernt, auch in den Alltag übernehmen, dann gibt es keinen Jo-Jo-Effekt.“

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Im Durschnitt verbringt jeder Österreicher und jede Österreicherin schon vier Stunden täglich am Handy. Zuviel, sagt der Experte.
Handyfasten wird immer wichtiger
Fasten wird aber nicht nur durch weniger essen ausgeübt, sondern auch durch selbst auferlegte Beschränkungen, etwa kein Alkohol oder mit dem Rad zu fahren statt mit dem Auto.
Die vielleicht wesentlichste Art zu Fasten in unserer Zeit aber sei die Absenz von Handy und Sozialen Medien, betont Christoph Pieh, Leiter des Departments für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Universität für Weiterbildung in Krems. Laut neuesten Studien liege die durchschnittliche Handynutzungszeit in Österreich bei derzeit vier Stunden täglich.
Stresspegel sinkt bei weniger Bildschirmzeit
Das müsse auf die Hälfte reduziert werden, sagt Pieh: „Wenn man unter zwei Stunden kommt, verringert sich der Stresspegel je nach Studie zwischen 15 und 30 Prozent. Man schläft besser, depressive Symptome werden weniger. Man sieht also relativ große positive Effekte, wenn ich es schaffe, die Screentime, im Speziellen die Social-Media-Screentime, zu reduzieren.“
Aber auch Pieh warnt vor kurzfristigen Effekten: „Das Smartphone für ein, zwei Wochen wegzulegen bringt zwar etwas für diese Zeit, aber danach ist die Gefahr groß, dass man so weitermacht wie vorher. Also es wäre wünschenswert, wenn das kurzfristige Intervallfasten zu einer langfristigen Verhaltensänderung führt.“ Und das würde Zeit für ein wesentliches Element für die Gesundheit schaffen, das durch die Handyzeiten in den Hintergrund gedrängt wird – Zeit für Bewegung.