Bei ihrem Sturz in der Abfahrt von Cortina d’Ampezzo hatte sich die Speed-Spezialistin eine komplexe Schienbeinverletzung zugezogen. Nach ihrem Klinikaufenthalt in Italien war Vonn mit dem Rettungswagen zum Flughafen gebracht und in die USA geflogen worden. „Nachdem ich fast zwei Wochen lang fast völlig bewegungsunfähig in einem Krankenhausbett gelegen bin, geht es mir endlich gut genug, um in ein Hotel zu ziehen“, schrieb Vonn.
Erstmals sprach die US-Amerikanerin ausführlich über die Verletzung, die sie bei dem Unfall erlitten hatte. „Ich hatte eine komplexe Tibiafraktur, auch den Schienbeinkopf. Alles war zertrümmert“, so Vonn. Zudem habe sie ein Kompartmentsyndrom erlitten. „Das heißt, ich hatte so viel Trauma in diesem Bereich des Körpers – da ist zu viel Blut in diesem Bereich, es bleibt stecken und zerquetscht mehr oder weniger alles dort. Muskeln, Nerven, alles stirbt ab. Sie haben beide Seiten des Beins aufgeschnitten wie ein Filet, um es atmen zu lassen.“
Nach ihrem Horrorsturz bei der Olympiaabfahrt in Cortina spricht Lindsey Vonn jetzt in einem emotionalen Instagram-Video über ihre schwere Verletzung. Die US-amerikanische Skirennläuferin sagt offen, dass sie große Angst vor einer Amputation hatte und dass die Ärzte ihr linkes Bein gerettet haben.
Allein eine Operation habe sechs Stunden gedauert. „Ich war länger im Krankenhaus, als ich gehofft hätte, weil ich sehr niedrige Hämoglobinwerte hatte von all den Operationen und all dem Blutverlust. Ich hatte richtig Probleme, der Schmerz war außer Kontrolle. Ich hatte eine Bluttransfusion, das hat mir geholfen. Ich habe die Kurve gekratzt“, berichtete Vonn weiter.
Ausgerechnet eine alte Verletzung könnte entscheidend gewesen sein. „Ich sage immer, dass alles im Leben einen Sinn hat. Hätte ich nicht kurz vor Olympia mein Kreuzband gerissen, wäre Tom (ihr Arzt, Anm.) nicht vor Ort gewesen. Und dann hätte er mir nicht das Leben retten können, da bin ich sehr dankbar dafür“, sagte Vonn.
„Es wird ein Jahr dauern, bis alle Knochen verheilt sind“
Sie will sich nun vollständig auf ihre Rehabilitation konzentrieren. In einigen Wochen möchte Vonn vom Rollstuhl zu Krücken wechseln. „Es wird etwa ein Jahr dauern, bis alle Knochen verheilt sind“, sagte die Olympiasiegerin von 2010. Anschließend will sie entscheiden, ob die eingesetzten Metallteile wieder vollständig entfernt werden sollen.
Erst danach ist in einer weiteren Operation die endgültige Versorgung ihres Kreuzbandes geplant. Den Kreuzbandriss hatte sich Vonn im Weltcup-Rennen unmittelbar vor den Olympischen Winterspielen zugezogen. Dennoch ging sie in Italien an den Start. Ihr Comeback hatte die Amerikanerin Ende 2024 begonnen – mit dem Ziel, bei den Winterspielen in Italien wie schon 2010 Abfahrtsgold zu gewinnen.