
Hallo Leitl!
Nachdem viele grundlegenden Fragen bei einem Spannungsunfall gekommen sind, möchte ich hier mal einige Sachen zusammen fassen, die jeder wissen sollte!
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**Vorne weg gleich mal: Niemals alleine an Elektrik arbeiten! Es kann dazu kommen, dass man in den Stromkreis kommt und nicht mehr loslassen kann! Hier kann nur eine weitere Person aushelfen.**
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Meistens werden Lampen von Laien gewechselt (auch immer öfters Schuko-Steckdosen getauscht), ausgeschalten wird dabei nur der Lichtschalter. Dies kann gewaltig in die Hose gehen, je nach der Verkabelung (vorallem im Altbau oder bei fehlerhafter Installation) kann es sein, dass nicht die gefährliche Phase geschalten wird, sondern der Neutralleiter. Dies führt dazu, dass die ganze Lampe unter Spannung stehen kann oder am Leiter noch Strom anliegt.
Immer den passenden Leitungschutzschalter (LS/LSS) oder Personenschutzschalter (FI) abschalten und prüfen, ob es tatsächlich aus ist!
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**Stromschraubenzieher mit Prüflampe**: Auch wenn diese grundlegend funktionieren sind einige Dinge vor der Verwendung zu prüfen, da diese je nach Kleidung (vor allem Schuhwerk und Handschuhe) oder Position im Raum (zb auf einer Leiter) nicht funktionieren können!
1. Mechanische Kontrolle: Das Gehäuse des Schraubenziehers darf nicht gesprungen sein und die Endkappe darf sich nicht einfach lösen lassen! Ansonst sofort Finger weg und in den Müll damit! Lebensgefahr!
2. Funktionstest: Um sicher zu gehen, dass die Lampe überhaupt funktioniert sollte man sich in die gleiche Position begeben, in der man die Spannungsfreiheit prüfen will. Jetzt kann man in einer Steckdose prüfen ob die Lampe leuchtet, sobald man die Phase erwischt. Sollte die Leuchten, dann kann man ihn verwenden. Sonst ebenfalls direkt in den Müll damit!
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**Farben der Leitungen**:
* Gelb/Grün, Gelb, Grün oder (früher Standard) Rot: Erde (PE, PEN), direkte Anbindung an das Erdpotential, zum Personenschutz (in Ö, nach TN-C-S Netzaufbau, vor dem FI verbunden mit dem Neutralleiter). Nicht schaltbar und immer fix verbunden.
* Blau: Neutralleiter (N), normaler Pfad der Elektrizität vom Verbraucher zurück zum Netz, im Normalfall spannungsfrei (nicht immer!), wird mit der Phase geschalten (meistens, verhindert das Auslösen des FIs bei Arbeiten an der Leitung)
* Alles Andere (Braun, Schwarz, Grau, Orange, Violet, Weiß usw.): Phase(n) (L, L1, L2, L3), Elektrizität Zuleitung (aka wo der Saft her kommt). Geschalten, aber immer mit Spannung zu rechnen! Dieser ist auf Spannungsfreiheit zu prüfen! Bei älteren Gebäuden können Phase und Neutralleiter vertauscht sein!
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**Schutzeinrichtungen**:
* Personenschutz (FI, RCD, GFCI): Prüft, ob der Strom, der über die Phase zum Verbraucher fließt, wieder über den Neutralleiter oder andere Phase zurück kommt. Löst aus, sobald dies nicht der Fall ist (zb Heizelement in der Waschmaschine defekt und Strom schafft es über das Wasser zum Gehäuse und somit zur Erdung). Kann auch eine Person sein, die in den Stromkreis gekommen ist. Gut erkennbar an der Prüftaste, die Regelmäßig (laut Verordnung alle 6 Monate) gedrückt werden muss). Schaltet meistens das ganze Haus bzw die Wohnung oder mehrere Bereiche ab. Wenn dies beim drücken der Taste nicht passiert, muss dieser unverzüglich getauscht werden, es ist kein Personenschutz mehr gegeben!
* Leitungsschutzschalter (LS, LSS): Verhindert die Überhitzung der Leitungen in der Wand und zu den Geräten (Schützt nicht die Person!). Löst im Kurzschluss oder bei längerer Überlastung aus. Standardanschluss in Ö/DE mit Schuko ist 16A oder 13A und somit 3680W/2990W (oder 3,68kW/2,99kW bei den 230V).
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**Die fünf Sicherheitsregeln:**
1. Allpolig (daher alle Phasen) und allseitig (privat neben Netzanschluss möglicherweise eine Photovoltaik oder Batteriespeicher) abschalten.
2. Gegen Wiedereinschalten sichern: Mindestens Sicherungsschalter abkleben (Isoband über den LS/FI der Abgeschalten wurde) und alle anwesenden Warnen, nicht einzuschalten.
3. Auf Spannungsfreiheit prüfen: Wie oben Beschrieben oder mit spezieller Prüflampe.
4. Erden und kurzschließen: Im Privaten Bereich nicht unbedingt nötig bzw möglich.
5. Gegen benachbarte, unter Spannung stehende Teile, Abdecken oder Abschranken: Im privaten Bereich alles im Umfeld im vorhinein Testen, Notfalls abkleben (nicht nur weg biegen)
Mehr dazu in dem Video was sicher jeder mit E-Technik Ausbildung kennt: (Achtung: Man sieht Brandwunden, Verstümmelung und Blut): [https://www.youtube.com/watch?v=2PxrePEdEY0](https://www.youtube.com/watch?v=2PxrePEdEY0)
Das Video ist wirklich jedem zu Empfehlen, da auch im Haushalt genug Strom vorhanden ist, um jemanden Umzubringen!
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*Für alle mit Ausbildung in dem Gebiet: Ich habe hier einiges Vereinfacht und es (hoffentlich) Verständlicher für alle gemacht, die nicht in dem Feld “leben”. Auch die Kommentare zu den 5 Sicherheitsregeln sind meine Meinung und vor dem FI würde ich es nicht wie Beschrieben machen, sondern strikt nach ÖVE Richtlinien.*
11 comments
Strom wird viel zu sehr unterschätzt.
Jeder Elektriker den ich kenn: “na, da brauchma den FI ned owehaun, weißt wie ofts mich schon gfetzt hat? Da passiert nix”.
Ich hingegen nach dem Einzug mim Strommesser durch die Wohnung gegangen damit ich ja nie einen Nagel falsch reinhau. Ich dreh sogar beim Lamperln wechseln den FI runter – da scheiß ich mich zu viel davor an…
Meine Stromkabeln liegen alle in Schläuchen sicher hinter der Wand. Früher beim Umbauen überall mitbekommen: mim Schraubenzieher die Rigipswand “aufkratzen”, Kabel rein, mit Isolierbandl mit einem bestehenden zsammpicken, Gips drüber, Tapete drauf, gut is.
Ich mein – oida? Keine Angst vorm Tod, die Leut…
ah, die 5 Sicherheitsregeln. Weiß noch wie ich das in der ersten Klasse im Werkslabor auswendig hab lernen müssen.
danke, allein schon für die mühe hast dir ein upvote verdient. da hast.
Ich würd noch ergänzen dass man sich auf keinen Fall auf die Farben von irgendwelchen Leitungen verlassen sollte und denkt das gelbgrün und blau eh ungefährlich ist. Nur weil’s so vorgeschrieben ist, heißt das noch lange nicht das es so umgesetzt wurde.
Vor allem im Zusammenhang mit Wechselschaltungen (also zwei Schalter für dieselbe Lampe) wo man eigentlich mehr als 3 leitungen braucht, kann es sein das irgendein Pfuscher einfach das genommen hat, was bei der Hand war…
Ich hab bei mir Zuhause im Altbau an einer Stelle einen gelbgrünen Draht an dem die Phase anliegt und kann es nicht ändern, weil das Kabel ohne Rohr im Putz verschwindet und ich nicht Mal weiß, wo das andere Ende ist…
Hat zwar nicht direkt mit Arbeiten mit Strom zu tun, aber weils thematisch passt: Wenn ihr irgendwo seid und es hängt eine Stromleitung auf den Boden: In einem Abstand von ca. 20 Meter ist es gefährlich. Wenn ihr euch in dem Bereich befindet, nicht normal rausgehen, sondern in kleinen, geschlossenen Schritten, um den Spannungsunterschied zwischen den Füßen gering zu halten, weil dieser Unterschied das ist, was euch umbringt.
Wenn ihr in einem Fahrzeug seid, bleibt drinnen (außer natürlich, es brennt o.Ä.) und greift es außen nicht an. Beim Eisenbahnunfall auf der Pottendorfer Linie im letzten Monat hatten die Leute, die aus der Garnitur geflohen sind, extremes Glück, dass die Oberleitung so aufs Gleis gefallen ist, dass sie sich selbst geerdet hat. Wenn die Oberleitung aufs Feld gefallen wäre, hätte es durch den Strom vermutlich einige mehr Tote und Verletzte gegeben.
Zu dem Thema passend kann ich wärmstens den Youtuber ElectroBOOM empfehlen! Der beste Hawi weit und breit!
Ich hab noch immer das Bild vor mir, als ich einem gelernten Elektriker (“Licht-Poidi”) als Kind zugeschaut habe, wie er mit einem nassen Finger in die Panzersicherungsfassung gefahren ist, um zu schauen ob Strom drauf ist…..
Gute Zusammenfassung für Laien!
Ganz wichtig: Höllisch aufpassen, sobald auch nur irgendwie im Entferntesten Feuchtigkeit oder Wasser (oder Eis!) mit im Spiel ist!
Sonst geht’s euch so wie einem ehemaligen Arbeitskollegen, der sich selbst mal für 20 Minuten ausgeknipst hat, nur weil er im Tiefkühlraum die Glühbirne auswechseln wollte. Wie sich recht schnell herausstellte, ist die Kombination aus Eis an der Fassung und Eis am Boden nicht gerade förderlich für die Gesundheit
der “schraubenzieher mit prüflampe” ist kein geeignetes messgerät zur feststellung von spannungsfreiheit. das machen die pfuscher vielleicht, aber kein gelernter elektriker.
ansonsten hast du es gut zusammengefasst!
edit: das ding ist zur feststellung der spannungsfreiheit nicht mehr stand der technik. dh. bei einem arbeitsunfall hast du die 5 sicherheitsregeln nicht eingehalten. hier sind 2 gute links zum thema:
[https://www.elektrofachkraft.de/pruefung/spannungspruefer-wo-lauern-die-fallen](https://www.elektrofachkraft.de/pruefung/spannungspruefer-wo-lauern-die-fallen)
[https://www.sihk-akademie.de/blog/spannungspruefer-5036254](https://www.sihk-akademie.de/blog/spannungspruefer-5036254)
Zum FI prüfen: die 6 Monate sind Herstellerangabe und nicht in der Verordnung niedergeschrieben. Gibt da auch FIs die 12 Monate Prüfungsabstände erlauben.