
https://tt.com/go/30824857
**TLDR: Wegen Computerproblemen wurden jahrelang Strafen nicht eingehoben. Schaden ca 25.000€, haupsächlich Verkehr-, und Covidstrafen**
>Innsbruck – Das zunächst rätselhafte Verschwinden von 865 Anzeigen im Innsbrucker Stadtmagistrat bleibt ohne strafrechtliche Konsequenzen. Wie Hansjörg Mayr, Sprecher der Innsbrucker Staatsanwaltschaft, bestätigt, „wurde das Ermittlungsverfahren (wegen Verdachts des Amtsmissbrauchs; Anm.) eingestellt“. Weil kein menschliches Versagen, sondern ein technischer Fehler zur Verjährung der Anzeigen geführt habe.
>Der Fall ist ebenso kurios wie komplex. Wie berichtet, stellten Innsbrucker Polizisten im Frühjahr 2021 fest, dass von ihnen erstattete Anzeigen nie bei zuständigen Sachbearbeitern im Magistrat eingetroffen sind. Kein Einzelfall, wie die weiteren Nachforschungen ergaben. Schon bald war klar, dass Hunderte Polizeianzeigen auf dem Weg zum Magistrat (der die Strafbescheide ausstellt) versickert und mit der Zeit verjährt sind. Für die angezeigten Verkehrs- und Covid-Sünder ein Glück, sie blieben ohne Strafe. Wie das passieren konnte, war zu diesem Zeitpunkt noch rätselhaft.
>Das änderte sich im Juli 2021 nach Abschluss einer aufwändigen Untersuchung. Und die ergab, dass Polizeianzeigen bereits seit 2015 verschwanden. Bis 2020 ging es dabei vor allem um Verstöße gegen das Meldegesetz, die Jugendschutzverordnung sowie die Straßenverkehrsordnung. Von da an waren es hauptsächlich Delikte gegen die Covidmaßnahmen, die zwar von der Polizei zwar anzeigt, vom Magistrat aber nicht geahndet wurden. Insgesamt wurden in 865 Fällen keine Strafbescheide ausgestellt. Vizebürgermeister Johannes Anzengruber (VP) bezifferte den Schaden durch nicht eingehobene Strafgelder mit etwa 25.000 Euro.
>Die Untersuchung legte aber auch offen, wie es zum Anzeigenschwund kommen konnte. Eine Schlüsselrolle spielte dabei eine Schnittstelle, die erforderlich ist, um die unterschiedlichen Anzeigen-Programme der Polizei und des Magistrats zu verbinden. Diese Schnittstelle benötigt aber Deliktcodes, um die Anzeigen an die zuständigen Abteilungen weiterzuleiten. Und diese Codes werden im Fall neuer Verordnungen dem Magistrat vom Land per Mail mitgeteilt. Allerdings kam es vor, dass die Deliktcodes nicht immer in die städtische EDV eingespeist wurden. Etwa dann, wenn der zuständige Mitarbeiter auf Urlaub war.
<Die Schnittstelle schickte die ohne Code nicht zuordenbaren Anzeigen an einen städtischen Mail-Ordner mit der Bezeichnung „unbearbeitet“. Und das blieben die Anzeigen dann auch, weil für diesen Ordner kein Magistratsbediensteter zuständig war, „hier wurde nie reingeschaut“, so Anzengruber.
19 comments
eine Schnittstellenänderung die nur einseitig durchgeführt wird, das kann passierne
Geil, ein “Unbearbeitet”-Ordner wo keiner reinschaut, sowas muss ich mir auch in der Arbeit zulegen. Dass ich auf die Idee noch nicht gekommen bin…
Das ist kein Computerproblem.
Das ist menschliches Versagen.
Typisch, dass es da keine Konsequenzen gibt.
Ja. In 6 Jahren war keiner zuständig auch nur 1 Mal in den Ordner zu schauen. Ja. Klar. Eh. Logisch.
Simma nur froh, dass diese Enthusiasten nicht Organspenden oder ähnlich wichtiges bearbeiten.
Tirol rüttelt scho wieder ordentlich am Watschenbam.
25k € in ein paar jahren? das ist ja den aufwand gar nicht wert, sollten viel mehr liegen lassen…..
Meine Lieblingsantwort:
Dafür bin ich nicht zuständig.
25k die kokst der Nehammer in 2 Minuten weg.
“Computerprobleme”
865 😂 bisschen peinlich.
“Da müssens den Kollegen fragen, ich bin da leider ned zuständig”… so in etwa kommt mir das vor.
Sowas, dass da nicht Anarchie und Versiffung über die Stadt gekommen sind, wo doch jahrelang weder biertrinkende Fünfzehnjährige noch gemeinwohlgefährdende Quarantänebrecher die harte Hand des Gesetzes zu fürchten hatten…
Wahrscheinlich ist deswegn meine Blitzer Strafe nie angekommen lol
Nachdem digitale Kompetenz beim Durchschnitt der Bevölkerung so ausgeprägt ist wie Klavierspielen bei unseren Gadsen, wundert mich da gar nix mehr.
> Und diese Codes werden im Fall neuer Verordnungen dem Magistrat vom Land per Mail mitgeteilt. Allerdings kam es vor, dass die Deliktcodes nicht immer in die städtische EDV eingespeist wurden. Etwa dann, wenn der zuständige Mitarbeiter auf Urlaub war.
Des find ich ja den Oberhammer. Haben a harte Abhängigkeit auf System X – und die Codes werden PER MAIL verschickt und dann HÄNDISCH im anderen System reingehämmert.
Fehlt nur noch, dass sie de Codes als ‘Screenshots’ kriegen – also dass der Bildschirm mitm Handy abfotographiert wurd und des dann so weitergeschickt wurd.
“Das Amt” wie man es sich immer vorstellt.
Bin letztens neben einen vom Land Salzburg im Zug gesessen, meine Gefühlslage vom Zuhören schwankte zwischen “Da bekomm ich sofort Bore Out bis zu “Bist narrisch, mach was für dein Geld” von Villach bis Salzburg hörte man nur warum wer was nicht macht, machen kann, machen darf und wer wann wo wie in Pension gegangen ist und darum macht die Aufgabe keiner mehr weil nicht explizit zugeordnet. *Kotz*
Alles richtig gemacht.
kein wunder bei dem saufhaufen der sich MÜG schimpft. und dass der rizzoli da a no dabei war, freut mi umso mehr..
Also bei mir in der Arbeit ist es schon schlimm genug wenn ein Fall durchrutscht. 865 sind etwas viel.