Hatte letztens den Pleasure mit einer Dame aus der Finanzabteilung von einem der größeren österreichischen Flughäfen reden zu dürfen. Ich übertreib nicht wenn ich sag das es ein 30 minütiges gepläre darüber war „das man derzeit einfach niemanden finde“ und es „unglaublich ist, das niemand arbeiten wolle“ und sie doch „so viel tun, damit Leute einsteigen“. Mir ist darauf hin etwas ziemlich die Gurgel aufgegangen.

Wirklich. Ich Packs auf keiner Ebene das zum ersten mal seit langem Unternehmen die Bitsteller sind, sie halt leider mal etwas mehr zahlen müssen für das Personal das sie normal gut und gern für Hungerlöhne abfertigen und dann auch noch die Frechheit besitzen es den Arbeitnehmer\*innen um die Ohren zu knallen „wie arm man doch ist :‘(“ weil dieses Jahr der Gewinn nicht wie erwartet gewachsen sei.

Ich bin selbstständig, durfte davor jedoch mehrere Jahre bei einer der größten Firmen Österreichs arbeiten, die nicht nur während Corona höchst ungut fast 50% der Belegschaft abgebaut, sondern auch über Jahre hinweg Kollektivverträge immer weiter Richtung Bottom bewegt hat, obwohl Umsatz/Gewinn konstant gewachsen sind. Durfte letztens dort auch wieder hören das man „einfach nicht verstehen kann, wie niemand arbeiten will!“. Ein wahres Mysterium wie man da nicht arbeiten wollen würde.

Falls irgendeine HR Abteilung das hier liest: Ich weiß (zumindest hoff ichs) das ihr das auch checkt und halt oft von Vorgesetzten die Vorgaben kommen was z.B. Lohn oder Arbeitszeitregelung betrifft. Aber bitte, im Nahmen des Anstands, fangt doch zumindest mal wieder damit an:

1. den kollektivvertraglichen Mindestlohn in Jobausschreibungen anzugeben. Das nicht zu tun ist wirklich ein völlig danebener Trend.
2. euren jeweiligen Vorgesetzen zu vermitteln das man vielleicht mal drüber nachdenken könnte nicht einfach wie immer für um die 10 Euro die Stunde und 40+ Wochenstunden einzustellen, sondern Mitarbeiter\*innen fair am erwirtschafteten Gewinn zu beteiligen. Das hat weitaus positivere Auswirkungen auf Langzeit und hilft vielleicht auch dabei die unglaublich schwere Frage zu klären warum Menschen es weniger präferieren zwischen 04:30 Morgens und 22:30 Abends 8 Stunden 5 mal die Woche für ca. 1.200 Euro im Monat Passagiere abzufertigen. (Das Beispiel ist eine ernstgemeinte Ausschreiben vom Flughafen Wien Schwechat wer will: https://hokify.at/job/14883939/jobworld?utm\_source=jobworld&utm\_medium=feedat&utm\_campaign=aggregatoren)

Danke und sorry für den Rant, hoffe ihr habt alle einen schönen Tag.

PS: Die Dame mit der ich geredet hab war nicht von Wien Schwechat\*

15 comments
  1. Ein Auto musst du auch haben!!!

    Meanwhile in Tirol Gastrojobs zwischen 8,60 und 11 Euro/h. Plus Trinkgeld als das Trinkgeld vom Arbeitsgeber kommt. Letztes Mal als ich in Gastro gearbeitet habe war Ende 2019 mit 13/h. Inzwischen ist alles um mind. 50% teuerer geworden.

  2. Und alle suchen sie “händeringend” nach Angestellten. Aber ein paar Euro mehr in der Stunde sind nicht drin, das kostet ja was, während Händeringen gratis ist.

  3. >den kollektivvertraglichen Mindestlohn in Jobausschreibungen anzugeben. Das nicht zu tun ist ~~wirklich ein völlig danebener Trend.~~

    Illegal. Angabe des Mindestgehalts (=Kollektiv, wenn vorhanden) ist verpflichtend.

  4. FIFY:

    > 1. den ~~kollektivvertraglichen Mindestlohn~~ **Gehaltsbereich** in Jobausschreibungen anzugeben.

    Der Kollektivlohn bringt rein gar nichts, da bei vielen Betrieben der Kollektiv nicht das Gehaltsschema der spezifischen Stelle wiederspiegelt.

    Und wenn du schon eine tatsächliche Verbesserung haben möchstest, dann gleich am besten einen Bereich und nicht nur das Minimum angeben. Damit könnten Bewerber den Verhandlungsspielraum basierend auf der eigenen Qualifikation besser abschätzen.

  5. >„das man derzeit einfach niemanden finde“ und es „unglaublich ist, das niemand arbeiten wolle“ und sie doch „so viel tun, damit Leute einsteigen“

    Die Arbeitslosenzahlen in Österreich sind gut. Wir sind noch ein kleines stück weg von Vollbeschäftigung aber schon lange war es nicht mehr so realistisch.

    Die Dame sollte sich bewusst sein, dass der Teich leer ist und die einzige Möglichkeit Leute zu bekommen ist sie anderen Branchen wieder wegzunehmen.

    Und wie schafft man das?

    Indem man attraktiver wird für den bereits wo anders beschäftigten AN…

    Also unmöglich.

  6. Habe Anfang des Jahres bereits Bewerbungen verschicken angefangen und mach das immer wieder sporadisch, da ich eigentlich geistig bereits gekündigt habe. Wenn mir auf Karriere.at ein jobalarm gefällt, schick ich Mal eine Bewerbung.
    Ich bin Augenoptiker und Hörakustikmeister und würde gerne was im Außendienst im Bereich Medizintechnik machen.
    Von 15 Bewerbungen bis dato, hat sich genau EIN Unternehmen gemeldet. Und die haben mir gerade Mal nach ca 2 Monaten einen Eignungstest (ja den üblichen 0815 Test) zugesendet. Den hab ich gemacht, ca 2 Std später retourniert und warte seitdem wieder. Das war im März.

    Ich pack die Scheiss Wirtschaft überhaupt nimma!

  7. Ich schau dass ich immer des schlechtere für mich aushandele.
    Mich nervt es tierisch am Ende vom Monat zu viel Geld zu haben

  8. man muß es nur wie de machen, türkische hilfskräfte rankarren.

    sprechen nicht deutsch, englisch zweifelhaft, hauen wahrscheinlich nach der 2. woche den hut aufs massenquartier, aber die bilanz sieht gut aus u. nur das zählt.

  9. Mich ärgert’s, dass sie in jedes Inserat einfach nur den kollektivvertraglichen Mindestlohn reinschreiben. Der ist mir herzlich egal. Sie sollen schreiben, was sie tatsächlich gedenken zu bezahlen. Und wenn sich dann immer noch keiner meldet, dann müssen’s diese Zahl einfach anheben. So einfach ist das.

    Andernfalls ist das einfach nur Zeitverschwendung für beide Seiten.

  10. Vor ca 15+ Jahren wollten sie am VIE (Flughafen Schwechat) auch dass man die Einschulung als Sicherheitskraft (glaub das waren 6 Wochen) ohne Gehalt absolviert und dann so mit 1500€ netto rechnen konnte.

  11. Als startup das seine Leute sehr gut behandelt und zumindest anständig kompensiert: Rein eigennützig betrachtet finde ich es eigentlich ganz gut, dass das die meisten großen Unternehmen nicht raffen. Macht‘s seeehr leicht Leute abzuwerben.

    Das läuft heute für hochqualifizierte Arbeitnehmer so: Die Personaler inserieren mit völlig verqueren Ansprüchen in Zeitung und auf karriere.at, keiner bewirbt sich, und dann rennen sie zur Personalberatung weil ihnen nichts mehr einfällt. Dort arbeiten dann unterbezahlte, recht ahnungslose „Junior Talent Scouts“ die den ganzen Tag 21-Jährige Leute ausschließlich auf Linkedin vollspammen, mit „Sehr geehrter Herr Dösig, …“, und wenn doch einer beißt gleich 3-6 Monatsgehälter nehmen.

    Die ganz großen gehen dann vielleicht sogar zur Politik um zu lobbyen, dass sie ihre Leute zwingen dürfen länger zu arbeiten. Und machen sich noch unattraktiver.

    Dann kommst daher, sagst hello, bei uns kannst remote arbeiten, wirst nicht angeschrien, beliebig viele Urlaubstage nehmen, wirst 2x im Jahr auf firmenkosten irgendwo ans Meer geflogen für 4 Tage chillen mit den Kollegen, bekommst gute Ausrüstung, und schwups kannst dich als Unternehmen kaum noch retten vor lauter guten Leuten. Die sind dann teilweise gar nichtmal so teuer.

    Also für mich ok und ein Großteil der gut ausgebildeten Arbeitnehmer wirds eh noch checken wenn sie sich dazu bequemen.

    Edit: Dass man als Arbeitgeber und Arbeitnehmer eigentlich zusammenarbeiten möchte statt gegeneinander scheint für viele, insbesondere hier auf Reddit, ein sehr seltsames Konzept zu sein.

  12. >We rarely hear, it has been said, of the combinations of masters, though frequently of those of workmen. But whoever imagines, upon this account, that masters rarely combine, is as ignorant of the world as of the subject. Masters are always and everywhere in a sort of tacit, but constant and uniform combination, not to raise the wages of labour above their actual rate. To violate this combination is everywhere a most unpopular action, and a sort of reproach to a master among his neighbours and equals. We seldom, indeed, hear of this combination, because it is the usual, and one may say, the natural state of things, which nobody ever hears of. Masters, too, sometimes enter into particular combinations to sink the wages of labour even below this rate. These are always conducted with the utmost silence and secrecy, till the moment of execution, and when the workmen yield, as they sometimes do, without resistance, though severely felt by them, they are never heard of by other people. Such combinations, however, are frequently resisted by a contrary defensive combination of the workmen; who sometimes too, without any provocation of this kind, combine of their own accord to raise the price of their labour. Their usual pretences are, sometimes the high price of provisions; sometimes the great profit which their masters make by their work. But whether their combinations be offensive or defensive, they are always abundantly heard of. In order to bring the point to a speedy decision, they have always recourse to the loudest clamour, and sometimes to the most shocking violence and outrage. They are desperate, and act with the folly and extravagance of desperate men, who must either starve, or frighten their masters into an immediate compliance with their demands. The masters upon these occasions are just as clamorous upon the other side, and never cease to call aloud for the assistance of the civil magistrate, and the rigorous execution of those laws which have been enacted with so much severity against the combinations of servants, labourers, and journeymen. The workmen, accordingly, very seldom derive any advantage from the violence of those tumultuous combinations, which, partly from the interposition of the civil magistrate, partly from the necessity superior steadiness of the masters, partly from the necessity which the greater part of the workmen are under of submitting for the sake of present subsistence, generally end in nothing, but the punishment or ruin of the ringleaders.
    >
    >But though in disputes with their workmen, masters must generally have the advantage, there is, however, a certain rate be.”

    ― Adam Smith

    Edit: Wenn das schon der Begründer des Kapitalismus kapiert hat, braucht man nicht viel mehr dazu sagen …

  13. Wenn man sich die Arbeitslosenquote der Statistik Austria ansieht, sieht man dass jedes Bundesland außer Wien zwischen 4 und ca. 5% Arbeitslosenquote liegt. Also fast Vollbeschäftigung. Da wundert es mich nicht dass sich alle Unternehmen schwer tun Beschäftigte zu finden. Es ist einfach wenig Angebot da. Eine der seltenen Zeiten wo es ein Arbeitnehmermarkt ist.

  14. die angabe des mindestlohn/-gehalts bzw. kv ist eigentlich verpflichtend, aber total witzlos. wenn die eine senior- oder expertenstelle zu besetzen haben und dann steht da was von 2298 euro pro monat, mit bereitschaft zur überzahlung (aber nur bei entsprechender qualifikation) dann lachen die interessenten mal laut auf.

    besser wäre da eine range von-bis, die ein bissl realistischer ist – die in der jeweiligen branche üblich und auch gezahlt wird. das ist auch den bewerbern gegenüber fair.

    pro tipp: schicke den firmen dann einfach einen link zu deinem xing- oder linkedin-profil mit der bemerkung, sie sollen sich bei interesse mit gehaltsangabe + benefits melden. und du wirst lachen, es wird gemacht! ich hab das spasseshalber mal gemacht, quasi einigen mich selber als bewerber empfohlen. damit die richtig merken das der spiess umgedreht wird. und ein paar der firmen haben sich tatsächlich gemeldet.

    aber dann kommt halt wieder die übliche hr-leier mit ihrem bewerbungsportal oder sowas, da hab ich dann halt ganz klar abgelehnt, das ich für so einen firlefanz nun wirklich keine zeit habe, und wenn sie ernsthaft interesse haben und suchen dann gehts auch ohne … ich bin aktuell aber nichtmal auf der suche. ich mach das nur um denen einen reinzudrücken.

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