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>**Österreich könnte sich knapp 30 Jahre lang zur Gänze mit Gas aus dem Weinviertel versorgen. Doch die Regierung erteilt der OMV keinen Auftrag.**

>Wien – Seit des Beginns des Angriffskrieges von Russland auf die Ukraine ist die Abhängigkeit Österreichs von russischem Gas augenscheinlich. Mit Kriegsbeginn hört man im Zusammenhang mit Gas-Importen immerzu den Begriff der Diversität.

>Die Abhängigkeit aus Moskau soll durch verschiedene Bezugsquellen gemindert werden. Doch Österreich hätte auch im eigenen Land enorme Gasquellen. Diese will die Regierung aber nicht anzapfen, teilten das Infrastruktur- und das Finanzministerium auf Anfrage mit.

>Seit 2012 weiß der heimische Energiekonzern OMV über die Gasreserven im nördlichen Weinviertel Bescheid. Nach internen Berechnungen sollte das dortige Gas-Vorkommen knapp 30 Jahre Lieferung von russischem Gas nach Österreich entsprechen

>Der damals zuständige Umweltminister Nikolaus Berlakovich (ÖVP) erteilte dem Projekt der OMV über das Schiefergas-Vorkommen eine Absage. Die niederösterreichische ÖVP war zufrieden, die Anrainer und die Grünen erleichtert.

>Im Weinviertel wäre die lange umstrittene Bergbaumethode des Frackings zum Einsatz gekommen.

>Zum einen war die Förderung von Erdgas aus tiefer liegenden Gesteinsschichten umstritten, weil man schädlichen Chemieeinsatz befürchtete. Zudem wurde es aufgrund niedriger Rohstoffpreise als unwirtschaftlich angesehen.

>Was ist seither passiert? Nichts, wenn man davon absieht, dass in der Ukraine Krieg herrscht, der Gaspreis in enorme Höhe kletterte – und es nicht sicher ist, ob Russland weiterhin Gas liefert.

>Verfolgt der Energiekonzern OMV noch das Projekt? Nein, heißt es aus der Konzernzentrale. Auf Anfrage teilte Konzernsprecher Andreas Rinofner der Tiroler Tageszeitung Folgendes mit: „Die OMV hat 2012 aufgrund fehlender politischer Unterstützung das angesprochene Schiefergas-Projekt eingestellt. Sollte sich das in Zukunft ändern und passende regulatorische Rahmenbedingungen geschaffen werden, wird die OMV die Situation neu beurteilen.“

>Und soll es bald geänderte Bedingungen geben? Aus dem Kabinett von Finanzminister Magnus Brunner (ÖVP) gab es hierzu eine kurze schriftliche Stellungnahme: „Grundsätzlich handelt es sich dabei um eine operative Angelegenheit der ÖBAG-Tochter OMV. Vom Finanzministerium, das in Zukunft auch für Rohstoffe zuständig ist, geht derzeit keine Initiative zur Förderung von Schiefergas aus.“

>Und nicht viel anderes war aus dem Büro von Infrastruktur- und Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) zu vernehmen. Auch von ihr gab es nur eine schriftliche Stellungnahme: „Wir haben aktuell eine gemeinsame Herausforderung: Wir müssen so schnell wie möglich raus aus russischem Erdgas. Die Energieagentur hat dazu eine Analyse vorgelegt: Österreich kann bis 2027 ohne russisches Erdgas auskommen. Dazu müssen wir effizienter mit Gas umgehen, wir müssen Biogas in Österreich produzieren und wir brauchen neue Lieferländer für Erdgas. All das muss aber möglichst schnell gehen. Und aus zeitlicher Sicht kann Fracking in Österreich zur Lösung der aktuellen Krise keinen Beitrag leisten.“

>Hätte die Politik 2012 ihr Okay gegeben, könnte seit 2020 im Weinviertel Erdgas gefördert werden. Und zwar mit einer umweltschonenden Methode.

>Die Montanuniversität Leoben entwickelte hierzu ein patentiertes Verfahren, bei dem keine schädliche Chemie zum Einsatz kommt. „Leider gibt es einen Bannstrahl in Zentraleuropa gegen das Fracking. Obwohl es keinen Schaden für Mensch und Umwelt gibt“, wie Herbert Hofstätter, Vorstand des Lehrstuhls für Petroleum and Geothermal Energy Recovery, für sein Verfahren wirbt. Es sei ein neuer Weg zur sauberen Energiegewinnung unter Verwendung biologischer Substanzen. Als Flüssigkeit, die zur Erzeugung der Frakturen im unterirdischen Gestein und zum Transport der Stützmittel dient, wird Wasser mit Kaliumkarbonat herangezogen und mit hohem Druck in die Erde gepumpt. Zum anderen werden spezielle Stützmittel wie Keramik, Sand oder Glaskügelchen verwendet, um die neu geschaffenen Risse offen zu halten. Damit das Wasser die Fließeigenschaft bekommt, setzt „Bio Enhanced Energy Recovery“ auf Stärke und eben nicht auf Chemikalien.

22 comments
  1. Nicht nur Österreich ganz Europa… und da wundert mich schon ein wenig, warum in ganz Europa ein Revival von Fracking gerade jetzt nicht mehr diskutiert wird. (und das sage ich als jemand der sonst Grün eingestellt ist, und unbedingt mehr Solar-, Wind und Speicherkraft sehen will)

  2. > ” […] Und aus zeitlicher Sicht kann Fracking in Österreich zur Lösung der aktuellen Krise keinen Beitrag leisten.“
    Hätte die Politik 2012 ihr Okay gegeben, könnte seit 2020 im Weinviertel Erdgas gefördert werden. Und zwar mit einer umweltschonenden Methode.

    Ok, also ein ganzer Artikel über hättiwari, aber keinerlei Lösung für unser akutes Problem. Kurz gesagt: bis wir im Weinviertel fracken und ausreichend Output hätten, haben wir unseren Energiebedarf auch anderweitig (und vermutlich auch ohne/weniger fossile Energieträger) gedeckt.

    Und das wird auch damals die Rechnung gewesen sein: wozu sollen wir uns ein Frackingprojekt aufreißen, das in 10 Jahren für weitere 30 Jahre Gas liefert, wenn wir eh in spätestens 15-20 Jahren aus Erdgas draußen sein sollten?

  3. Erinnert mich an die Kammern die ihre Sparreserven nicht mal ein Stück öffnen wollten während der Pandemie Kurzarbeit.

    Wir zahlen Gebühren und Steuern um verarscht zu werden

  4. Sehr durchschaubare(r) Erzählung/Gegenangriff gegen die Tatsache, dass Tirol vielleicht einmal ein paar Windräder aufstellen könnte und dadurch in Kritik geraten ist. Wie Tiroler mit Kritik umgehen, wissen wir nicht erst seit Corona. Also schießen sie gegen andere, um abzulenken.

  5. Ich finde die Regierung wäre dumm diese Reserven nicht anzuzapfen. Klar ist aber auch, diese Maßnahme hätte keinen Einfluß auf den nächsten Winter weil so ein Vorhaben sicherlich mehr als 3-4 Monate benötigt.

  6. Hat schon mal einer ausgerechnet wie viel GWh die Fallwinde in den österreichischen Alpen so bringen würden? Ist vielleicht eher anzudenken als weiter mit Gas zu heizen?

  7. Das Gas muss mit Fracking gefördert werden. Auch wenn die Uni Leoben meint, ein “umweltfreundliches” Prozedere entwickelt zu haben, bedeutet dies in Zeiten des Klimawandels, der zunehmenden Vertrocknung des Bodens und des Niederschlagrückganges Milliarden Liter Wasser in den Boden zu versenken und somit Dürren zu beschleunigen.

  8. Nur weil die Methode umweltschonender ist als die herkömmliche heisst das nicht das Fracking plötzlich umweltschonend ist.

    Nur ein Teil der Umweltschädlichkeit geht auf das Mittel zurück das reingepumpt wird. Aber kaum nennt das irgendwer Bio-Fracking, dann ists plötzlich umweltschonend.

    http://www.umweltinstitut.org/themen/energie-und-klima/fracking.html

    > Dazu gehören künstliche Erdbeben durch das Verpressen der Förderabwässer, versagende Bohrlochintegrität, Methanleckagen, Luftverschmutzung, ein hoher Wasserverbrauch sowie das reelle Risiko der Kontamination von Ackerflächen, Fließgewässern und Gebieten zur Trinkwassergewinnung.

    > Nach dem Fracking-Prozess und dem Nachlassen des Überdrucks wird ein Teil der eingepressten Flüssigkeit wieder aus der Bohrung nach oben geführt. Dieses Frackfluid enthält neben den in die Tiefe gepumpten Chemikalien nun auch Lagerstättenwasser, das aus der Erdgaslagerstätte mit an die Oberfläche gelangt. Das Lagerstättenwasser ist in der Regel mit Schwermetallen, Arsen oder natürlich vorkommenden radioaktiven Stoffen belastet und muss aufgefangen und entsorgt werden. Auch bei Lagerung, Transport und Entsorgung können Gifte in die Umwelt gelangen.

  9. Wie ich sie liebe, diese Artikeln deren Überschrift nahelegt, dass die Lösung auf ein tiefgreifendes Problem eh vor der Tür liegt, obwohl es mit zig Komplikationen verbunden ist und auch nur theoretisch funktioniert.

    Vor allem: man müsste Fracking einsetzen, aber es ist ein neues, voll umweltfreundliches Fracking, mit null Nachteilen.

    Wenn es so einfach wäre, würde man diese Alternative schon längst ernsthaft in Erwägung ziehen.

  10. Fracking in Österreich?

    Ich hoffe, wir sind zivilisiert genug dass wir diesen Blödsinn hierzulande absolut nie umsetzen.

    Uns geht auch so schon stellenweise das Wasser aus; aber dass die Tiroler Tageszeitung (Stichwort Pisten mit Kunstschnee versorgen) kein Problem mit gesteigerten Wasserverbrauch hat, wundert mich weniger…

  11. Na seas.

    Hab grad ein Haus da gekauft und paar hundert Meter weiter sind die Test Bohrungen von der OMV.

    Die Nachbaren berichten das es schon damals zu Rissen an ihren Wänden gekommen ist.

    Will nicht wissen was passiert wenn sie richtig los legen.

  12. Ich habe eigentlich wenig Verständnis dafür neben gefühlt hunderten Windrädern auch noch Bergbauaktivitäten vor der Nase zu haben, während andere Gebiete/Bundesländer stattdessen primär mit der Sorge um ihre Seilbahnen auffallen.

    Im Weinviertel hast schon egal wohin du schaust überall Windräder im Blickfeld. Aus meiner Sicht genug Beitrag zur Allgemeinheit. Wenn die Dichte in ganz Österreich ähnlich wäre (dort wo es der Wind erlaubt), wäre die Energieabhängigkeit sicherlich schon eine deutlich reduzierte.

  13. War wieder eine gute Idee, sich von einem Dispoten abhängig zu machen.

    Warum verkaufen wir nicht alle Firmen an China? Da könnte auch kein Haken sein.

  14. Ja kann man machen, frei nach dem Motto: „Operation gelungen, Patient tod“.

    Die Nachteile des Frackings wiegen nicht dessen Vorteile auf. Und da wir den Salat jetzt eh schon haben, warum nicht auf nachhaltige Energie setzen? Weil in 30 Jahren ist dann halt auch schluss. Toll wäre auch mal irgendwas, was vielleicht nicht den Planeten, die Landschaft und uns selbst vergiftet. Ich mein ich weiß es ist ein wildes Konzept, aber vielleicht wäre es ja den Versuch wert?

    Ich mein auch wenn’s mir wurscht sein kann, wäre es trotzdem toll, wenn der Planet auch in 100 Jahren noch irgendwie bewohnbar wäre und so.

  15. Naja das Dilemma is ja:

    Wenn wir jetzt selber mit Fracking anfangen, bei uns zhaus in Österreich!!! …

    Dann machen wir uns dann ja selber die Klimahände schmutzig, und kaufen den Dreck nimmer aus Sibirien oder irgendwoher wos keinen interessiert bei uns.

    Und dann können wir auch nimmer die regionale Wassekraft-Überproduktion gegen billigeren Atomstrom aus Tschechien, Kohlestrom aus DE usw usf offsetten und superduper grün und nachhaltig UND gefördert sein.

    Das ist leider ein gar schmutziges Spielchen was wir da seit Jahrzehnten treiben. Verschmutzer sind die Anderen, wir waschen unseren Strom vorm Import. Und Schiefergas ausm eigenen Hintergarten passt da eben so gar nicht ins Konzept.

  16. Wenn der Druck groß genug wird, dann geht das auch kurzfristig und nicht nur mittelfristig. War bei der COVID-Impfung auch so. Bürokratie und Wartezeiten reduzieren und schon passts.

    Außerdem muss man sich schön langsam auch die Frage stellen wie kurz-, mittel-, oder langfristig sich die Beziehungen zu Russland wieder normalisieren werden. Vielleicht geht es gar nicht darum einen Winter zu überbrücken, sondern das ist der neue Normalzustand?

    Fracking ist natürlich ein Scheißdreck, sowas wie Bio-Fracking gibts nicht. Aber samma uns ehrlich, es wär eh nur das Weinviertel.

  17. Wie ein sabbernde Hund schaut die OMW aufs Weinviertel. Unsere jetzige Situation mit Ukraine/Russland/Gasverdrosselung ist ein Traumkatalsyt für solche Konzerne um Panik, HätteSollte und Umschuldpolitik ins Gespräch anzutreiben.

    Erzielt sind die bisherige Umweltschutzmaßnahmen zu erlischen und ein Grünes Licht fürs zapfen erhalten. Die sind nicht blöd, die wissen es dauert bis überhaupt was fließt.

    Wird bestimmt ein paar Politiker geben die trotzdem auf solche Paniklösungen zugreifen versuchen, und erst zu spät checken dass sich keine kurzfristige Lösung anbietet.

    Und auch wenns bereits schon gäbe, würden wir noch weniger Grund haben später auf Rennewables umzusteigen “weil warum in was teueres investieren wenns eh daweil billigs Gas gibt.”

    Entschuldige die paar Grammatikfehler.

  18. Ist erst in ein paar Jahren verfügbar, und dann sind wir hoffentlich weit weg von dem Gasverbrauch, den wir heute haben. Ist halt dann unwahrscheinlich, dass sich das Fracking da auszahlt. Wenn wir morgen das Gas hätten, ja, aber 2027 oder 2028? Da ist es hoffentlich nicht mehr notwendig, wenn die Politik mal die Weichen vernünftig stellt.

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