Debatte um Ältere am Steuer: Experten zweifeln Nutzen von verpflichtenden Tests an

15 comments
  1. >**Zwischen Altersdiskriminierung und Sicherheit: Wieder einmal steht die Forderung nach verpflichtenden Fahrtüchtigkeitstests für ältere Menschen im Raum. Fachleute in Österreich sehen diese allerdings kritisch.**

    >Innsbruck, Ellmau – Eine 86-jährige Frau verwechselt Gas- und Bremspedal, rammt einen Kinderwagen durch die Scheibe eines Supermarktes, der einjährige Bub erliegt wenig später im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen. Bereits kurz nach dem tragischen Unfall am Dienstag in Ellmau starteten in sozialen Netzwerken und privaten Gesprächsrunden die Diskussionen rund um betagte Menschen im Straßenverkehr. Im Zentrum der Debatte: die Forderung nach verpflichtenden Überprüfungen der Fahrtauglichkeit von Seniorinnen und Senioren. Derartige medizinische Untersuchungen, Fahrtests oder Demenzchecks gibt es etwa in Portugal bereits ab einem Alter von 50 Jahren, in Italien ab 70, der Schweiz ab 75 oder in Norwegen ab 80 Jahren.

    >Diesen steht Marion Seidenberger, Verkehrspsychologin beim ÖAMTC, allerdings kritisch gegenüber: „Dort, wo es derartige Überprüfungen gibt, sind die Unfallzahlen bei den Senioren nicht signifikant niederer als in Österreich, wo wir diese nicht haben.“ Sie hält es daher für sinnvoller, dass etwa Angehörige das Thema ansprechen oder auch der Hausarzt als Vertrauensperson bei Bedarf dem älteren Menschen rät, das Auto künftig stehen zu lassen. Dass das vielen älteren Menschen schwerfällt, sei verständlich. „Wer im Alter seinen Führerschein abgibt, gibt auch einen großen Teil seiner Eigenständigkeit auf“, erklärt Seidenberger. Eine Sensibilisierung der Senioren – etwa durch freiwillige Fahrsicherheitstrainings oder -tests – hält sie ebenfalls für einen guten Ansatz.

    >Dass sich beim Hör- und Sehvermögen sowie im kognitiven Bereich im hohen Alter Defizite einstellen, liege nämlich auf der Hand. „Das beginnt vor allem rund um das Alter 70 bis 75, sehr markant wird es ab einem Alter von 80 Jahren“, sagt die Verkehrspsychologin. Dennoch warnt sie davor, die Fähigkeit, sicher ein Auto zu steuern, ausschließlich an die Lebensjahre zu knüpfen. Es gebe ebenso rüstige und sicher fahrende über 80-Jährige wie junge Lenkerinnen und Lenker, die durch Drogen- oder Alkoholeinfluss oder Raserei einen deutlich größeren Unsicherheitsfaktor im Straßenverkehr darstellten. Ältere Menschen am Steuer gelten außerdem auch als weniger abgelenkt oder neigen kaum zu riskanten Überholmanövern und Raserei.

    >Laut Statistik wird im Jahr 2030 knapp ein Viertel der Österreicherinnen und Österreicher der Altersgruppe 65 plus angehören. Seidenberger appelliert daher an die Verkehrsplaner, das zu berücksichtigen und konkret bei der Gestaltung von Kreuzungen möglichst auf eine klare und übersichtliche Linie zu setzen. „Denn statistisch ereignen sich 35 Prozent aller Unfälle mit älteren Menschen am Steuer an Kreuzungen“, sagt die Expertin.

    >Dennoch: In seiner „Verkehrssicherheitsstrategie 2021–2030“ hält das Bundesministerium Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie fest: „Ältere Pkw-Lenkende verursachen überproportional oft Pkw-Unfälle. Die meisten der tödlichen Unfälle (92 Prozent von 2015 bis 2019), an denen über 84-jährige Pkw-Lenkende beteiligt waren, wurden auch von ihnen verursacht.“ Der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) fordert daher etwa, den Menschen eine Mobilitätsalternative zu geben. „Dort, wo es ein gutes öffentliches Verkehrsangebot gibt, Gemeindebusse, Anrufsammeltaxis und auch eine sichere Infrastruktur zum Gehen und Radfahren, sind auch ältere Menschen in ihrer Mobilität nicht vom Auto abhängig“, sagt VCÖ-Sprecher Christian Gratzer. Er hält auch weitere Anreize für wichtig: „In Schwechat erhalten beispielsweise Personen, die ihren Führerschein abgeben, eine Jahresnetzkarte für den öffentlichen Verkehr.“ Der VCÖ schlägt vor, das österreichweit umzusetzen. Wer den Führerschein abgibt, erhält für drei Jahre das Klimaticket für sein Bundesland.

    >Unterdessen ermittelt nach dem Unfalltod des Einjährigen in Ellmau die Polizei wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung. Gestern lief die Einvernahme der 86-jährigen Lenkerin. Sobald diese abgeschlossen ist, werde der Staatsanwaltschaft ein Bericht vorgelegt, so die Polizei gestern. Ob für die 86-Jährige eine Überprüfung der Fahrtüchtigkeit angeordnet wird, falle in die Zuständigkeit der Bezirkshauptmannschaft, hieß es gestern.

    **Edit: Ergänzung Text und formatting**

  2. Natürlich fraglich ob die alte Trulla bei einer verpflichtenden Überprüfung aufgefallen wäre oder nicht.

    Aber wenn dies so wäre, dann wäre vermutlich das 1 jährige kind noch am leben.

    Außerdem sollte man ALLE regelmäßig testen, nicht nur Menschen ab einem bestimmten alter

    EDIT: danke für einen artikel den man ohne Registrierung nicht lesen kann.

  3. War klar, dass vom ÖAMTC Schützenhilfe für die ÖVP kommt. Damit ist das Thema für die Regierung erledigt und die jungen sollen amal endlich a Ruh geben.

  4. Ich bezweifle, dass der ÖAMTC die richtige geschweige denn die einzige Quelle für so einen Artikel sein sollte.

  5. “Experten” laut Überschrift aber es kommt nur eine Person zu Wort…
    Grundsätzlich finde ich eine evidenzbasierte Diskussion immer eine gute Sache. Aber der Artikel lässt das teilweise leider vermissen. Um wieviel niedriger sind die Zahlen in den Ländern mit verpflichtender Tests? Wie hoch ist dort die Zulassungs- und FS-Quote bei den Altersgruppen?
    Gibt es ein Stadt/Land-Gefälle?
    Wenn man da Mal alle Daten auf den Tisch legen würde, dann denke ich kommt ein Recht klares Bild raus und dann sollte man entscheiden…

  6. „Wer im Alter seinen Führerschein abgibt, gibt auch einen großen Teil seiner Eigenständigkeit auf“

    Sollte man vielleicht auf ÖPNV setzen statt Autos, dann kann man auch im höheren Alter am Leben teilnehmen ohne das man im Auto eine Gefahr ist.

  7. Das ist auch ein bissl die Illusion, dass man alles durch Tests kontrollieren kann.
    So tragisch die Einzelfälle sein mögen, solange die Statistik keine relevanten Aussschläge zeigt, sehe ich keinen Grund hier noch zusätzliche Komplikationen einzufügen.

  8. Experten (60-84 Jahre) gegen Tests bei alten Menschen

    Okaaaayyyyyy

    Das ist fast so wie wenn Politiker über ihr Gehalt selbst entscheiden würden..

    Waiiiiit…

  9. Man sollte neben einer regelmäßigen Kontrolle auch eine PS Limitierung für Gefahrengruppen ( auch junge Menschen ) einführen. das ist ja alles ein Wahnsinn welche Greise/Kinder da in die SUV´s / Limousinen reinkriechn….

  10. So ein bullshit. Sollen die Verwandten den alten drauf ansprechen oder ein Arzt empfehlen, dass auto stehen zu lassen. Das funktioniert nie.
    Wir hatten das auch in der Familie. Der Opa fast 90, Füße kann er kaum bewegen und sehen ist auch nicht mehr gut. Fährt trotzdem durch die Gegend. Der Arzt darf im den Führerschein nicht nehmen und wir konnten nur bitten. Da hieß es immer solange der Arzt mit das fahren erlaubt, fährt er. Eine gesetzliche Grundlage hätte uns da sehr geholfen. Der Typ war echt eine Gefahr im Straßenverkehr

  11. Das Problem bei Leuten die unsicher fahren ist ja auch dass sie andre zu Unfällen provozieren.

    Jeder kennt so alte die aus Angst und Unsicherheit einfach permanent 40 fahren. Egal ob 50 oder 30er zone. Da geht’s mit 40 durch. Oder wenn sie dann Ausfahrten und ähnliches blockieren weil sie sich nicht mehr trauen in den fliessverkehr einzuordnen. Oder als fussgänger solange am Zebra Streifen stehen bis Autos auch tatsächlich stehen bleiben. Da fehlen elementare denk und Reaktionsskills.

    Wenn ich mit restthc im Körper Führerschein abgeben muss, sollen das alle ab 70 auch automatisch. Alles andre is nicht fair.

  12. Stinkt nach Whataboutismus diese angebliche Expertin. Dann hoffen wir mal, dass die eine Person, die dadurch mehr stirbt, ihr nahesteht. Vielleicht ändert sie dann ihre Haltung.

  13. Ich find die Idee eigentlich ganz gut. Wie andere schon gesagt haben, wären die Überprüfungen eigentlich am wenigsten “Alters-diskriminierend” – solange man als Fahrtauglich gilt, kann man theoretisch noch mit 90 Auto fahren.

    Wo ich als Landei natürlich ein Problem sehe und zustimmen muss, ist die Selbstständigkeit. Ohne Auto kommst du halt nirgends wo hin. In manchen Orten gibt es zwar kleine Supermärkte, aber die machen auch alle nach der Reihe zu. Bus gibt es keinen, Liefersevice (abgesehen davon, dass ältere Menschen nichts damit anfangen können) fahren meist auch nicht so weit. Wenn man jetzt niemanden hat, der für einen einkaufen fährt, dann kann man alleine im Dorf nicht mehr leben.
    Aber die Verkehrssicherheit ist nunmal ein wichtiges Thema – also ist es nur wieder ein weiteres Argument, endlich Mal die Öffis auszubauen.

  14. Ist doch trotzdem alles völliger Unfug. Ich als Allgemeinmediziner bestätige und hafte dafür, das 99,999% der gesunden 18Jährigen Auto fahren dürfen.

    Wenn die taube Oma mit Katarakt und “bisschen Vergesslichkeit” zu mir in die Ordi kommt, kann ich nur beraten, oft mit dem o.g. Ergebnis: “Wie komme ich denn dann wohin?”

    Fazit der Ratschlag des Arztes ist wie Sport – jeder weiß dass es nötig ist, aber meistens ist der “Ratschlag” nur lästig und wird ignoriert. Und der Kampt um den Autoschlüssel in der Familie ergibt legendäre Geschichten.

  15. Finde ja auch dass es diskriminierend ist wenn mein Bruder mit 14 noch nicht Autofahren darf obwohl er schon besser fährt als mein Opa…

    AlTeRsDiSkRiMiNiErUnG!11!!

    Und logisch werden nicht weniger Unfälle aufgezeichnet nachdem man einen solchen Test einführt, da wahrscheinlich die %Anzahl der Unfälle pro Altersgruppe berechnet wird, und die bleibt gleich, wenn weniger Leute in diesem Alter Auto fahren oder versteh ich da was falsch?

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