
Hab mir vorhin einen Eco-Beitrag im ORF angesehen ([Link zum ORF-Beitrag](https://tvthek.orf.at/profile/Eco/11523082/Eco/14145702)) und ich verstehe einfach nicht wie das möglich ist:
Im Beitrag wird erwähnt, dass Fleischersatzhersteller bzw. die vegane Burgerking Filiale weniger rentabel ist, als herkömmliche Fleischprodukte.
Wie ist das möglich? Im Artikel wird dies vor allem mit
1. zu geringen Produktionsmengen und
2. erhöhten Marketingkosten und
3. geringere Nachfrage erklärt.
Sinn macht das für mich aber trotzdem nicht. Auch dann nicht, wenn man steuerliche Begünstigungen oder Agrarsubventionen der EU hinzurechnet (Beyond Meat aus den USA hat das gleiche Problem der geringen Profitabilität)
Letzten Endes führt dies dazu, dass der Fleischersatzhersteller “Vegini” angeblich rote Zahlen schreibe und die Marke “Hermann Fleischlos” ohnehin die Produktion von Fleischersatzprodukten eingestellt hat.
Nun kommt der Part, weshalb ich das nicht verstehe und mir die im Beitrag genannten Begründungen nicht reichen:
**Die Fleischproduktion ist ja wahnsinnig ineffizient.** Also wirklich waaaahnsinnig ineffizient.
Nur als Vergleich: für 1kg Fleisch braucht man ca. 12-14kg Futtermittel (siehe Beitrag ab 23:32), für 1kg Fleischersatz braucht man ca. 1,5-2kg “Einsatzstoffe”(=Soja, Erbse & Co). Bestenfalls braucht man also nur ein Neuntel der Ressourcen und schlechtestenfalls ist man “nur” 6 mal so effizient wie herkömmliche Fleischproduktion. Dementsprechend sind Fleischersatzprodukte ungefähr 6-9 mal weniger Ressourcenintensiv als Tierhaltung. Und da rechnen wir noch nicht einmal kosten für die kostenintensive Logistik, Schlachten, etc. mit ein.
Ich könnte also ein Fleischprodukt gefühlt mehrere Male um die Erde transportieren und es wäre noch immer weniger ressourcenintensiv als das Fleisch vom Bio-Bauern auf dem lokalen Bauernmarkt.
Ich verstehe schon, dass die Fleischproduktion bedeutend effizienter ist – aber wenn ein Fleischersatzprodukt im Supermarkt teurer verkauft wird und gleichzeitig weniger als 20% an Ressourcen braucht, wie kann es dann immer noch weniger profitabel sein?
Bin ich der einzige, der bei dieser Milchmädchenrechnung stutzig wird?
31 comments
Ich kann dir die frage leider nicht beantworten aber im fall von hermann fleischlos liegts daran das der pilzanbau in thermohallen die das ganze jahr gekühlt/geheizt werden müssen einfach zu kostenintensiv ist. Und kräuterseitlinge im besonderen eine sehr kühle umgebung zur fruchtbildung benötigen.
Subvention und Skaleneffekte
Was mir als Erklärung einfällt: Fleischersatzprodukte sind relativ neu. Fabriken dafür gibt es noch nicht so viele, deshalb muss sehr viel investiert werden, was den Gewinn drückt. Außerdem expandieren sehr viele Firmen recht aggresiv.
Nimm dir als Beispiel Amazon oder Tesla: Die hatten auch zu ihrer Anfangszeit wenig bis gar keinen Gewinn erwirtschaftet, eben weil sie so stark expandiert haben.
Subventionen!
Die Bauern bekommen Steuergeld, einfach weil sie da sind.
Dann bekommen sie um Steuergeld verbilligtes Futter, und Förderungen zum Einrichten von Spaltböden….und so Shit.
Würden wir den echten Preis für Österreichisches Fleisch zahlen, wäre das was anderes.
Also … Fleisch is zu billig, und darum wird der Mark verzogen.
Und die ganze Infrastruktur is zu klein zum scalen
Also ich glaub du unterschätzt den Effekt der 3 genannten Punkte.
Ansonsten würde mir zu deiner Ressourcenrechnung noch einfallen: Du müsstest wahrscheinlich auch den unterschiedlichen Nährwert des Produkts berücksichtigen. Also blöd gesagt, wenn der Kilo Fleischersatz nur die halben Kalorien wie das echte Fleisch hat, dann müsstest du die benötigten Ressourcen eigentlich x2 nehmen.
“Futtermittel” ist nicht das selbe wie für den menschlichen Verzehr bestimmte Produkte, vor allem wenn man Kilo zu Kilo rechnet. Tieren wird wesentlich mehr von der gesamten Pflanze verfüttert als nur die Frucht bzw. das Korn. Zum Teil werden auch völlig andere Sorten verwendet die für den menschlichen Konsum unbrauchbar wären aber den Ertrag maximieren.
Siehe zB die Ertragsunterschiede bei Maissilage im Vergleich zu herkömmlichem Kukuruz (bei sonst gleichen Faktoren).
Siehe Rebell Meat: halb Gmias halb Fleisch. Trotzdem teurer als normale Bratwürstln. Obwohl diese zur Hälfte aus Karfiol bestehen. Ich mag die mehr als die “normalen”, steh aber vor der Leistbarkeitshürde öfter.
Sans gsünder, ökologischer, umweltfreundlicher, tierfreundlicher und co? Ja.
Aber viel zu teuer. Teilweise glaub ich spielt auch mit, dass man für so “Lifestyle”produkte einfach mehr zahlt weils bei vielen Leuten “einegeht”.
>Wie ist das möglich? Im Artikel wird dies vor allem mit
1. zu geringen Produktionsmengen und
2. erhöhten Marketingkosten und
3. geringere Nachfrage erklärt.
naja… da hast ja eh die erklärung?
du kannst nachfrage nicht einfach herbeiproduzieren.
also, du kannst es versuchen, aber es geht halt nicht so einfach. grad bei subjektiven dingen wie ernährung. brauchst ja nur schauen wie lange es gedauert hat bis vegetarische gerichte ihren weg in die küchen und kantinen gefunden haben, obwohl gemüse jetzt nix exotisches ist sondern säcke- und steigenweise in jedem markt verkauft wird.
und dazu kommt dann halt der marketingaufwand: du musst den leuten erklären, warum sie überhaupt was davon haben, wenn sie zukünftig nicht mehr zu den bratwürschtln um 2,99 sondern zu deinen alternativwürschtln um 4,99 greifen.
Zeit, ergo Anzahl der Arbeitsschritte in der Herstellung, ist auch eine Ressource. Z.b. Beyond Meat ist ein hochverarbeitetes Lebensmittel, es benötigt viel mehr Arbeitsschritte in der Herstellung als ein Stück rohes Fleisch.
Hochverarbeitete Lebensmittel sind auch nicht gesund. Auch als Veganer sollte man zu möglichst wenig verarbeiteten Lebensmitteln greifen, und die sind glücklicherweise auch nicht so teuer wie dieser unnötige Fleischersatz.
Schau, es ist ganz einfach: Ressourcenverbrauch hat mit Rentabilität halt gar nix zu tun. Warum? Weil die Ressourcen billig sind, was teuer ist sind die Produktionsmaschinen und Personalkosten. Nur weil du weniger Ressourcen brauchst (die bei Fleischersatzprodukten teurer sind, weil Viechern kannst Dinge verfüttern, das würdest nie in ein Lebensmittelprodukt mischen dürfen), wird der große Brocken – Personalkosten, Maschinen, Gebäude, … – nicht kleiner.
Fleisch ist schon so etabliert und die Lieferketten für Produkte die mit Fleischproduktion zu tun hat so massiv gestreamlined, dass Fleisch einfach so verdammt billig hergestellt werden kann. Man müsste Zölle auf ausländisches Futtergetreide/Pellets setzten und Tierwohlstandards tatsächlich durchsetzten damit andere Lebensmittel mehr gekauft werden. Ist höchste Zeit aber fehlt der politische Wille anscheinend. Und vermutlich ist dann das Rumpsteak aus Argentinien immernoch billiger.
Fleischersatzprodukte sind so hochgradig verarbeitet, da hätt ich fast weniger Angst vor antiobiotikaverseuchten Fleisch aus Massentierhaltung.
>Ich verstehe schon, dass die Fleischproduktion bedeutend effizienter ist – aber wenn ein Fleischersatzprodukt im Supermarkt teurer verkauft wird und gleichzeitig weniger als 20% an Ressourcen braucht, wie kann es dann immer noch weniger profitabel sein?
Fleisch wird durch die ganzen Bauernförderungen durch dein Steuergeld finanziert, vegane Nahrung aber nicht.
>Die Fleischproduktion ist ja wahnsinnig ineffizient. Also wirklich waaaahnsinnig ineffiziet
Jein, Fleischproduktion verbraucht sehr viele Resourcen, ist aber Aufgrund der weltweiten Verknüpfung der Industrien sehr effizient
Sei es nun das Abfall aus Land A, in Land B als Futtermittel verwendet wird, Abfall beim Tier selbst kaum anfällt weil Reste weiter verwendet werden
Gummibärli gibt es nicht weil jemand mal die Idee hatte Süßigkeiten aus Schweinefett her zu stellen, sondern weil das als Rest angefallen ist und man einen Weg gesucht hat das weiter zu verarbeiten
Was die effizienz angeht ist Fleischersatz halt auf dem Niveau das man 1 Kuh züchtet um daraus 1 Schnitzel zu machen, und das wäre auch entsprechend des Marktes verkaufen muss und nicht anhand der realen kosten. Es gibt eben einen Grund warum es billiger ist sich das Schnitzel im Supermarkt zu kaufen anstatt das Schwein als ganzes von der Fleischerei (und das ist in erster Linie weil du beim ganzen Schwein alles was du nicht brauchen kannst, trotzdem mit kaufst, was übrigens auch ein Grund ist warum es in der österreichischen Küche für alles ein Gericht gibt, wenn man arm war konnte man es sich nicht leisten essbares weg zu werfen und ein Tier wurde bis auf den letzten Rest verwertet, von Ochsenschwanzsuppe bis zum Beischl)
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Fleischersatz brauchen weniger direkte Ressourcen (die müssen dann aber nicht unbedingt billiger sein) da aber gezielt 1 spezielles Produkt mit speziellen Anforderungen hergestellt wird (weil muss sich wie Fleisch anfühlen und wie Fleisch schmecken, sonst ist es ja kein Ersatz) fließt sehr viel Aufwand und kosten in die Umarbeitung ohne das Nebenprodukte verwendet werden können oder weiter verkauft werden können.
Einen Pilz in scheiben schneiden, panieren und als alternative zum panierten Schnitzel servieren ist billiger, effizient und schont ressourcen, den Pilz umarbeiten damit er am Ende so ist wie Fleisch kostet entsprechend ohne das man es wirklich als Ersatz akzeptiert
anders rum zB Veganer Käse, der wurde vorher schon aus Abfällen gefertigt und für billig Produkte verwendet weil Abfall umarbeiten und weiter verkaufen billiger ist als echten Käse her zu stellen, war dann halt nur mal ein Skandal weil man auf Fertiggerichten nicht drauf geschrieben hat das dort kein echter Käse drin ist sondern der Ersatz
Würde man hier aber extra entsprechende Vegane Öle herstellen müssten um daraus Käse zu machen, wäre es auch weniger effizient und damit teurer
PS: mit ein Grund warum ich gegen Ersatz-Produkte bin, weniger Fleisch essen hilft mehr als seine Gewohnheiten bei zu behalten aber eben Ersatzprodukte zu verwenden
vor allem auch weil der hohe Proteinkonsum, egal ob tierisch oder pflanzlich, zusätzliche Folgen für die Umwelt hat, zB https://www.derstandard.at/story/2000138173566/proteinreiche-ernaehrung-macht-menschlichen-urin-zum-umweltproblem
Ich will einfach nichts, was durch 10 Maschinen gehen muss, um ein halbwegs annehmbares Imitat zu sein, essen. Nährwerttechnisch kommt auch nur sehr wenig an Fleisch heran auch wenn das viele nicht glauben (wollen).
Ist jetzt ein Schuss ins blaue aber ich denke vom Pflanzenmaterial zum fertigen Laberl brauchst halt recht viele Arbeitsschritte sprich die Produktion wird auch seinen Teil dazu beitragen.
einerseits weil sie relativ neu sind vs die etablierten industrie viehalter…
abgesehen davon ist fleischersatz irgendwie… naja ein luxusprodukt. wenn du wirklich auf fleisch verzichten willst dann brauchst keine fleisch oder käseersatzprodukte etc… die sowieso nicht 100% wie das original schmecken. Ausser du hast das verlangen nach fleisch willst aber keins essen dann sind die nützlich.
Die einzige ausnahme ist da vielleicht die swing kitchen, wo die burger verdammt gut schmecken… aber kosten halt dementsprechend.
Subventionen
Skaleneffekte
und die Tatsache, dass diese Rechnungen oft stark vereinfacht sind.
Weil die Fleisch lobby diesen Beitrag wollte
Fleisch wird subventioniert. Easy as that ohne Subventionen wäre Fleisch NIE so günstig wie es aktuell ist
Sehr einfach auf den Punkt gebracht, economy of scale. Wenn du für 5.000.000 verkaufte Einheiten vorher 1 Mio. für Werbung ausgegeben hast, ist das was anderes als wenn du für die 1 Mio. nur 5.000 Einheiten absetzt. Das gleiche gilt für die Fertigungsstraße, große Teile der Logistik usw. mal abgesehen von der Bereitschaft von zB Supermärkten und anderen Partnern dich länger zu listen wenn dein Produkt keinen Umsatz bringt.
So lange Fleischersatz ein Nischenprodukt ist, so lange ist es nicht ansatzweise konkurrenzfähig. Da kann Fleisch noch so viel Kalorien und Wasser mehr benötigen in der Produktion, umgelegt auf die Gesamtkosten bis zum Endverbraucher ist das nur ein kleiner Anteil.
Die easy antwort ist doch einfach das zu wenig leute es kaufen.
das nennt sich economy of scale, je mehr man von etwas herstellt umso billiger wird es
https://en.wikipedia.org/wiki/Economies_of_scale
Einfach gesprochen weil uns das Wohlergehen der Tiere egal ist und wir sie foltern um das letzte bisschen Geld raus zu quetschen.
Verschiedenen MwSt Sätze sind halt auch ein Witz. Soweit ich weiß keine CO2 Steuer auf tierische Lebensmittel. Unsere Regierungen sind da leider auf einem miesen weg.
Weil das Schnitzel muss leistbar bleiben!
Kotzt mich ziemlich an…
Die Zeit wird das Problem lösen!
Das mit dem Ressourcenverbrauch von Fleisch stimmt halt so nicht ganz, weil da einiges irreführend mitgerechnet wird: https://youtu.be/sGG-A80Tl5g
Konsumierte Menge, wenn ich pro kilo für fleischersatz 9€ profit mache (hausnummer) und für fleisch nur 1€, in österreich aber nur 100.000 kilo fleischersatz gegessen werden, beim fleisch aber 2 Millionen Kilo, hab ich 2 Mio € mit Fleisch gemacht, mit Fleischersatz aber nicht einmal 1 Mio
das mal zusätzlich zu effizienteren Systemen weil gibts schon länger etc. aber der fleischkonsum is halt enorm. schau einfsch mal im Spar ins “Vegane Regal” und dann in die 7 Kühlschränke für abgepacktes Fleisch, 3 Tiefkühler voller gefrorener Burger, Cival, etc. und der 5 Meter Feinkosttheke. der faktor is halt (noch) weit höher als eben die 1:9 Kostenfaktor pro Kilo
Weil die Ersatzstoffe ziemlich heftig in der Produktion sind. Und die ganze Chemie fürs zusammen pantschen der Teile um möglichst nahe am Fleisch zu sein auch nicht auf Bäumen wächst…
Lieber Gemüse essen statt Ersatz Produkte.
Zusätzlich zu den vielen Kommentaren noch ein Aspekt den hier viele ignorieren: Die Anbauflächen für die Rohstoffe von Fleischersatz sind in direkter Konkurrenz zu normalen Gemüseerträgen, während viel Fleischproduktion auf Flächen und in Regionen stattfindet, die für pflanzliche Nahrungsmittelproduktion wenig oder nicht geeignet ist.
Rein von der Menge an produzierten Kalorien pro Fläche (und das ist in Wahrheit eine wichtige Einheit in einem Land das Probleme mit Bodenversiegelung, Bewässerung, Arbeitskräftemangel etc. hat) ist Fleisch halt auch massiv effizienter.
Rohstoffkosten sind einfach nur ein winziger Teil der Gleichung.
Weil die 12-14 kg Futtermittel günstiger sind als die 1-2 kg zB Soja. Dazu kommen dann noch die anderen genannten Faktoren.
Alles was in Masse produziert wird, ist billig. Je größer die Masse desto billiger. Fleischersatzprodukte sind, weltweit gesehen, noch immer eine winzige Nische. Es gibt noch keine richtige Industrie in dem Bereich.