Ich weiß das Thema wurde in den letzten Wochen schon des Öfteren hier behandelt.

Allerdings habe ich heute einen Beitrag im Standard gelesen über [eine Erhöhung der Grundvergütung.](https://www.derstandard.at/story/2000138546441/regierung-plant-bis-zu-978-euro-verguetung-fuer-praesenzdiener)

An und für sich eine super Idee, die ÖVP knüpft das allerdings wieder an etwas anderes an – darauf möchte ich hier aber nicht eingehen.

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Bei mir selbst steht ab 01.09. der Zivi an. Ich bin seit März ausgelernt, in einer Branche die massiv an Personalmangel leidet, bei mir in der Abteilung arbeiten 5 Leute (ohne mir dann 4) für die Arbeit von 7 bis 8 Personen. Ich werde da rausgerissen, mein Verdienst auf ein fünftel gekürzt, meine Arbeitszeiten verlängert und meine Tätigkeiten vermutlich für die “Arschhackn” missbraucht.

Ich leiste gerne meinen Zivi ab, habe auch grundsätzlich nichts dagegen – rauskommen tu ich da eh nicht, stelle aber die Sinnhaftigkeit davon massiv in Frage. Wenn wir das Budget für die Präsenzdiener eh schon erhöhen, können wir den dann nicht gleich ganz abschaffen und das dafür verwendete Geld (sowohl die Grundvergütungen als auch die Verwaltung dahinter, Kosten für Stellung,…) für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen nehmen um keine – ich nenne es mal – Sklavenarbeit mehr zu nutzen? Für das Bundesheer wäre dann halt ein Freiwilliges Heer die alternative. Oder falls das, aus welchen Gründen auch immer, nicht gehen sollte den Präsenzdienst für die gesamte Bevölkerung (Männlich, Weiblich, Divers, etc.) einführen? Die Struktur derzeit ist ja nicht schon lang nicht mehr im richtigen Zeitalter.

Man(n) wird einfach aus der Arbeit herausgerissen, verdient um einiges weniger, verliert Lebenszeit die man anders hätte nutzen können und im Gegenzug zu unseren weiblichen (und auch untauglichen) Mitbürgern verliert man damit die Option gleich nach der Matura, dem Studium oder der Lehre Karriere zu machen.

Ich persönlich bin mir nicht sicher ob ich nach dem Zivi in die alte Firma zurückgehen kann, ich hätte aber wenn ich da bleiben würde die Option auf Weiterbildungen, die Chance in zwei bis drei Jahren zum Teamleiter promotiert zu werden usw., diese Chancen werden mir hiermit genommen, zugleich ein weiblicher oder diverser Mitbürger die Möglichkeit hat, nun diese o. g. Dinge in Anspruch zu nehmen.

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Ich möchte mich hier nicht darüber aufregen, dass Frauen, diverse Mitbürger oder untaugliche Männer hier bevorzugt behandelt werden, aber dadurch stelle ich nun mehr die Sinnhaftigkeit des “Diensts fürs Land” in Frage – für mich macht das ganze System so wie es derzeit ist einfach keinen Sinn mehr.

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Gerne lese ich mir in den Kommentaren eure Meinungen und Erfahrungen im oder nach dem Bundesheer oder Zivi durch

2 comments
  1. Ich finde den Zivildienst eine gute Sache (BH nicht) weil man eine neue Lebensperspektive bekommt.
    Das man weniger verdient ist auch noch in Ordnung, der Grundbetrag von 360 € ist aber ein Witz. Also mit ca. 1000 € + Zuschussmöglichkeiten finde ich es in Ordnung.

    Was ich nicht in Ordnung finde sind die ganzen Regelungen die in der normalen Arbeitswelt nicht erlaubt/üblich sind, beim Zivildienst hingegen kein Problem darstellen:
    * Die Einrichtung erfährt den Grund eines Krankenstandes
    * Wenn du nicht rechtzeitig am Dienstort sein kannst weil keine Öffis fahren musst du halt am Vortag anreisen und dort schlafen
    * Ständige Überstunden sind zulässig
    * Null Rechte aber extrem viele Pflichten
    * Keine Sanktionen für Einrichtungen die ihre Zivis mies behandeln

  2. Eine freiwilliges Heer ist keine Alternative.

    Gerade in Zeiten wie diesen sollte uns Verteidigung als Gesellschaft etwas wert sein.

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