In Graz und GU hat man auch ganze zwei Ärzte im Einsatz. Zwei für 300k+ Menschen.
Kein Wunder bei den Gehältern für Sanis. Der Zivildienst drückt die Gehälter und die Ausbildungszeit ist absichtlich so kurz, damit ja Zivis Rettungssanis werden können.
Deshalb waren die ganzen Kollegen die in linz Rettung gefahren sind immer so geil drauf… Ja wennst an Zivi zum polytrauma schickst, na dann gute Nacht.
Unser Rettungswesen is vor 20 Jahren stehen geblieben, das von den Oberösterreichern offenbar vor 40 Jahren.
Hier in der Schweiz machen die Sanis 3 Jahre Ausbildung und dürfen/können echt viel selbst machen (Kompetenzen variieren von Kanton zu Kanton und auch vom ärztlichen Leiter der jeweiligen Rettungswache abhängig).
Grad in AT mit viel ländlicher Gegend und oft längeren Distanzen ins nächste Krankenhaus wär das etwas was besser ausgebaut gehört.
Kann nur aus Erfahrung sagen (selbst 4 Jahre in Wien gefahren), dass es ein Wunder ist, dass das System so funktioniert. Es kommt mir vor als ob man damals nach strengstem Minimalprinzip kalkuliert hat was man für einen “Rettungsdienst” braucht damit er gerade so noch nicht auf dritte Welt Niveau ist. Eine wirklich österreichische Lösung. Btw ist das Ziviwesen auch ein Grund dafür warum die Wehrpflicht noch viele Jahre bestehen wird. Wenn es keinen Wehrdienst und somit auch keinen Zivildienst mehr gäbe, würden den Rettungsorganisationen auf einen Schlag mehrere Hundert bis Tausend Sklaven pro Jahr entgehen und deren Auftragslage wäre nicht zu bewältigen. Stadt/Land würde da nichtmal einen Unterschied machen.
Also mit etwa 20 Jahren Erfarung in der Steiermark und dem Burgenland würde ich sagen, dass das System im Allgemeinen nicht schlecht funktioniert. Das Problem ist eher, dass der Markt nur vom Roten Kreuz dominiert wird und die selbst die Probleme schaffen. Das ganz e auf voll-beruflich umzustellen ist nicht finanzierbar und unrealistisch vor allem durch die vielen ländlichen Regionen, in der Stadt vllt.. Was viele nicht verstehen, dass wenn man zwei nfs auf den RTW packt das service nicht besser wird wie wenn nur einer oben ist. Meiner Meinung nach ist die 1 NFS und 1 RS Besetzung optimal auch im freiwilligendienst. Damit gibt es eine gewisse Hierarchie die in solchen Stresssituationen definitiv von Vorteil ist, ein NFS reicht da leicht mit einem RS der diesen unterstützt. Das Problem ist dass das Rote Kreuz im Großteil der Steiermark und des Burgenlands die Weiterbildung der Freiwilligen auf NFS blockiert, und als Freiwilliger überlegt man sichs dann doch zweimal bevor man sich das selber finanziert. Der Zivildienst und die Freiwilligen erhalten das System, mehr Berufliche wären aber definitv eine wichtiger Schritt. Der Notarztmangel geht in vielen Regionen auch direkt aufs Rote Kreuz zurück alles in allem eine ziemlich ausbeuterische Organisation die auf ihre Mitarbeiter schei**. Wenn da nicht Druck von der Politik kommt oder diese Probleme von aufgezeigt werden wird sich nix ändern. Wenn der Zivildienstsold an Inflation angepasst erhöht sehe ich auch wenn das anscheinend keine populäre Meinung ist den Zivildienst als sinnvoll und wichtigen Teil der Gesellschaft. Etwas für das Land tun für klarerweise weniger Entlohnung, natürlich sollte es da mehr Gestetze zur Regulation geben, sodass niemand ausgenutzt wird. Die Probleme im ganzen System schafft meiner Meinung nach das Rote Kreuz selbst und da muss Druck auf sie ausgeübt werden von Politik oder anderen Vereinen die Möglichkeit gegeben werden mitzuspielen
Am Land (OÖ) eine Rettung brauchen ist wie Russisch Roulette.
Entweder es kommt ein Zivibomber direkt nach der Ausbildung, das 60 Jährige Ehepaar das noch 15:2 reanimiert oder ein fähiger SEW, vielleicht ein ITW oder ein paralleler NEF.
Eine so wichtige Infrastruktur im Grunde genommen auf Ehrenamtlichkeit aufbauen ist eigentlich völlig absurd.
Es braucht flächendeckend gut ausgebildetes, hauptberufliches Personal mit regelmäßigen Rezertifizierungen in mehr als nur CPR.
Und ich sag das als ehrenamtlicher Sani der sich damit sein eigenes Hobby verbaut.
Drei große Aspekte aus meiner Sicht:
1.) Die in den meisten Teilen Österreichs vorgegebene Ausbildung am RTW mit dem/der Rettungssanitäter/in (260h Ausbildung) ist mit einer qualitativen Versorgung von Notfallpatientinnen und Notfallpatienten nicht zu vereinen. Das absolute Minimum wäre wohl im österreichischen Modell der/die Notfallsanitäter/in, sinnvoller wäre eine ausführlichere Ausbildung wie zB in Deutschland (3 Jahre auf eigener Rettungsdienstschule).
2.) Das führt natürlich dazu, dass das österreichische System, welches sehr stark auf Zivis und Ehrenamtlichen basiert, so nicht mehr weitergeführt werden kann – diese Gruppen werden sicher noch unterstützend (3. Person am RTW, KTW) tätig sein können, die Kosten des Systems würden aber erheblich steigen. Da müsste politischer Wille da sein, der im Moment völlig fehlt.
3.) Auch die notärztliche Ausbildung (trotz einer deutlichen Verbesserung in den letzten Jahren) könnte qualitativ erheblich verbessert werden. Mit besser ausgebildeten RTW-Teams bräuchte man erheblich weniger Notärztinnen und Notärzte, welche dann aber bei wirklich lebensbedrohlichen Zuständen umso qualifizierter eingreifen könnten.
Ich kann es nur aus Sicht als Arzt schildern, aber – die Ausbildung ist, trotz wirklich lobenswertem Notarztdiplom, mittelmäßig. Nicht wegen know how oder Material, aber wegen der Übung und damit Routine.
Als Notarzt sollte man regelmäßig fahren und auch mit kritischen Notfallpatienten zu tun haben, also idealerweise Anästhesie, Intensiv, Kardio, Akutmedizin als Schwerpunkt. Mit dem neuen Ausbildungsgesetz wird dem entgegengewirkt, aber aktuell wäre es so dass ich mit null intensivmedizinischer Erfahrung nur mit NA Diplom wo fahren könnte. Irrsinn.
Tut auch keiner. Entsprechend wars bei uns so dass von 70 Teilnehmern im NA Diplom nur 10 “echte Notärzte” werden wollten. Der Rest hat es aus Interesse oder Notwendigkeit gemacht.
Leider baut das System immer noch auf diese Freiwilligkeit auf, heutzutage sind die Ärzte aber gsd selbstbewusst genug, auch Dinge abzulehnen (wie NA) wenn sie diese nicht beherrschen.
Bei steigender Bevölkerungszahl und Zersiedelung ein Problem. Eine Lösung wäre mMn nur eine viel bessere Professionalisierung bei Ärzten und Sanis.
Ja, österreichische Notfallmedizin ist imo qualitativ minderwertig. Das hat sehr viele Ursachen.
In Österreich ist Medizin in riesigen Teilen dem Arzt vorbehalten. Das spiegelt sich auch im SanG wieder. Notfallsanitäter dürfen ihre Notkompetenzen, wie die Gabe von Medikamenten etc nur dann verwenden wenn das Warten auf den Notarzt nicht möglich ist. Das geht aber komplett an der Realität des Sanitätsdienstes vorbei. Zum einen gibt es schlicht nicht so viele Notärzte, zum anderen rechtfertig Nutzen-Risiko-Abwägung den Arztvorbehalt nicht. Mit geeigneten Protokollen könnten Leute mit der Ausbildung eines Bachelors in Sanitätswesen 90% der Notfälle akzeptabel abwickeln. Soweit ich weiß arbeiten mittlerweile auch viele Rettungsdienste am SanG vorbei und erlauben ihren NFS Dinge wie Blutabnahmen.
Die Ausbildung ist für ein System das nicht breit auf Ärzte setzt einfach zu schlecht. Den RS-Kurs kann man nur dann nicht schaffen wenn man intellektuelle Defizite hat. Die geringe Ausbildungsdecke hemmt die Professionalisierung des Rettungsdienstes Maßgeblich. In anderen Ländern kann man Paramedics Dinge wie simple Ultraschallgeräte zum Erkennen von Flüssigkeit im Bauchraum, anvertrauen, sie Luftröhrenschnitte oder Kardioversionen durchführen oder mit Nadeln Pneumothoraxe entlasten lassen. Bei unseren niedrigen Anforderungen mit 160h für den Rettungssanitäter und 160+480h für den Notfallsanitäter (ohne Notfallkompetenzen) geht das einfach nicht. Zum vergleich, der NFS in Deutschland hat alleine 790h Pflichtpraktika in Krankenhäusern, die Ausbildung dauert 3 Jahre.
Obwohl es in Österreich einen großen Ärztevorbehalt gibt kümmern sich diese imo recht wenig um die präklinische Notfallmedizin, wobei das auf der ganzen Welt so ist. Der Notarzt ist bei uns ein Weiterbildungsdiplom, kein eigener Facharzt. Das sind gerade mal 80 Unterrichtseinheiten und 20 Einsätze plus Prüfung. Das es überhaupt Lehrstühle für Notfallmedizin gibt ist eine neuheit bei uns. Das Problem dabei, Forschung kann der Rettungsdienst selbst besser ausgebildet nicht übernehmen. Nur Arzt mit Ph.d hat die Grundlagen hier etwas weiter zu bringen.
Was gilt es meiner Meinung nach zu tun? Soweit ich das sehe sollte sich Österreich vom Notarztsystem lösen, weil es halt nicht praktikabel ist. Stattdessen sollte die Notfallversorgung im ganzen Land und rund um die Uhr durch Menschen mit einem BA in Sanitätswesen abgewickelt werden (Cool wäre es wenn die Crew aus einem oder zwei solcher NFS plus einen RS als Fahrer bestehen könnte, evtl. einen Krankenpfleger anstelle des zweiten NFS). Das SanG ist darauf anzupassen. Welche Organisation das abwickelt ist imo weniger wichtig. Ich präferiere das es wie die Feuerwehr als Teil der staatlichen Daseinsvorsorge angesehen wird. Third Service wie in Wien wäre imo Gewinnorientierten oder Freiwilligenorganisationen vorzuziehen. Dazu gehört auch das die Sozialversicherungen anerkennen das eine hochwertige präklinische Notfallmedizin im Wohle des Patienten ist und das sie die Einsätze auch bezahlen.
Wird das passieren. Ich denke nicht. Politisch wäre diese Reform nicht nur schwer weil man auf einmal sehr viele Sanitäter und Infrastruktur braucht, noch dazu teuer. Mehr noch, man legt sich mit den Freiwilligenorganisationen an. Wenn der Österreicher eines weiß, dann das Leute die kein Geld verdienen immer Recht haben. Dieser Umbau würde riesigen Teilen des RKs seine Existenzberechtigung nehmen und die würden das nicht mit sich machen lassen.
(ACHTUNG: Das Impressum gibt den “NEOS Parlamentsklub” als Herausgeber von [materie.at](https://materie.at) an. Ich kannte das nicht und hab nichts mit den NEOS zu tun. Die drei Artikel sind aber wirklich ernsthaft gut.)
Und der Rettungsdienst in Österreich basiert rechtlich zT. immernoch auf folgendem Gesetz:
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In Graz und GU hat man auch ganze zwei Ärzte im Einsatz. Zwei für 300k+ Menschen.
Kein Wunder bei den Gehältern für Sanis. Der Zivildienst drückt die Gehälter und die Ausbildungszeit ist absichtlich so kurz, damit ja Zivis Rettungssanis werden können.
Deshalb waren die ganzen Kollegen die in linz Rettung gefahren sind immer so geil drauf… Ja wennst an Zivi zum polytrauma schickst, na dann gute Nacht.
Unser Rettungswesen is vor 20 Jahren stehen geblieben, das von den Oberösterreichern offenbar vor 40 Jahren.
Hier in der Schweiz machen die Sanis 3 Jahre Ausbildung und dürfen/können echt viel selbst machen (Kompetenzen variieren von Kanton zu Kanton und auch vom ärztlichen Leiter der jeweiligen Rettungswache abhängig).
Grad in AT mit viel ländlicher Gegend und oft längeren Distanzen ins nächste Krankenhaus wär das etwas was besser ausgebaut gehört.
Kann nur aus Erfahrung sagen (selbst 4 Jahre in Wien gefahren), dass es ein Wunder ist, dass das System so funktioniert. Es kommt mir vor als ob man damals nach strengstem Minimalprinzip kalkuliert hat was man für einen “Rettungsdienst” braucht damit er gerade so noch nicht auf dritte Welt Niveau ist. Eine wirklich österreichische Lösung. Btw ist das Ziviwesen auch ein Grund dafür warum die Wehrpflicht noch viele Jahre bestehen wird. Wenn es keinen Wehrdienst und somit auch keinen Zivildienst mehr gäbe, würden den Rettungsorganisationen auf einen Schlag mehrere Hundert bis Tausend Sklaven pro Jahr entgehen und deren Auftragslage wäre nicht zu bewältigen. Stadt/Land würde da nichtmal einen Unterschied machen.
Also mit etwa 20 Jahren Erfarung in der Steiermark und dem Burgenland würde ich sagen, dass das System im Allgemeinen nicht schlecht funktioniert. Das Problem ist eher, dass der Markt nur vom Roten Kreuz dominiert wird und die selbst die Probleme schaffen. Das ganz e auf voll-beruflich umzustellen ist nicht finanzierbar und unrealistisch vor allem durch die vielen ländlichen Regionen, in der Stadt vllt.. Was viele nicht verstehen, dass wenn man zwei nfs auf den RTW packt das service nicht besser wird wie wenn nur einer oben ist. Meiner Meinung nach ist die 1 NFS und 1 RS Besetzung optimal auch im freiwilligendienst. Damit gibt es eine gewisse Hierarchie die in solchen Stresssituationen definitiv von Vorteil ist, ein NFS reicht da leicht mit einem RS der diesen unterstützt. Das Problem ist dass das Rote Kreuz im Großteil der Steiermark und des Burgenlands die Weiterbildung der Freiwilligen auf NFS blockiert, und als Freiwilliger überlegt man sichs dann doch zweimal bevor man sich das selber finanziert. Der Zivildienst und die Freiwilligen erhalten das System, mehr Berufliche wären aber definitv eine wichtiger Schritt. Der Notarztmangel geht in vielen Regionen auch direkt aufs Rote Kreuz zurück alles in allem eine ziemlich ausbeuterische Organisation die auf ihre Mitarbeiter schei**. Wenn da nicht Druck von der Politik kommt oder diese Probleme von aufgezeigt werden wird sich nix ändern. Wenn der Zivildienstsold an Inflation angepasst erhöht sehe ich auch wenn das anscheinend keine populäre Meinung ist den Zivildienst als sinnvoll und wichtigen Teil der Gesellschaft. Etwas für das Land tun für klarerweise weniger Entlohnung, natürlich sollte es da mehr Gestetze zur Regulation geben, sodass niemand ausgenutzt wird. Die Probleme im ganzen System schafft meiner Meinung nach das Rote Kreuz selbst und da muss Druck auf sie ausgeübt werden von Politik oder anderen Vereinen die Möglichkeit gegeben werden mitzuspielen
Am Land (OÖ) eine Rettung brauchen ist wie Russisch Roulette.
Entweder es kommt ein Zivibomber direkt nach der Ausbildung, das 60 Jährige Ehepaar das noch 15:2 reanimiert oder ein fähiger SEW, vielleicht ein ITW oder ein paralleler NEF.
Eine so wichtige Infrastruktur im Grunde genommen auf Ehrenamtlichkeit aufbauen ist eigentlich völlig absurd.
Es braucht flächendeckend gut ausgebildetes, hauptberufliches Personal mit regelmäßigen Rezertifizierungen in mehr als nur CPR.
Und ich sag das als ehrenamtlicher Sani der sich damit sein eigenes Hobby verbaut.
Drei große Aspekte aus meiner Sicht:
1.) Die in den meisten Teilen Österreichs vorgegebene Ausbildung am RTW mit dem/der Rettungssanitäter/in (260h Ausbildung) ist mit einer qualitativen Versorgung von Notfallpatientinnen und Notfallpatienten nicht zu vereinen. Das absolute Minimum wäre wohl im österreichischen Modell der/die Notfallsanitäter/in, sinnvoller wäre eine ausführlichere Ausbildung wie zB in Deutschland (3 Jahre auf eigener Rettungsdienstschule).
2.) Das führt natürlich dazu, dass das österreichische System, welches sehr stark auf Zivis und Ehrenamtlichen basiert, so nicht mehr weitergeführt werden kann – diese Gruppen werden sicher noch unterstützend (3. Person am RTW, KTW) tätig sein können, die Kosten des Systems würden aber erheblich steigen. Da müsste politischer Wille da sein, der im Moment völlig fehlt.
3.) Auch die notärztliche Ausbildung (trotz einer deutlichen Verbesserung in den letzten Jahren) könnte qualitativ erheblich verbessert werden. Mit besser ausgebildeten RTW-Teams bräuchte man erheblich weniger Notärztinnen und Notärzte, welche dann aber bei wirklich lebensbedrohlichen Zuständen umso qualifizierter eingreifen könnten.
Ich kann es nur aus Sicht als Arzt schildern, aber – die Ausbildung ist, trotz wirklich lobenswertem Notarztdiplom, mittelmäßig. Nicht wegen know how oder Material, aber wegen der Übung und damit Routine.
Als Notarzt sollte man regelmäßig fahren und auch mit kritischen Notfallpatienten zu tun haben, also idealerweise Anästhesie, Intensiv, Kardio, Akutmedizin als Schwerpunkt. Mit dem neuen Ausbildungsgesetz wird dem entgegengewirkt, aber aktuell wäre es so dass ich mit null intensivmedizinischer Erfahrung nur mit NA Diplom wo fahren könnte. Irrsinn.
Tut auch keiner. Entsprechend wars bei uns so dass von 70 Teilnehmern im NA Diplom nur 10 “echte Notärzte” werden wollten. Der Rest hat es aus Interesse oder Notwendigkeit gemacht.
Leider baut das System immer noch auf diese Freiwilligkeit auf, heutzutage sind die Ärzte aber gsd selbstbewusst genug, auch Dinge abzulehnen (wie NA) wenn sie diese nicht beherrschen.
Bei steigender Bevölkerungszahl und Zersiedelung ein Problem. Eine Lösung wäre mMn nur eine viel bessere Professionalisierung bei Ärzten und Sanis.
Ja, österreichische Notfallmedizin ist imo qualitativ minderwertig. Das hat sehr viele Ursachen.
In Österreich ist Medizin in riesigen Teilen dem Arzt vorbehalten. Das spiegelt sich auch im SanG wieder. Notfallsanitäter dürfen ihre Notkompetenzen, wie die Gabe von Medikamenten etc nur dann verwenden wenn das Warten auf den Notarzt nicht möglich ist. Das geht aber komplett an der Realität des Sanitätsdienstes vorbei. Zum einen gibt es schlicht nicht so viele Notärzte, zum anderen rechtfertig Nutzen-Risiko-Abwägung den Arztvorbehalt nicht. Mit geeigneten Protokollen könnten Leute mit der Ausbildung eines Bachelors in Sanitätswesen 90% der Notfälle akzeptabel abwickeln. Soweit ich weiß arbeiten mittlerweile auch viele Rettungsdienste am SanG vorbei und erlauben ihren NFS Dinge wie Blutabnahmen.
Die Ausbildung ist für ein System das nicht breit auf Ärzte setzt einfach zu schlecht. Den RS-Kurs kann man nur dann nicht schaffen wenn man intellektuelle Defizite hat. Die geringe Ausbildungsdecke hemmt die Professionalisierung des Rettungsdienstes Maßgeblich. In anderen Ländern kann man Paramedics Dinge wie simple Ultraschallgeräte zum Erkennen von Flüssigkeit im Bauchraum, anvertrauen, sie Luftröhrenschnitte oder Kardioversionen durchführen oder mit Nadeln Pneumothoraxe entlasten lassen. Bei unseren niedrigen Anforderungen mit 160h für den Rettungssanitäter und 160+480h für den Notfallsanitäter (ohne Notfallkompetenzen) geht das einfach nicht. Zum vergleich, der NFS in Deutschland hat alleine 790h Pflichtpraktika in Krankenhäusern, die Ausbildung dauert 3 Jahre.
Obwohl es in Österreich einen großen Ärztevorbehalt gibt kümmern sich diese imo recht wenig um die präklinische Notfallmedizin, wobei das auf der ganzen Welt so ist. Der Notarzt ist bei uns ein Weiterbildungsdiplom, kein eigener Facharzt. Das sind gerade mal 80 Unterrichtseinheiten und 20 Einsätze plus Prüfung. Das es überhaupt Lehrstühle für Notfallmedizin gibt ist eine neuheit bei uns. Das Problem dabei, Forschung kann der Rettungsdienst selbst besser ausgebildet nicht übernehmen. Nur Arzt mit Ph.d hat die Grundlagen hier etwas weiter zu bringen.
Was gilt es meiner Meinung nach zu tun? Soweit ich das sehe sollte sich Österreich vom Notarztsystem lösen, weil es halt nicht praktikabel ist. Stattdessen sollte die Notfallversorgung im ganzen Land und rund um die Uhr durch Menschen mit einem BA in Sanitätswesen abgewickelt werden (Cool wäre es wenn die Crew aus einem oder zwei solcher NFS plus einen RS als Fahrer bestehen könnte, evtl. einen Krankenpfleger anstelle des zweiten NFS). Das SanG ist darauf anzupassen. Welche Organisation das abwickelt ist imo weniger wichtig. Ich präferiere das es wie die Feuerwehr als Teil der staatlichen Daseinsvorsorge angesehen wird. Third Service wie in Wien wäre imo Gewinnorientierten oder Freiwilligenorganisationen vorzuziehen. Dazu gehört auch das die Sozialversicherungen anerkennen das eine hochwertige präklinische Notfallmedizin im Wohle des Patienten ist und das sie die Einsätze auch bezahlen.
Wird das passieren. Ich denke nicht. Politisch wäre diese Reform nicht nur schwer weil man auf einmal sehr viele Sanitäter und Infrastruktur braucht, noch dazu teuer. Mehr noch, man legt sich mit den Freiwilligenorganisationen an. Wenn der Österreicher eines weiß, dann das Leute die kein Geld verdienen immer Recht haben. Dieser Umbau würde riesigen Teilen des RKs seine Existenzberechtigung nehmen und die würden das nicht mit sich machen lassen.
Ich lass mal ein paar Artikel hier:
[https://materie.at/d/rettung/](https://materie.at/d/rettung/)
(ACHTUNG: Das Impressum gibt den “NEOS Parlamentsklub” als Herausgeber von [materie.at](https://materie.at) an. Ich kannte das nicht und hab nichts mit den NEOS zu tun. Die drei Artikel sind aber wirklich ernsthaft gut.)
Und der Rettungsdienst in Österreich basiert rechtlich zT. immernoch auf folgendem Gesetz:
[https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=10010157](https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=10010157)
“Reichssanitätsgesetz von 1870”. Kein Scherz, kein Witz. Ganz Ernst.