
Kurz vorweg a paar Dinge:
Persönlich bin ich jemand, der politisch weit links steht. Die Bierpartei war mir bei der letzten NRW ziemlich suspekt, allerdings ist mir Wlazny während der Pandemie sehr positiv aufgefallen. Ich finde auch, dass Armin Wolf ein wirklich guter und kritischer Nachrichtensprecher ist, gleichzeitig würd ich mich ziemlich anscheißen, wenn ich ihm bei der ZiB gegenüber sitzen würde. Gegen den ORF habe ich auch nichts, ich finde nur, dass es bessere Wege gibt, die GIS einzutreiben. Ich finde, dass Van der Bellen (VdB im restlichen Text) einen wahnsinnig guten Job als Bundespräsident geleistet hat und uns durch viele Krisen hindurch gut repräsentiert hat. Gleichzeitig hab ich eine starke Abneigung gegen die 5 rechten Kandidaten aus Gründen, die ich hier glaub ich nicht ausführen muss. Ich habe tatsächlich Unmut gegen die Bundesgrünen gesammelt, sehe die Grünen allgemein aber immer noch als wichtig Partei in unserem vergleichsweise sehr parteikargen Österreich.
**Zum Interview allgemein**
Mir hats am Anfang ein bisschen die Miene verzogen, wie Wlazny schon eher unvorbereitet wirkend ins Interview eingestiegen ist, hat mich leider ein bisschen an mich bei einer Prüfung, für die ich erst am Vorabend begonnen habe zu lernen, erinnert. Generell auch das stockende Beantworten der zweiten Frage (ob er sich als besseres Staatsoberhaupt als VdB sieht) ist – nett gesagt – eher schlechte Publicity für ihn. Es hat so gewirkt, als habe er sich die Frage noch nicht selber gestellt. Die Art, wie er zuerst seine bisherige Leistung/Erfahrung beschrieben hat, deutet (achtung, nur meine Einschätzung) eventuell daraufhin, dass er sich eher als Alternative zu VdB sieht.
**Ibiza und Unterschiede zu VdB**
Die Ibiza-Frage vom Herrn Wolf war meiner Meinung nach dann der Wendepunkt. Er fragt Wlazny, wie er in der Situation gehandelt hätte, Wlazny darauf: “Ähnlich wie der Amtsinhaber (VdB)”, woraufhin Wolf ihn fragt, warum man ihn dann überhaupt brauche. Ich hab die Stelle beim Schreiben nochmal abspielen müssen, weil ich hier den Sinn der Frage nicht ganz nachvollziehen kann. Nur, weil man manche Dinge (die meiner Meinung nach sogar das bare minimum für einen Präsidenten sind) genauso machen würde, ist man nicht gleich ein überflüssiger Kandidat (wie es Wolf auf Wlaznys Antwort präsentiert hat) und es heißt nicht, dass man andere Aspekte anders angeht. Auf rechter Seite könnte man sich genauso fragen, warum wir zig Rechtspopulisten antreten lassen müssen. Wlazny beschreibt es sehr gut als “Inhaltliche Überschneidungen”.
**Unabhängigkeit**
Das war mmn eine gute Antwort von Wlazny. Während Wolf zurecht hervorhebt, dass Wlazny sehr wohl (ein nicht unwesentlicher) Teil der Bierpartei ist, kann man die Bierpartei als klein genug betrachten, um Wlazny jetzt keine Zugehörigkeit ähnlich anderer Politiker zu den “Big 5” (SPÖ, ÖVP, FPÖ, Grüne, NEOS) anrechnen kann. VdB ist zwar kein Grüner mehr, war allerdings lang genug ein zentrales Mitglied. Trotzdem rechne ich ihm an, dass ich (zumindest subjektiv) bei VdB keine “nettere” Behandlung der Grünen gesehen habe, maximal eine Abneigung gegen rechte Politiker. Auch wenn die Grünen erst nach Pilz Absturz wieder was gerissen haben, würde ich sie trotzdem zu den größeren Parteien zählen, wo sie sich wieder dafangen haben. Dennoch umschreibt Wlazny es korrekt, dass ein Vergleich Grüne-Bier rüberkommt wie Melonen-Erbsen.
**Der Eignungstest**
Wolf fragt Wlazny, ob er so einen Test bestehen würde. Hier antwortet Wlazny erstaunlich ehrlich mit “das würde man sehen” und suggeriert, dass es hier nicht nur um seine persönlichen Kriterien geht. Das Wolf Wlazny bei der genauen Beschreibung ins Wort fällt, wie Wlazny versucht zu erklären, wie er sich den Test vorstellt. Wolf fragt, warum nicht für Bundespräsidentschaftskandidaten, Wlazny antwortet: “auch darüber können wir reden”, stellt aber klar, dass die angesprochene Forderung sich auf MinisterInnen bezieht (wie Wolf mit ziemlicher Sicherheit schon selbst beim Recherchieren herausgefunden hat). Quasi als würde man fordern, Schulen mehr Budget zu geben und man wird gefragt, warum man nicht auch dem medizinischen Sektor stützt. Beides wichtig, hier gehts aber um die Schulen. Das eine schließt (weitere finanzielle oder wirtschaftliche Faktoren mal beiseite) aber nicht das andere aus, tatsächlich überrascht es mich, dass Wolf sich hier in whataboutism verstrickt. Wlazny stellt auch klar, dass der Sinn seiner Kandidatur auch Diskussionsanregung ist.
Wolf fragt daraufhin, wer von den aktuellen MinisterInnen den Test nicht bestehen würde, komplett an der Situation vorbei, mmn. Wlazny betont stets, dass er sich für den Diskurs dieser Notwendigkeit einsetzt, nicht, dass er den Test selbst verfasst, damit unterstreicht er nochmal, dass der Test unabhängig gestaltet werden solle. Er beschreibt sehr gut, was er sich vorstellt: eine unabhängige Kommission. Würde ich eventuell mit einer Art Bewerbungsgespräch vergleichen. Man schaut, ob ein/e von der gewählten Partei vorgeschlagene/r Minister/in die Kompetenzen für sein/ihr Amt auch besitzt bzw. dieses auch angemessen repräsentiert. Das ist nicht sehr unwesentlich nach dem hin- und her bei den ÖVPlern der letzten Jahre. Dass zB. der Skandal mit Aschbacher erst tief in der aktuellen Amtsperiode aufgefallen ist, zeigt, wie wenig Kompetenz für einen Ministerposten eine Rolle spielt. Vergleicht man das jetzt mit dem/der Durschnittsbürger/in, der/die für die Jobsuche mehrere sehr umständliche und teils veraltete Bewerbungsprozesse für teils wirklich schlecht bezahlte Jobs (Verkauf, Gastro, Pflege, …) oder sogar noch ein zeit- und geldaufwändiges Studium absolvieren muss. Warum sollte es jemand, der/die das Land großflächig beeinflusst leichter haben als die Putzkraft oder der/die Verkäufer/in ohne der/die wir relativ rasch als Gesellschaft eingehen würden.
Wolf erklärt, dass die Wahl der MinisterInnen dem/der Kanzler/in obliegt, allerdings spricht das nicht gegen Eignungstests. Das wäre sogar eine effiziente Methode, Freunderlwirtschaft in einer Partei (und da blinzle ich allen 5 zu) bei der MinisterInnenwahl einzuschränken. Wenn ich mir überlege, was für Personen die ÖVP ernannt hat, die im Endeffekt nur im Parlament sitzen (wenn sie überhaupt erscheinen) und nicht wirklich aufmerksam wirken (nochmal: subjektive Meinung), ist die Idee für einen Eignungstest nicht einmal so unlogisch. Weiters fordert Wlazny Transparenz bei diesem Eignungstest.
Die Folgefrage von Wolf (welche/r Minister/in wäre bei so einem Test aufgeflogen) gibt mir ehrlich gesagt, das Gefühl, dass Wolf Wlazny nicht zugehört hat. Speziell weil er “**ihren** Eignungstest” sagt. Wlazny hat mehrmals erklärt, dass er den Test nicht selber nach eigenen Maßstäben zusammenstellen will, sondern dafür eine Kommission anfordern würde. Ob diese Kommission nun nach seinen Richtwerten zusammengestellt werden würde, ist eine andere Frage, die Wolf komischerweise nicht stellt (komischerweise im Sinne von: Das hätt ich mir eher von ihm erwartet, und nicht “verschwörerisch”-gotchamäßig). Allerdings ist die Beauftragung solcher Kommissionen nicht unüblich für einen Bundespräsidenten, wenn man an VdB und die Zwischenregierung zurückdenkt.
Die darauffolgende Kritik an Karner ist berechtigt, wenn auch ich es als riskant ansehe, es im Interview aufzubringen und die Frage von Wolf nicht als “irrelevant” oder eben wie die vorherigen Fragen mit Klarstellung zu beantworten, ist es dennoch unabhängig vom Wahlkampf gut, dass man Karner mehr Kritik zukommen lässt. Hier sehe ich Wlaznys Reaktion als eine ergriffene Chance, nochmal klarzumachen, was Karner eigentlich bereits für bedenkliche Züge hat. Wolf spielt daraufhin (am selben Tag, an dem eine Faschistin in Italien gewählt wurde) den schwerwiegenden Faktor, dass Karner ein Dollfussmuseum besitzt, als “Museum, das Ihnen nicht gefällt” runter. Der Austrofaschismus ist ein unbehandeltes und schwer problematisches Thema, das für mich als Sozialisten (nicht Marxist-Leninist/Stalinist (kurz Tankie), miss me with that shit) nach wie vor eine große Gefahr für Österreich darstellt, vorallem im Innenministerium (die Aufarbeitung des Austrofaschismus ist allerdings ein anderes Thema, auf das ich jetzt hier nicht zu sehr eingehen möchte). Bei Karner geht es nicht nur darum, sondern auch um autokratische Aussagen wie in dessen Interview mit Wolf, wo er sich über die Entscheidungen des obersten Gerichtshofes stellt, für mich ein lautes Warnsignal. Außerdem betont Wlazny, dass er sehr wohl mit einer vom Volk gewählten Koalition mitgehen würde. “Konkreter, glaub ich, wird es nicht” folgt abschließend zu dem Segment von Wolf, was meiner Meinung ein wahnsinnig unhöfliches Statement (egal ob links, rechts oder mitte) von ihm ist. Wlazny hat sehr genau seine Position erklärt, Wolf stellt es so da, als ob das ganze null Aussage hätte.
**Der Joint…**
Hier geht es darum, dass Wlazny als Marco Pogo in seinen “Bierismus” aufgeführt hat, Gras zu konsumieren (“Gras zum Bier, gönn es dir”). In einem Satirevideo. Wolf stellt das als “offenen Aufruf zum Gesetzesbruch” da, was (mmn) eine ziemlich gezielte Fehldarstellung von Wlazny ist und beinahe schon (hier lass ich mir meinetwegen gerne einen Aluhut aufsetzen) einer Schmutzaktion gleicht. Wlazny stellt hier klar, dass das unabhängig von ihm als Kandidate eben als sein satirischer Charakter gepostet wurde, er diese Aussage als Kandidat also nicht unterzeichnet. Zusätzlich antwortet Wlazny ehrlich, dass er als Marco Pogo so etwas im Kontext der Satire/Kunst noch posten würde, nicht aber als Präsidentschaftskandidat.
**Der zweite Joint…**
Und hier bemerke ich persönlich, wie subjektiv Wolf mit den Kandidaten umgeht. Die Frage ist, ob Wlazny Gras konsumiert hat. Hier hat Wlazny mmn nach nicht gut reagiert und ehrlich zugegeben ein oder zwei Joints konsumiert zu haben, kurz nachdem er abgestritten hat, illegale Drogen zu konsumieren. Spannend finde ich aber, dass man diese Kritik bei VdB nicht sieht, obwohl er [Cannabis nicht als Droge sieht](https://www.derstandard.at/story/1037495/van-der-bellen-cannabis-ist-keine-droge) und [sogar den Konsum zugegeben hat](https://kurier.at/politik/inland/van-der-bellen-ueber-marihuana-ich-kann-mich-vage-erinnern/180.475.222). Die Frage (und hier mach ich mich des whataboutisms schuldig) ist jedoch: was soll man auf so eine Frage antworten, wenn man in den Niederlanden oder in den USA (im entsprechenden Staat) als Tourist Gras konsumiert hat. Ist es dann noch ein Gesetzesbruch? Außerdem finde ich es generell erstaunlich, wie schwer Kifferei im Vergleich zu rechtsradikalen Aktionen oder Wiederbetätigung gewichtet wird.
**Wahlversprechen**
Wolf spricht die Wahlplakate von Wlazny an und meint, der Bundespräsident wäre nicht für “einen Beitrag im Kampf gegen die Sicherheitskrise, die Gesundheitskrise, die Energiekrise und die drohende Pflegekrise” zuständig. Wlazny stellt hier klar, dass er dies anders sieht, seine Vorgehensweise aber nicht über die Befugnisse eines Bundespräsidenten hinausgehen und er mit moralischen Leitbild vorgehen möchte, um wichtige Themen auch einmal in den Raum zu stellen. Wolf meint: “Ein Bundespräsident als Kommentator der Innenpolitik”. Hier stellt sich mir die Frage, was Wolf eigentlich in einem Bundespräsidenten sieht. Indirekt sind Statements (die auch VdB gottseidank geteilt hat) auch Kommentare an verschiedenen Bereichen in der Politik. Warum sollte man von jemanden repräsentiert werden wollen, der aber nicht die Vorgänge im eigenen Land kommentieren darf/soll, gleichzeitig aber das Gewicht der angelobten Regierung mitträgt? Wlazny erklärt, dass er vorallem Themen vorbringen will, die seiner Meinung nach nicht genug diskutiert werden. Das ist, mmn, Repräsentation – vorausgesetzt er würde das dann auch neutral umsetzen. Wolf kontert, Themen würden jeden Tag diskutiert werden: was nicht wirklich stimmt, zumindest auf einer Ebene, die die aktuelle Bundesregierung ernst nimmt. Ein Bundespräsident hätte hierbei mehr Gewicht als die Menschen, die eine Partei bereits als “die wählen uns eh nicht” abgeschrieben hat.
Angebliche Abwesenheit im Bezirksparlament
Wolf spricht an, dass eine Kollegin behauptet, Wlazny sei oft abwesend bei den Sitzungen. Wlazny stellt das klar und erklärt, er wäre nur einmal abwesend gewesen, weil er zu dem Zeitpunkt im Ausland gewesen sei. Abgesehen davon, dass Wolf hier (wie es scheint) rein auf dem Gemunkel einer fremden Partei (zu meiner Schande die SPÖ) basierend Wlazny diskreditiert. Zwar mag es stimmen, dass Wlazny nicht zu den Abstimmungen erscheit, er sehr wohl aber bei den Sitzungen, wo er etwas beiträgt, anwesend ist (laut eigener Aussage), und sich dort aktive einbringt. Hier schäumt es mir doch ein bisschen. Wer ab und an die Parlamentssitzungen im ORF3 sieht, merkt, dass das Parlament oft genug leer ist (auch hier parteiunabhängig) und selbst wenn wer da ist, herrscht dort ein absoluter Kindergarten, wo während Reden Leute herummarschieren oder am Handy spielen (das schließt nicht einmal MinisterInnen oder Kanzler aus). Würde ein Arbeiter sowas abziehen, hätte er am nächsten Tag die Kündigung.
Wolf ignoriert jedenfalls Wlaznys Erklärung, dass er sehr wohl zu Sitzungen geht, wo er sich beteiligen kann und stellt in den Raum, dass er als potentieller Bundespräsident nicht erscheinen würde, weil er ja nur “reden kann”, ein Widerspruch zu dem, was Wlazny wenige Sekunden davor klargestellt hat und ein paar Fragen vorher bereits gesagt hat. Das war für mich persönlich der Punkt, wo es mir bei Wolf ein paar Schuppen von den Augen geworfen hat.
**Energiekrise**
Hier hab ich nicht viel zu sagen. Da geb ich Wolf sogar recht, dass Wlazny hier im Amt des Bundespräsidenten nicht viel verändern könnte, weil dieser Diskurs sowieso geführt (und zuvor auch von VdB gestützt) wurde.
**Tina**
Wolf stellt hier infrage, was Wlazny besser als VdB gemacht hätte und führt ein ungerechtfertigtes Extrembeispiel als Möglichkeit auf: “sich vor den Polizeikonvoi” werfen und versucht hier wieder Wlazny zu diskreditieren. Wlazny übernimmt die Frage allerdings sehr gut und erklärt, dass er sowohl bei der Abschiebung anwesend war und “extreme” Aktionen natürlich kritisiert. Wlazny zeigt jedoch mehr Einsatz als VdB. Ich finde es gut, dass sich VdB damals gegen die Abschiebung gestellt hat, aber wirklich aktive Kritik abgesehen von einem 0815 Statement kam da nicht viel, ähnlich wie beim Suizid der Frau Dr. Kellermayr (bei der er noch dazu die Schwere des Falles runtergespielt hat (“[hat sich entschieden, nicht mehr weiterleben zu wollen](https://twitter.com/vanderbellen/status/1553058579581648898?lang=en)”)). Ob jetzt Wlazny wirklich mehr als das auf den Tisch legt, würden wir erst wissen, sollte er tatsächlich gewählt werden, aber seine zeitnaheren Aktionen sprechen zumindest dafür. Hier soll jedoch gesagt sein, dass auch VdB in der Vergangenheit ein Aktivist war und natürlich auch sein Alter eine Rolle dabei spielt, ob er an solchen Aktionen noch teilnehmen kann. Da kann man sich dann aber auch fragen, ob ein Schichtwechsel nicht sogar angebracht wäre. Die Anschuldigung, dass Wlazny sich mit der Kritik über rechtskräftige Entscheidungen stellen würde, die aber mittlerweile wiederum widerlegt wurden, ist eine maßlose Übertreibung.
**Stimmen**
Wolf bringt einen talking point, der von vorallem Grünen Gruppen verbreitet wird auf: Wlazny kostet VdB linke Stimmen. Ja und? Ist “leider” so in einer Demokratie, warum sollte jetzt plötzlich nur ein Kandidat pro Flügel antreten sollen? Das ist Panikmache und führt eher zur Spaltung als mehrere Kandidaten. Eine Freundin von mir hat es so ausgedrückt: “\[Wlazny\] fängt gleichzeitig auch die linken WählerInnen auf, die mit VdB unzufrieden sind”. Mit derselben Begründung könnten wir auch die Existenz mehrerer Parteien (ich reden von den “Big 5”) in Frage stellen. Zum Beispiel nach Schwarz-Blau, wo die grünen Stimmen vielleicht eher bei der SPÖ (oder vice versa) gebraucht würden. Warum sind mehrere rechte Kandidaten in Ordnung, aber zwei linke einer zuviel (persönlich freuts mich ja, dass sie die Stimmen bei den Rechten verteilen). Und dann kommt VdB halt in die Stichwahl. Wird ers halt wieder schaffen. Aber wenn sich die Grünen so sehr vor Wlazny fürchten, sollten sie vielleicht den Wahlkampf auch auf die Zielgruppe Wlaznys anpassen. Dass Wolf Wlazny auch direkt reinredet und falsche Worte in den Mund legt, ist auch schwer bedenklich (“Ich hab nichts von Stimmen stehlen gesagt” Naja, Stimmen kosten/Stimmen stehlen ist im offensichtlichen Kontext ein Synonym.) Dass Wlazny jetzt die Möglichkeit einer Stichwahl in die Schuhe geschoben wird, ist wahnsinnig vorlaut und meiner Meinung nach eher demokratiefeindlich als ein Musiker, der zur Wahl antritt. Wlazny drückt das richtig aus: WählerInnen geben dem Kandidaten die Stimme, den sie am geeignetsten finden.
Letztendlich möchte ich sagen, dass ich jetzt das erste Mal Wolf auf der “Gegenseite” erlebt habe und – so sehr mir bei dem Gedanken das Speiben kommt – ich langsam verstehe, warum sich Rechte (oft natürlich mit guten Gründen) vom ORF im Stich gelassen fühlen. Das heißt nicht, dass Wolf die Positionen jeder Partei/jedes Kandidaten vertreten muss, aber zumindest das Gegenüber (und das kann auch der Lugner sein) ernst nehmen sollte.
19 comments
Puh, echt viel zu lesen, aber ich finds auch gut von dir zusammengefasst.
Wolf war (wie üblich) sehr hart. Der Vergleich mit VdB war schwer fürn Wlazny, aber irgendwo berechtigt. Wenn ich 2 Kandidaten habe, die in etwa den gleichen Inhalt haben und der altgediente ich glaub der allgemeinen Meinung nach gute Dienste erwiesen hat, warum auf was Neues umsteigen?
Die Frage ob Gras konsumiert wurde war bissl zu tief für mich. Dann müsste er ab jetzt jeden fragen ob er schon mal eine Straftat verübt hat, Gras oder andere Drogen konsumiert hat.
Das mit den fehlen bei Ausschüssen hab ich so gesehen. Der Bundespräsident hat wenig wichtige Kompetenzen, kaum Stimmrechte. Kann nur anregen, was Wlazny auch tun möchte. Dann sagt er aber bei Ausschüssen, wo er dabei sein darf und auch anregen kann, sitzt er nicht drinnen weil er kein Stimmrecht hat.
Ist natürlich alles nur meine Meinung, freu mich aber auch auf andere Ansichten zu den Themen!
Es hätte eigentlich der letzte Absatz gereicht. Sorry aber das Interview war größtenteils ein Bauchfleck. Es gibt keine Notwendigkeit das schönzureden und am meisten wird sich der wlazny darüber selbst ärgern.
Meine Stimme hat er trotzdem, weil das Interview und die Inhalte komplett irrelevant sind für eine BP Wahl. Dem noch eins draufgesetzt ist meine Stimme fürn wlazny zur BP Wahl auch komplett irrelevant weil er das bei dieser Wahl nie schaffen wird. Das ist absolut jedem klar, auch wenn ers ned zugibt.
Aber es is gute PR und die schenk ich ihm mit meiner Stimme, weil ich an ihn glaub.
Interessanter Text. Da möcht no bei 2 Dingen einhaken:
>Dass Wolf Wlazny auch direkt reinredet und falsche Worte in den Mund legt, ist auch schwer bedenklich (“Ich hab nichts von Stimmen stehlen gesagt” Naja, Stimmen kosten/Stimmen stehlen ist im offensichtlichen Kontext ein Synonym.)
Sowas von this! Wolf hat es Stimmen kosten als Prämisse für a Frage nach der Stichwahl in den Raum gestellt. Kurz drauf will er des nit erwähnt haben und unterbricht die Antwort sehr schnell und relativ forsch deswegen. Is einfach ungut, wenn sehr wohl auf die Frage eingegangen und die Antwort dann sofort unterbrochen wird. Wlazny hätt des vl erwähnen sollen, aber wie du schon gesagt hast, war er recht unvorbereitet.
Grundsätzlich find i die Frage ja auch komisch. Warum sollt Wlazny es nit gut finden, dass VdB in eine Stichwahl kommt? Anders kann er selbst realistischerweise nit BP werden. Zu sagen, dass er a Stichwahl vermeiden will heißt ja sowas wie “wählts mi bitte nit”.
>Hier geht es darum, dass Wlazny als Marco Pogo in seinen “Bierismus” aufgeführt hat, Gras zu konsumieren (“Gras zum Bier, gönn es dir”). In einem Satirevideo.
Da könnt ma Wolf fehlende Quellenwürdigung vorwerfen. Was an einem damaligen Satiriker und Musiker, der an Witz macht, so skandalös sein soll, versteh i nit ganz. Context matters! Wlazny tritt ja nit als Marco Pogo an.
Staudinger als rechts zu bezeichnen ist ja wohl komplett lächerlich (oder ist VDB gemeint?).
Wlazny kandidiert ja auch nicht wirklich zur BP Wahl, sondern bringt sich in Stellung in den NR einzuziehen. Das ist gute publicity, und wenn die anderen Rosenkranz, Brunner oder Grosz heißen, wirkt man schon by default staatsmännisch.
Ich bin halt gespannt, wie viele aus dem VdB Lage zu Wlazny gehen weil “eh egal, wirds eh ned” usw. So verpasst VdB vermutlich die 50% und wir dürfen mal wieder in eine Stichwahl gehen wo sich die ganzen rechten vereinen und wir, mal wieder, zittern dürfen.
Schade, dass er Wolf nicht gefragt hat, welches Gesetz man beim bloßen Konsum von Cannabis seiner Meinung nach bricht.
ich glaub persönlich dass es ihm niemals um das Amt des BP geht. Er ist auch wenn er es öffentlich nie zugeben würde mit dem aktuelle BP sehr zufrieden.
Das ganze ist unglaublich gute PR für die BierPartei. Nicht für seine Musik, die spricht für sich. Bei der nächsten Nationalratswahl kennt man ihn dann schon und weis welche Werte er vertritt und kann glaub ich realistisch gesehen die 5% Hürde ins Auge fassen.
Auserdem wärs ja mal die Blamage schlechthin für die FPÖ wenn er am Wahltag vor dem Rosenkranz ins Ziel kommt.
>Letztendlich möchte ich sagen, dass ich jetzt das erste Mal Wolf auf der “Gegenseite” erlebt habe und – so sehr mir bei dem Gedanken das Speiben kommt – ich langsam verstehe, warum sich Rechte (oft natürlich mit guten Gründen) vom ORF im Stich gelassen fühlen. Das heißt nicht, dass Wolf die Positionen jeder Partei/jedes Kandidaten vertreten muss, aber zumindest das Gegenüber (und das kann auch der Lugner sein) ernst nehmen sollte.
Also bitte. Wir sprechen hier von einem erwachsenen Mann, der sich für einen Job bewirbt, bei dem er ab Tag eins am internationalen Parkett mit erfahrenen Staatsmännern zu tun hat. Also wenn ich mich vor diesen Fragen fürchte (die übrigens nur zeigen, dass Wolf prinzipiell seine Interviewpartner aus der Reserve locken will und eben nicht parteiisch agiert), dann hab ich aber nichts verloren an einem Tisch mit den Staatsoberhäuptern der Welt.
Ganz ehrlich, ich mache Norbert Hofer dafür verantwortlich, dass wir seit seiner Kandidatur völlig realitätsfremde Diskussionen über die Amtsführung eines BP haben. Der BP so wie ihn die Verfassung vorsieht (bzw. das Amt in den letzten Jahrzehnten mit Erfolg für Österreich ausgeführt wurde) ist ein ausführendes Organ der Verfassung, ein Repräsentant und ein Symbol für Konsens. Und seit dieser unsägliche Grinse-Hofer angefangen hat mit “Ich würde die Regierung entlassen” kriechen jetzt aus allen Löchern dubiose Kandidaten hervor, die meinen, wie sie nicht in diesem oder jenem innenpolitischen Thema gehandelt hätten.
Ich mag den Pogo eh. Ich halte in für klug, sympathisch und menschlich voll in Ordnung. Perfekt geeignet für ein Amt in der Legislative, dem eigentlich wichtigsten Organ unserer Demokratie. Aber sorry, es gibt nicht ein Argument, warum er ein besserer Bundespräsident wäre, als der Amtsinhaber.
Ein random Redditor hat mehr gesagt als Wlazny in 15 Minuten. Das Interview war zwar ehrlich aber absolut null aussagend. Wolf hat am Anfang mit seiner Einstiegsfrage klar gemacht wo es hingeht: Wieso sind Sie besser als der VdB, weil sind wir uns ehrlich 90 % der Leute sehen die Überschneidungen und denken sich “Ajo der VdB in jung”. (Bitte denkts außerhalb der Reddit Bubble)
Wieso man so etwas sinnvolles wie den angesprochenen Eignungstest via externer Kommission nicht im Detail anreist als Kandidat, wenn einem das Thema eh schon auf dem Silbertablett präsentiert wird … versteh ich dann auch nicht.
Guter kommentar!
Gut zusammengefasst – danke!
Möcht nur sagen für wiederbetätigung gehst halt straight into hefn ga 😅
Sonst aber guter kommentar! Generell ist das grad wirklich keine Art wie da mit Leuten umgegangen wird.
Du hast eine stark ausgeprägte wie/als-Schwäche, das macht den Text sehr unangenehm zu lesen.
Ansonsten teile ich viele deiner Aussagen.
Beim Armin Wolf hab ich das Gefühl, dass er nicht wirklich mit ehrliche Politiker umgehen kann. Er braucht irgendeine Angriffsfläche. Wenn man seine Karten zu offen legt, kann es gern passieren, dass man einen Schlag unter der Gürtellinie kassiert.
Hervorragender Kommentar, OP!
Aus meiner Sicht wären die meisten Fragen von Wolf zum aus der Reserve locken. Man hätte alle davon souverän, selbstbewußt und offen beantworten können (und sollen). Ich war ehrlich ein wenig baff, wie wenig Antworten da kamen.
Auf die Frage wegen den Stimmen hätte es ein “ja, das würde ich bedauern, aber so funktioniert nun mal unsere Demokratie” antworten können.
Auf die Frage wegen “warum wählen”, das war ja so eine offene Einstiegsfrage, die MUSS man souverän als Kandidat beantworten können. Mit “ja, dort hätten wir den gleiche Kurs gehabt, aber bei X, Y, Z würde ich anders agieren”.
Unwürdig und unter der Gürtellinie fand ich eigentlich nur die Nachfrage “ein zweites Mal auch?” beim Joint Thema.
Beim Thema selbst hätte man sehr gut kontern könnte mit “sie verstehen sicher selbst, das war ein ironischer, nicht ernst gemeinter Slogan meines Alter Egos, natürlich kein ernst gemeinter Aufruf zu einer Straftat”.
Mit ist aber auch völlig klar, dass sich das alles in der Ruhe vor der Tastatur ganz anders darstellt, als wenn man Wolf live gegenüber sitzt und spontan reagieren muss. Da haben die anderen Politiker leider halt die besseren Trainings.
>Letztendlich möchte ich sagen, dass ich jetzt das erste Mal Wolf auf der “Gegenseite” erlebt habe und – so sehr mir bei dem Gedanken das Speiben kommt – ich langsam verstehe, warum sich Rechte (oft natürlich mit guten Gründen) vom ORF im Stich gelassen fühlen.
Für mich persönlich hat der ORF seinen seinen auch noch so propagierten “Unabhängigen-Journalismus-Status” vor einigen jahren verloren, wo sie nach einer Wahl (weiss jetzt nicht mehr welche das war) die Parteien-Partys besucht haben und Besucher interviewt haben. Bei der SPÖ ein wohl gekleideter junger Mann (mit stylischem Schal, Frisur usw), sofort darauf ins FPÖ-Lager gewechselt, wo ein betrunkener tattoowierter Skinhead vor der Kamera stand. Ich bin weder SPÖ, noch FPÖ-Fan, aber sowas als Staatssender zu machen finde ich eine Unverschämtheit. Ähnlich ist die Situation aktuell mit VdB. Wenn er interviewt wird, wird Smalltalk geredet. Alle anderen Kandidaten stellen sich dem Wolf der nur nach Fehlern in der Vergangenheit sucht, zu denen er möglichst peinlich für den Kandidaten nachhaken kann. Wer da noch an Unabhängigkeit glaubt, dem ist nicht mehr zu helfen.
So viele Buchstaben!
Ich hatte vor, Wlazny zu wählen.
Das Wolf-Interview hat mich eher an einen Schulsprecher-Anwärter, der eh nur Stellvertreter werden will, erinnert.
Ungeeignet fürs internationale Parkett.
Sorry.
Danke pogo, jetzt geh ich halt erst zur Stichwahl wählen.
Da Wolf stellt unbequeme fragen ohne auf die guten Leistungen des Befragten richtig einzugehen.
Das ist auch gut so, was Politiker gut machen sagen sie uns selbst.
Ein guter Journalist findet und bohrt in die unangenehme Kerbe.
Sowas Findet man nicht immer toll aber wenn man den eigenen Support fur den betroffenen ausblendet kommt man drauf, dass er echt gut ist in seinem Job.