
Wer kennt’s nicht: Mein Zug ist zu spät und ich möchte für die entstandenen Unannehmlichkeiten meine rechtmäßig zustehende Entschädigung.
Also gehe ich auf http://www.oebb.at/fahrgastrechte und bekomme in drei verschiedenen Blöcken erklärt, dass ich entweder bis Mitte 2022 oder bis Ende September 2022 warten soll, weil erst dann die Lösung freigeschalten wird. Aber eigentlich geht das ja auch alles super einfach und automatisch und ich brauch mir keine weiteren Gedanken drum machen.
>Da allfällige Entschädigungsbeträge erst am Ende der Laufzeit Ihres Klimaticket Ö mit einer einmaligen Auszahlung überwiesen werden, haben Sie als Kund:in keinen Nachteil daraus, dass die Anmeldung erst dann möglich sein wird.
Am besten wäre es, wenn ich meine Forderungen einfach vergesse.
Schau! Da hast du ein süßes Katzenbild.
Ah warte, ist es nicht inzwischen schon Oktober? Und habe ich mein Klimaticket nicht Ende Oktober gekauft und es läuft eh bald aus?
Vielleicht sollte ich mal dem ÖBB Kundenservice schreiben.
Ok wenigstens antworten sie schnell:
>Vielen Dank für Ihre Rückmeldung.
>Bitte wenden Sie sich diesbezüglich direkt an die Kolleg:innen vom Klimaticket.
>Vielen Dank.
Äh Danke für nichts? Wieso soll das Klimaticket hierfür zuständig sein? Die hatten ja keine Verspätung, sondern das zuständige Eisenbahnunternehmen.
Also noch mal im [Handbuch für Reisen mit den ÖBB in Österreich](https://www.oebb.at/static/tarife/de/handbuch_fuer_reisen_mit_der_oebb_in_oesterreich/index_15_06_2022.html) nachlesen:
> A.5.4.1.1. Wir garantieren Ihnen, dass der monatliche Gesamtpünktlichkeitsgrad aller unserer mit Ihrem Klimaticket Ö nutzbaren Züge zumindest 93% erreicht.[…]
> A.5.4.1.3. Sollten wir in einem Monat den Pünktlichkeitsgrad gemäß A.5.4.1.1. nicht erreichen, erhalten Sie von uns eine Entschädigung in der Höhe von 10 % des monatlichen Anteils der Entschädigungsbasis.[…]
93% klingt ja erstmal super, allerdings liegt der Teufel im “**aller unserer mit Ihrem Klimaticket Ö nutzbaren Züge**”. Denn das bedeutet, dass auch jede Fahrt im Personennahverkehr (selbst wenn die Fahrt zwischen zwei Stationen nur n paar 100m in der Stadt sind) in diese Statistik hinein zählt. Und während diese immer über 95% liegt, hat der Fernverkehr im Sommer regelmäßig Pünktlichkeiten nur knapp über 75% gehabt: https://www.oebb.at/de/rechtliches/puenktlichkeit/oesterreich
Das ist ja schon dreist. Bei normalen Tickets wären es 25% ab 60 min und 50% ab 120min. In Deutschland gibts bei der Bahncard 100 einfach pauschal 10€ pro verspäteter Fahrt zurück (bis zu 25% der Bahncardkosten). Und bei der ÖBB bekomme ich jetzt echt keine Erstattung für verspäteten Fernverkehrs Züge, weil der Personennahverkehr ja so toll pünktlich war?
Habt’s ihr irgendwelche heißen Tipps? Oder soll ich gleich einen Antrag bei der apf einreichen?
3 comments
Ich fands ja immer schon geil, dass Pünktlichkeit einfach willkürlich mit “bis zu 5 Minuten Verspätung” definiert wird. Wenn ich um zwei Minuten meinen Anschluss verpasse ist das ja soo viel besser, als wenn ich ihn um 6 Minuten verpasse…
Wie willst das machen? Da würde dann jeder fordern, auch wenn sein Stammzug (weiß ja keiner welcher das ist) immer pünktlich war.
Mittlerweile gibt es ein Online-Formular.
Unter [https://www.oebb.at/Fahrgastrechte](https://www.oebb.at/Fahrgastrechte) (mit grossem “F”) gibt’s einen Punkt KlimaTicket Ö.
Wie gut das dann weiter funktioniert, weiss ich nicht.