
Aus aktuellem Anlass: https://www.derstandard.at/story/2000141604871/warum-forschende-weiter-gegen-kettenvertraege-an-den-unis-kaempfen
Wer hat Erfahrung damit, was ist eure Meinung? Wer sitzt noch auf befristeten Stellen, wer hat’s hingeschmissen? Hat jemand gar eine unbefristete bekommen?
6 comments
Bei uns hats viele Abgänge gegeben … wegen der Allgemeinsituation auf der Uni. Soweit ich weiß, sind alle die gefragt haben auf unbefristet umgestellt worden. Ich gehe davon aus, dass man nicht noch mehr MitarbeiterInnen verlieren will.
Bin ehrlich gesagt überrascht, dass das bei Unis überhaupt derart pauschal erlaubt ist. Kettenarbeitsverträge sind bei normalen Arbeitsverträgen ja auch nur unter speziellen Voraussetzungen möglich.
MMn sind Kettenverträge etwas was wir nirgends erlauben sollten.
Bei Bildung/Wissenschaft würde ich sogar einen Schritt weiter gehen und denke das wir wieder Richtung Pragmatisierung gehen sollten. Die finanzielle Abhängigkeit führt nämlich leider dazu das man nicht mehr frei agieren kann.
Bei der Forschung geht es nur mehr darum möglichst viele Papers in kürzester Zeit zu publizieren. Sowohl wichtige als auch kritische Themen werden deshalb meist nicht mehr angegangen. Ein pragmatisierter Professor hingegen könnte es sich erlauben ein kritisches Thema anzugehen. Es wäre auch kein Problem wenn dieser einige Jahre lang kein Ergebnis vorweisen kann.
Beim Bildungsauftrag ist es ähnlich. Hierbei ist jedoch das Problem etwas trickreicher. Denn hierbei verlieren wir als Gesellschaft eine wichtige Korrekturmechanik. Wenn sich ein Professor gegen eine neue Vorgabe stemmt, sollte man davon ausgehen das dies aus gutem Grund geschieht.
Bei der Pragmatisierung kommt dann ja immer wieder das Gegenargument “Ja aber, dann arbeiten die ja nichts mehr und machen Dauerurlaub”. Bei einem BGE erachte ich dieses Argument für valide. Beim wissenschaftlichen Personal würde ich jedoch davon ausgehen das diese über einen überdurchschnittlich hohen Eigenantrieb verfügen. Zudem sollte man bedenken, das ein einziger wissenschaftlicher Durchbruch dutzende wenn nicht sogar hunderte Leute finanzieren kann. Unser jetziges System verhindert jedoch das diese Leute überhaupt an diesen Themen arbeiten können.
Zur Fluktuation: Es stimmt natürlich das neue Mitarbeiter durchaus belebend sein können. Dennoch handelt es sich bei diesem Absatz im Artikel nur um ein Schönreden. Einen belebenden Austausch könnte man auch anderes erreichen. Eine langfristige Perspektive sollte ein Grundsockel sein.
fuck that shit
Ich kenn einen – EINEN! – der es ohne Cheat mit 40(!) auf die tenure track geschafft hat. Das ist eine Trottelei sondergleichen.
Davor hat er insgesamt 4x Uni, und 3x das Land wechseln müssen. Du kannst dir in der jetzigen Situation keine Karriere aufbauen und gleichzeitig irgendetwas in Richtung Familienleben haben
Meine Frau hat es geschafft nach etwas über einem Jahr mit befristeten Vetrag einen Unbefristeten zu bekommen.
Allerdings nicht in derselben Abteilung in der sie bis jetzt war, da ihr Vertrag aber eh ausläuft war das für sie auch nicht weiter schlimm, eher eine glückliche Fügung.
Kettenverträge sind im akademischen Bereich extrem üblich, sind aber die reinste Lohnsklaverei in prekären Verhältnissen, da du oft nicht mal vorhersagen kannst, ob du nächstes Jahr noch eine Arbeitsstelle im selben Land hast. Die meisten, die ich kenne, waren schon an 2 oder mehr Unis in verschiedenen Ländern, bevor sie erstmals was Unbefristetes bekommen haben.