Das Gesundheitssystem ist generell (besonders was psychische Erkrankungen angeht) viel schlechter aufgestellt, als ich geglaubt habe. Von meinen eigenen Erfahrungen mal abgesehen, hat eine an Borderline leidende Freundin von mir echt das große Los gezogen:
Da in den Psychiatrien, auf denen sie bisher war, so starker Personalmangel herrscht, wurden die Gesprächstherapien von Studenten durchgeführt. Nachdem meine Freundin aber so starke und konkrete Suizidgedanken geäußert hat, mussten die Studenten zum Schutz ihrer eigenen psychischen Gesundheit (ist auch eine rechtliche Sache, mit der sich das Spital absichert, so wie ich das verstanden hab) die Gespräche mit ihr beenden.
Außerdem wurde die Station jetzt auch soweit verkleinert/geschlossen, dass sie jetzt entlassen werden hat müssen.
Wie so oft ist das nur die Spitze des Eisbergs der es in die Medien schafft. Es gibt in jedem Bundesland gesperrte Betten und ganze Stationen, außerdem gibt es viele (nötige) aber komplett fehlende Versorgungen, vor allem wenn man einen Schritt raus aus Wien macht. So wie die Dinge jetzt stehen, können wir die Gesundheitsversorgung nicht weiterbetreiben.
Einerseits gibt es allgemein nicht genug Leute die in dem Bereich arbeiten wollen und andererseits gibt es keine ausreichenden finanziellen Anreize um das System mit dem nötigen Budget auszustatten um das zu umgehen.
Die einzige realistische Lösung ist derzeit, dass der Krankenhaussektor schrumpft bis man die vorhandenen Kapazitäten auch tatsächlich betreiben kann.
Dieses willkürliche Herumschieben von Personal ist eine Zumutung für MitarbeiterInnen und PatientInnen. Wie es den KollegInnen geht die da von der Psych auf eine Kinderstation geschickt werden, kann ich mir gar nicht vorstellen, mir wird fast schlecht beim Gedanken daran was da alles an Spezialwissen und -fähigkeiten fehlt.
Aber eigentlich glaube ich den Teil gar nicht, weil man für den Kinderbereich die eine 1jährige Zusatzausbildung braucht und für den psychiatrischen Bereich die andere (weitere wären Intensiv- oder Anästhesiebereich).
Aber selbst von einer internen Fachrichtung auf eine andere ist nichts was man ohne massiven Qualitäts- und Kapazitätseinbußen hinbekommt.
Also nehmts brav eure Vitamine und ziehts euch warm an.
Das Witzige ist ja, dass “das System” drauf ausgelegt ist, auf eine Art zu leben, die den vollen psychischen Stress erzeugt. Es wird erwartet, dass die Leute unterbesetzt Kindergärten, Krankenhäuser, Schulen, Pflegeheime schmeißen, sich krank in die Arbeit schleppen, damit nichts zusammenbricht. Es wird erwartet, auch bei Infekten und Verletzungen nicht lange krank zu bleiben, sondern gesund oder krank sich mehr oder wenig selbst auszubeuten, auch wenn es einem schon schlecht geht. Notfalls auch mit systematischem Druck von ÖGK oder AMS.
Für die dadurch schwer Verletzten gibt es dann aber keine adäquate Hilfe, weil “zu wenig Ressourcen”.
Das ist ca. so, wie wenn du die ganze Gesellschaft systemtechnisch auf “Laufen und Springen” ausrichtest, sie also ständig zum Laufen und Springen drängst, und ihnen dann bei Abnützungserscheinungen, Verletzungen und Unfällen aber die Operationen, Reha und Physio streichst, oder sie monatelang auf Gips und Schmerzmittel warten lässt, weil du nicht die Versorgung, die dein System bräuchte, bereitstellen kannst.
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Diese Regierung mag die Bevölkerung nicht.
Das Gesundheitssystem ist generell (besonders was psychische Erkrankungen angeht) viel schlechter aufgestellt, als ich geglaubt habe. Von meinen eigenen Erfahrungen mal abgesehen, hat eine an Borderline leidende Freundin von mir echt das große Los gezogen:
Da in den Psychiatrien, auf denen sie bisher war, so starker Personalmangel herrscht, wurden die Gesprächstherapien von Studenten durchgeführt. Nachdem meine Freundin aber so starke und konkrete Suizidgedanken geäußert hat, mussten die Studenten zum Schutz ihrer eigenen psychischen Gesundheit (ist auch eine rechtliche Sache, mit der sich das Spital absichert, so wie ich das verstanden hab) die Gespräche mit ihr beenden.
Außerdem wurde die Station jetzt auch soweit verkleinert/geschlossen, dass sie jetzt entlassen werden hat müssen.
Wie so oft ist das nur die Spitze des Eisbergs der es in die Medien schafft. Es gibt in jedem Bundesland gesperrte Betten und ganze Stationen, außerdem gibt es viele (nötige) aber komplett fehlende Versorgungen, vor allem wenn man einen Schritt raus aus Wien macht. So wie die Dinge jetzt stehen, können wir die Gesundheitsversorgung nicht weiterbetreiben.
Einerseits gibt es allgemein nicht genug Leute die in dem Bereich arbeiten wollen und andererseits gibt es keine ausreichenden finanziellen Anreize um das System mit dem nötigen Budget auszustatten um das zu umgehen.
Die einzige realistische Lösung ist derzeit, dass der Krankenhaussektor schrumpft bis man die vorhandenen Kapazitäten auch tatsächlich betreiben kann.
Dieses willkürliche Herumschieben von Personal ist eine Zumutung für MitarbeiterInnen und PatientInnen. Wie es den KollegInnen geht die da von der Psych auf eine Kinderstation geschickt werden, kann ich mir gar nicht vorstellen, mir wird fast schlecht beim Gedanken daran was da alles an Spezialwissen und -fähigkeiten fehlt.
Aber eigentlich glaube ich den Teil gar nicht, weil man für den Kinderbereich die eine 1jährige Zusatzausbildung braucht und für den psychiatrischen Bereich die andere (weitere wären Intensiv- oder Anästhesiebereich).
Aber selbst von einer internen Fachrichtung auf eine andere ist nichts was man ohne massiven Qualitäts- und Kapazitätseinbußen hinbekommt.
Also nehmts brav eure Vitamine und ziehts euch warm an.
Das Witzige ist ja, dass “das System” drauf ausgelegt ist, auf eine Art zu leben, die den vollen psychischen Stress erzeugt. Es wird erwartet, dass die Leute unterbesetzt Kindergärten, Krankenhäuser, Schulen, Pflegeheime schmeißen, sich krank in die Arbeit schleppen, damit nichts zusammenbricht. Es wird erwartet, auch bei Infekten und Verletzungen nicht lange krank zu bleiben, sondern gesund oder krank sich mehr oder wenig selbst auszubeuten, auch wenn es einem schon schlecht geht. Notfalls auch mit systematischem Druck von ÖGK oder AMS.
Für die dadurch schwer Verletzten gibt es dann aber keine adäquate Hilfe, weil “zu wenig Ressourcen”.
Das ist ca. so, wie wenn du die ganze Gesellschaft systemtechnisch auf “Laufen und Springen” ausrichtest, sie also ständig zum Laufen und Springen drängst, und ihnen dann bei Abnützungserscheinungen, Verletzungen und Unfällen aber die Operationen, Reha und Physio streichst, oder sie monatelang auf Gips und Schmerzmittel warten lässt, weil du nicht die Versorgung, die dein System bräuchte, bereitstellen kannst.