Niederösterreich: Das Verwaisen der Landarztpraxen im weiten Land

5 comments
  1. Wo es mir massiv aufgefallen ist , sind Kinderärzte.
    Gibt im Bezirk GF eher wenige, und die Strategie gegen zu viel Zulauf in der Gemeinschaftspraxis in der Bezirkshauptstadt ist es, den ÖGK kassenvertrag aufzulösen und nur mehr privat und die der landesbediensteten zu haben.
    Dann wiederum gibt’s in engelhartstetten jetzt eine neue Kinderärztin und zusätzlich eine Hausärztin die auf Kinderheilkunde spezialisiert ist (in einer 2000 Einwohner Ortschaft)

  2. Die Ärzte brauchen einen besseren Vertrag mit der KK. Solange die KK die Tarife aus dem Jahre Schnee beibehalten, wird das wohl mit Sicherheit nichts.

  3. Unpopular opinion: Solange wir auch noch die Ärzteausbildung von Studenten aus anderen Staaten bezahlen und diese das Land nach der Ausbildung verlassen, machen wir uns das Problem auch ein bisschen selbst.

  4. Mir fallen als eventuell-Hausarzt mal so einige Punkte ein:

    – kompliziertes Anstellungsverhältnis; jetzt besser aber bis dahin einfach verpennt.

    – Ausbildung speziell in Allgemeinmedizin ein Witz – man wird zum Stationsarzt ausgebildet. Lehrpraxis hilft, ersetzt aber die vorherige Problematik der Ausbildung nicht.

    – immer noch kein Facharzt, um den Druck richtung besserer Ausbildung zu erhöhen.

    – schlechte Bezahlung, außer man hat das Glück einer Hausapotheke (die jederzeit genommen werden kann) oder prügelt die Patienten durch. Heutzutage sind komplexere Fälle, die 15 Minuten Zeit brauchen auch ned mehr so selten, vor allem weil es sich die Krankenhäuser mit “Wiedervorstellung beim Hausarzt…” leicht machen. Ich weiß es – ich mache das genau so, weil Resourcen fehlen.

    – Work-Life-Balance ist sicher ein Faktor.

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    Alles oben genannte führt dazu, dass Hausarzt heute ein Beruf, und keine Berufung mehr ist. Die Allgemeinmedizin wurde immer als “kleiner Bruder” gesehen (höflich formuliert), Ärzte mit Ambitionen wählen etwas anderes genau aus diesem Grund. Wenn man mal wirklich Hilfe braucht (siehe Fall Kellermayr) steht man alleine da, genauso im Schadensfall.

    Die Versäumnisse rächen sich jetzt, wenn man die Wahl hat macht man natürlich lieber die erfüllendere, weniger mühsame Hackn im Krankenhaus oder PHC.

  5. Also zumindest für unsere ländliche Gemeinde kann ich sagen, dass wir einfach schon als Lebensraum für Leute mit hoher Ausbildung und etwas mehr Geld nicht ansprechend sind. Da is das Geld völlig egal, wenn du es nicht ausgeben kannst für Kultur/Gastro erc. und es dir von allen Nachbarn beneidet wird bzw. Erwartet wird, dass jede Runde auf dich geht.

    Und nachdem das einzige leistbare Wohnen in unserer Gegend daran gebunden ist unter 40k Netto zu verdienen bringt einem Geld auch nichts mehr. Genossenschaften ham alles aufgekauft und wennst, wie es bei einem Arzt halt so is, nicht mehr dort wohnen darfst, zahlst dich halt gleich wieder dumm und dämlich.

    Dass dann auch alle andern Studierten mit ähnlichen Interessen und Bildungsstand auch nicht herkommen heißt halt leider auch, dass der soziale Anreiz hier leidet.

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