
Wir reden ja viel drüber wie mies die SPÖ beinand ist (meine These immer: strukturelle Gründe, sei es der Partei, vom Land oder vom Wirtschaftssystem selbst). Was ich ja die interessantere Frage find, warum gibts eigentlich kein österreichisches “Lefttube”?
In den USA gibts ja gewisse Online Kanäle die ja linke Diskussion fördern und Stimmung machen. Da gibts so weit ich verstehe Debate Streamer die mit Leuten streiten und diskutieren und bei rechten Talking points dagegenhalten oder glaube ich auch mal so “aktuelles Geschehen aus linker Sicht” durchgehen und auf der anderen Seite gibts so “Erklärbär” Videos oder Podcasts wo irgendein Thema genauer dargestellt wird, von “Erkläre Sozialismus/Rassissmus/Frauenfeindlichkeit” zu welchen die konkrete Geschehnisse diskutieren.
Mir ist das aus 2 Gründen in den Kopf gekommen.
Zb spielt es mir auf Youtube oft die Videos von [Joshua Fluke](https://www.youtube.com/@JoshuaFluke1/videos) rein (weiß/glaub gar nicht dass das unbedingt ein Linker ist) dessen Ding ja ist dass er sich über “HR bullshit” aufregt. Also quasi die Ami Version von den “Händeringend!!!” Witzen die ja hier in /r/austria so beliebt sind.
Oder im Kontext der ganzen “die SPÖ ist so unfähig modern zu kommunizieren Debatten” dann habe ich den Fehler gemacht wieder mal auf [Moment](https://www.youtube.com/watch?v=HI0wE1f2xOU) zu schauen ob die mittlerweile weniger … sind, scheint nicht zu sein.
Hierzu muss gesagt sein, es gibt ein paar Aspekte:
1.) Ein Faktor ist sicher die Kleinheit des Marktes. Ist ja schon in Deutschland so dass sich glaube sich nur wenige Formate wirklich auf Deutsch halten (bezahlter mainstream wie Böhmermann mal abgesehen). Würde da am ehesten Sasha Lobo, Rayk Anders von der Lösch Dich Doku, eventuell gewisse Formen von Vice dazu zählen? Jedenfalls, wenn es schon im Deutschen Markt vermutlich kaum zum Leben reicht, dann wird man mit Fokus Ö das vermutlich noch weniger haben. Wobei mein Eindruck ist dass es ein “Righttube” von FPÖ TV bis verschiedene Schwubler Kanäle ja durchaus gibt
(ich finds auch ein wenig Schade, jetzt weniger auf österreichische Tagespolitik gemünzt, aber zb so Sachen wie Wohnbau oder Verkehr findet ja man ab und zu mal in internationalen Medien, da wäre es doch interessant mehr/bessere “Erklärbär” Videos von Leuten zu haben dir direkt damit Leben und nuanciertere oder detailliertere Info haben wie die Sachen funktionieren, was die Geschichte ist, was die vorteile und nachteile sind, aber halt “grass rootiger” als wenn der ORF eine Doku ordert)
2.) Man muss sich fragen, ist das vielleicht nicht unbedingt was negatives gibt dass es das nicht gibt und verschiedene youtube Kanäle die kindische Infights miteinander haben jetzt nicht was wäre was die öffentliche Debatte in Ö bereichern würde. Es kann ja auch gut sein dass es für unser Land normal ist dass das eher in Zeitungen stattfindet wie dem Falter oder Zackzack.
3.) Zumindest in den USA habe ich das Gefühl dass da das Lefttube halt sicher auch auf die rechten Bewegungen/Medienpräsenz im Land ist, aber auch eine Reaktion auf die doch auch eher phlegmatische Demokratische Partei. Phlegmatische Parteien gibt es schon auch bei uns, aber in unserem Wahlsystem ist am Ende des Tages die Hürde doch viel niedriger eine neue Partei zu Gründen und gewisse Erfolge damit zu haben und deswegen ist das Konzept vielleicht weniger nötig? Oder sind unsere Medien nicht rechts genug als dass sich eine grass rootigere Schiene entwickelt?
Kann auch sein dass ich das zu idealistisch sehe, aber ich habe schon ein Eindruck dass gewisse youtube Kanäle schon eine Funktion haben gewisse Meinungen wenn nicht zu pionieren dann doch zu popularisieren und mehr unter die Leute zu bringen und sie dann so hoffentlich auch bei den politgebenden mal attraktiver zu machen. Also wenn die ausführenden Parteien die Debatte nicht liefern auf einer Ebene wo sie beim normalen Millennial und jünger ankommt, dann machen das halt solche Formate.
Beziehungsweise, Beschwerde ist hier ja oft die fehlende Kommunikation, aber halt auch die mangelnder Austausch mit der Bevölkerung. Solche Formate richten sich halt doch direkter an den Wähler und sind auch mehr aufgefordert auf entweder Kommentare oder Gegenvideos zu reagieren. Anders als wenn Politiker auf Politiker reagiert in der Debatte im Parlament (was distanzierter wird) oder wenn Politiker bei der persönlichen Interaktion auf der Straße mit einem Wählern interagiert (was ja nicht sehr öffentlich ist und deswegen oft vergessen wird).
Interessant finde ich eigentlich auch dass meinem Gefühl nach auch die Grünen in diesem Bereich nicht präsenter sind? Die sollten doch eigentlich das jüngere Publikum und die besseren Techskills haben? Sind die nur auf TikTok? Ist meine Blase nicht grün genug dass ich die als Empfehlungen eingespielt kriege?
Ich nehme an man kann sagen BIER ist das? Und es ist halt nur nicht so ideologisch-politisch wie das woran ich denke?
Wie seht ihr das, gibt es Formate die ich einfach nur nicht kenne? Ich glaube ja [der Misik](https://www.youtube.com/@robertmisik/videos) versucht ja sowas wie ein persönlicher Kommentator zu sein? aber den find ich halt nicht sehr ansprechend. Es gibt den wohlgemeinten Momentum cringe. Alle heiligen Zeiten stolper ich über wen ders [versucht](https://www.youtube.com/@NikolausKowall), aber ja, mit sehr, sehr mäßigen Erfolgen. (wobei, [RIP Bezirkowitsch](https://www.youtube.com/@NikolausKowall), positiv für mich auf VdB der ab und zu gute social media Videos hat)
Wie gesagt, ich finde das nicht mal unbedingt schlecht, ich finde ja das Format mit den “Persönlichkeit” Kommentatoren eh nicht so gut. Ist glaube ich grundsätzlich nicht das beste Ideologie an konkreten Personen aufzuhängen und umgekehrt ist das vermutlich auch eine große persönliche Belastung für die Leute wenn von ihrem ganzen Ich für das Thema einzustehen (besonders halt noch wenn der Markt in Ö zu klein ist dass man damit dann in Luxus leben kann).
**TLDR:** Lefttube, gibts das in Ö? Warum, warum ned? Ist es logisch und gut dass es das nicht gibt?
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\[Seitenthema: boah, als ich wieder mal auf Moment.at geschaut habe und auf der Frontseite fast alles Öko oder identity Themen waren. Es ist ja kein einiger Artikel wo ich sagen würde das ist ein No-Go von dem was gesagt wird, aber ich hätte mir halt gewünscht dass sowas als Nebenthema/Salz in der Suppe zu 80% Arbeit und Wirtschaftsthemen wäre. Aber ich nehme an da fällt man halt auf Webseite in das Problem dass diese Themen so viel schwerer zu kommunzieren sind, aber dass bei den softeren Themen man so viel leichter likes und Aufmerksamkeit in den Sozialen Medien kriegt, weil Leute schneller eine Meinung haben oder die Leute die das Thema interessiert gleich so lieb und dankbar sind. Aber man verabsäumt halt die Leute auf Arbeitsthemen und Markthemen zu politisieren. das ist [kontrast.at](https://kontrast.at) schon eher die richtige Balance vom Mix her, aber die haben halt noch weniger coolness Faktor\]
13 comments
Österreich hat die höchste Brauereidichte und die höchste Kabarettistendichte pro 10.000 Einwohner. Wir sind von Haus aus schon angesoffene Kasperl. Jeglicher Versuch eine starke Linke aufzuziehen würde folgendermaßen torpediert werden:
Schwarzblautürkis( jo, für mich mittlerweile eine Farbe. Die Kunst ist es sie möglich schnell auszusprechen damit es neu und innovativ wirkt): “hö des linke Gsindel, jetzt zündens bald Autos an. Alles Linksradikale.”
Dann kommt der große Auftritt von Roten: “wir nehmen Abstand von Populismus. Davon haben wir auch generell keine Ahnung. Warum denn auch, wir machen ja Politik.”
Den Grünen kannst du es sowieso nicht recht machen, weil einmal er/sie/es/fury/Reptiloid verwechseln und sie verstecken sich vor den bösen Cis-Männern und träumen von damals in Zwentendorf als sie moralisch noch was gegen das Establishment getan haben.
Tjo und der Rest? Kommunisten, Maoisten, Stalinisten, Trotzkisten, quak, quak, quak verlieren sich in der Regel in ihrer ideologischen Träumerei und wüsste nicht wie die humorvoll oder durch ein News-Format, sei es ernst, sei es Satire, je geeint werden könnten.
Die linke macht einfach das in was Österreich wirklich gut ist: den Status Quo hassliebend vergenusswurzeln.
Gäbs tatsächlich sogar; den [Proletopia](https://www.twitch.tv/proletopia?lang=de) zB. Ich bin kein Fan von solchen Streamern generell und von ihm auch nicht, aber der würd vmtl in diese Kategorie fallen.
Punkt 1 ist eigentlich eh schon alles was man dazu sagen muss. Der Markt ist einfach klein, niemand kann halbwegs professionelle Videos für so eine Nische produzieren ohne irgendwie gesponsert zu sein und da bleiben halt nur die von dir erwähnten über.
Ein anderes Thema ist halt der Fokus politischer Blasen auf gewisse Netzwerke. FPÖ TV wirkt auf youtube “groß” aber schau dich mal auf Twitter um dort hast du einen ganz anderen Einschlag, genauso wie Strache/Kurz sehr stark auf Facebook waren.
kann dir nur den podcast von junge linke empfehlen
[kein katzenjammer](https://jungelinke.at/kein-katzenjammer/)
Hier bitte: https://www.instagram.com/reel/CokRc1YM-Tb/?igshid=YmMyMTA2M2Y=
Da geht’s um die wirklich wichtigen Linken Themen
Und noch ein ernstgemeinter Kommentar.
Warum gibt es kein lefttube?
USA hat eine komplett andere Ausgangssituation, die leben Quasi in einer Corporate Olygarchy, und sind Arbeitssklaven, ohne Urlaub, Krankenstand, Sozialversicherung, Karenz etc etc die linken Thema haben da viel mehr Druck weil es wirklich um was geht, um da rauszukommen. Die Jungen dort kommen langsam dank Senatoren wie Bernie Sanders drauf, dass ihnen diese Rechte zustehen aber der Kampf ist sehr schwierig gegen den Populismus und den Superpacs.
Dagegen sind wir in AT schon ziemlich gepampert, die wichtigsten Arbeitnehmerrechte sind alle umgesetzt und mit ein bisserl Ausbildung haben wir eigentlich ein gutes Leben, nicht? Auch wenn wir Arbeitslos oder Arbeitsunfähig werden gibt’s ein gutes Sozialnetz. Für Geringverdiener und Alleinerzieher gibt’s zig Beihilfen. Viel mehr ist da wohl nicht rauszuholen der Höchststeuersatz von 55% ist schon eher am Limit, ok man kann noch über Erbschaftssteuer reden aber soo viel ist von den reichen nicht mehr zu holen ohne dass die alle auswandern.
Somit bleiben für Links liberale Menschen halt andere Themen an der Forderfront: Und das sind zb Umwelt und Gleichberechtigungsthemen, dass du die Themen mit Handstreich als Nebenthema disqualifizierst ist halt deine meinung, aber nicht alle denken so.
Tldr: Den Arbeitskampf der Amerikaner haben unsere Vorfahren schon geführt deswegen haben wir nun den Luxus um uns thematisch um andere Lebewesen und Randgruppen zu kümmern
derFunke fällt mir noch ein, hat jetzt keine allzu große Reichweite.
Was in den USA linksradikal ist, sind bei uns die (rechten) talking points. Nur um das einzuordnen. Was aber stimmt, ist dass die Arbeitnehmerorganisierung die letzten Jahrzehnte als Thema fallen gelassen wurde (in meinen Augen der größte Fehler der SPÖ).
Wir sollten uns ein Beispiel nehmen an Frankreich. Ein Land mit der mittlerweile 5. Republik hat schon darin genug Drohpotential für die Regierenden dass die sich ein wenig zusammenreißen.
Bei uns muss keiner Angst haben vor der Gewerkschaft – von den Bonzen dort hat ja keiner jemals was gearbeitet
Der Herr Misik hatte beim Standard mal eine Zeit lang ein Videoblog, das ein bisserl in diese Richtung ging.
Schau mal auf moment.at
Und gibt noch paar mehr in die Richtung, aber da fällt mir der Name nicht ein
Ich denke, dass liegt daran, dass die Amis eine ganz andere Ausgangsbasis haben.
Typische “linke Themen” bei ihnen sind bei uns bereits seit langem Standard. Ein Beispiel dazu ist die Krankenversicherung.
Dazu kommt, dass die Amis seit Jahrzehnten darauf gedrillt werden, alles was nur im entferntesten sozialistisch oder kommunistisch ist, abzulehnen. Ich bin auch kein Freund von ursprünglichen Sozialismus und Kommunismus, aber so wie wir, und der Großteil Europas, sich die guten Sachen rausgepickt find ich’s gut.
Somit muss im “besten Land der Welt” erst Mal ein Grundverständnis dafür geschaffen werden, dass du nicht den Sozialismus oder Kommunismus einführen willst, wenn du z.b. nur eine allgemeine Krankenversicherung einführen willst. Dazu kommt, dass du so gut wie 0 Arbeitnehmerrechte in Amerika hast. 0 Tage gesetzlichen Urlaub, ich glaube 1 Woche “Karenz” nach der Geburt, usw… Somit kannst du in Amerika mit typischen Linken Themen gut content machen. Wenn du hier in Österreich anfängst zu sprechen wie unfair es nicht ist, dass du “nur” 35 Stunden angestellt bist, und somit 0 Arbeitnehmerrechte hast, weil du ja nicht Vollzeit beschäftigt bist, fragen dich die Leute wahrscheinlich obst wo angrennt bist.
Kurz um, komplett andere Ausgangsbasis.
I am not reading all of that
Lefttube? Also sowas wie Reddit, nur als Videostream?