Historischer Beitrag in der AZ, interessant aufgrund des Standes des damaligen Diskurses zu “Zigeunern”. Antiziganismus ist ja heute leider nach wie vor ein relevantes Thema. Dass Ansichten zu Roma, Sinti udgl Völker heute – trotz Porajmos – teilweise noch rückständiger sind, als in diesem (noch immer von antiziganistischen Vorurteilen zeugenden) Beitrag von vor fast 100 Jahren, find ich besonders kurios.
Auch in meiner burgenländischen Gemeinde gab es ein Zigeuner-“Ghetto” am Rande des Dorfes. Wurden 1938 dann alle deportiert und alle Spuren vernichtet. Dort wohnten sie in Erdhöhlen und Holzverschlägen. Und zwar nicht, weil sie so unzivilisiert waren, wie das auch in diesem Artikel dargestellt wird, sondern weil es ihnen schlicht komplett verboten war, ein festes Haus zu errichten. Es gab dazu dann auch den Fall, dass einer doch ein Haus gebaut hat, welches dann prompt abgerissen wurde. Sie waren auch von Schule, Ehe und den meisten Arbeitsverhältnissen gesetzlich ausgeschlossen und wurden nur zu Hilfsdiensten tageweise beschäftigt. Allerdings wurde dann der Lohn oft gar nicht ausgezahlt, weil die Zigeuner überhaupt keine Art von Rechtssicherheit genossen. Der Preis für Prostitution war in Stücken Schokolade bemessen, wie mir alte ehemalige Kunden persönlich erzählten.
Man erwartete somit von Menschen, denen teilweise weniger Rechte eingeräumt wurden als Nutztieren, ein vorbildlich kultiviertes Verhalten.
Man kann sich das heute fast nicht mehr vorstellen, welche unglaublich menschenverachtende Sicht auf diese Minderheit damals ganz “normal” war, wie wenig sich irgendeine Moralinstitution a la Kirche dagegen gewandt hat, welche haarsträubende Brutalität und Entmenschlichung einfach Alltag war.
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Historischer Beitrag in der AZ, interessant aufgrund des Standes des damaligen Diskurses zu “Zigeunern”. Antiziganismus ist ja heute leider nach wie vor ein relevantes Thema. Dass Ansichten zu Roma, Sinti udgl Völker heute – trotz Porajmos – teilweise noch rückständiger sind, als in diesem (noch immer von antiziganistischen Vorurteilen zeugenden) Beitrag von vor fast 100 Jahren, find ich besonders kurios.
Auch in meiner burgenländischen Gemeinde gab es ein Zigeuner-“Ghetto” am Rande des Dorfes. Wurden 1938 dann alle deportiert und alle Spuren vernichtet. Dort wohnten sie in Erdhöhlen und Holzverschlägen. Und zwar nicht, weil sie so unzivilisiert waren, wie das auch in diesem Artikel dargestellt wird, sondern weil es ihnen schlicht komplett verboten war, ein festes Haus zu errichten. Es gab dazu dann auch den Fall, dass einer doch ein Haus gebaut hat, welches dann prompt abgerissen wurde. Sie waren auch von Schule, Ehe und den meisten Arbeitsverhältnissen gesetzlich ausgeschlossen und wurden nur zu Hilfsdiensten tageweise beschäftigt. Allerdings wurde dann der Lohn oft gar nicht ausgezahlt, weil die Zigeuner überhaupt keine Art von Rechtssicherheit genossen. Der Preis für Prostitution war in Stücken Schokolade bemessen, wie mir alte ehemalige Kunden persönlich erzählten.
Man erwartete somit von Menschen, denen teilweise weniger Rechte eingeräumt wurden als Nutztieren, ein vorbildlich kultiviertes Verhalten.
Man kann sich das heute fast nicht mehr vorstellen, welche unglaublich menschenverachtende Sicht auf diese Minderheit damals ganz “normal” war, wie wenig sich irgendeine Moralinstitution a la Kirche dagegen gewandt hat, welche haarsträubende Brutalität und Entmenschlichung einfach Alltag war.