>Die Firmen, die an der britischen Studie teilgenommen haben, wurden darüber hinaus vor dem Versuch gecoacht, womit man die Wahrscheinlichkeit positiver Effekte eher erhöht.
Ööh ja, und was spricht dagegen, das in der Realität auch zu tun?
>Erstens die Gruppe der Unternehmen, etwa aus der Kreativbranche oder Wissensarbeit, wo ein Produktivitätserhalt trotz reduzierter Stunden wahrscheinlicher ist. Deren Motivation ist es, damit Arbeitskräfte zu locken. Allerdings dauert dieser “first-mover advantage” nur eine gewisse Zeit an. Wenn andere folgen, gibt es keinen Vorteil mehr, aber alle Unternehmen sind mit höheren Kosten konfrontiert. Das ist ein Beispiel für das in der Volkswirtschaftslehre oft vorkommende Gefangenendilemma.
Höhere Kosten? Gehalt bliebt doch gleich? Und Produktivität scheint ja auch die gleiche zu bleiben?
>Wenig hingegen spricht gegen eine Flexibilisierung der Arbeitszeit – etwa der 40-Stunden-Woche, die in vier Tagen erledigt wird.
Doch, weil das mit die dümmste Variante einer 4 Tage Woche ist?
Monika Köppl-Turyna ist Ökonomin und Direktorin des arbeitgebernahen Forschungsinstituts Eco Austria.
Sagt alles über die Aussagekraft ihrer Meinung aus 🙂
Wenn ich mehr arbeite, haben halt nur die Aktionäre meiner Firma was davon. Ich persönlich nicht
Da bin ich ja echt dankbar das meine Firma so auf ihre Mitarbeiter schaut und strikt gegen Homeoffice und 4-Tage-Wochen ist, jetzt weiß ich das es nur zu meinem Besten ist.
die unternehmen machen seit den 1970er jahren im prinzip immer das gleiche und tun alles um aus ihrer komfortzone nicht raus zu müssen..
praktischerweise hat sich das reframing des KV von der ursprünglichen bedeutung “mindestgehalt der branche” zu (quasi nicht hinterfragtes) “maximalgehalt mit freiwilliger überzahlung” für die unternehmen total ausgezahlt.
ich bin schon sehr gespannt zu sehen, wer in diesem “abnützungskampf” am ende als gewinner hervorgeht.
a) unternehmen, die die gelegenheit nutzen und durch die höchst überfällige erhöhung der gehälter auf ein niveau, welches auf angebot und nachfrage beruht und damit (endlich) einen vernünftigen wettbewerb der unternehmen um die (hochqualifizierten) mitarbeiter auslöst.
b) die lebenserhaltungskosten (energie, inflation, etc.), welche die mitarbeiter dazu zwingt, wieder mehr stunden zu arbeiten.
c) die “wirtschaft”, vertreten durch die ÖVP, die inzwischen mit maximalen hochdruck versuchen, die bevölkerung zu spalten und die volksmeinung in richtung 40stunden woche zu drehen, indem sie die “teilzeitmitarbeiter” als sozialschmarotzer darstellen.
d) die mitarbeiter, die (durch covid) gelernt haben, dass die durch mehr freizeit gesteigerte lebensqualität nicht durch ein paar euro mehr im monat auszugleichen ist.
meine hoffnung ist, dass es eine kombination aus a und d sein wird, die endlich dazu führt, dass einerseits nicht profitable unternehmen, deren gewinne überhaupt nur durch niedriglöhne möglich sind ihre tätigkeiten einstellen und andererseits eine kultur des (lebenslangen) weiterbildens in den köpfen der mitarbeiter zum standard wird.
unternehmen, die innovative und benötigte produkte entwickeln/verkaufen, werden durch qualifiziertere mitarbeiter jedenfalls stark profitieren.
unternehmen, die “allerweltsprodukte” anbieten und deren unternehmenserfolg hauptsächlich durch preiskampf und niedriglöhne definiert ist, müssen nicht um jeden preis erhalten werden, schon gar nicht indem die ungünstigen rahmenbedingungen mittels subventionen kompensiert werden.
auf die (oft gebrachte) frage, wie systemkritische leistungen (zb kranken- und altenpflege, schulen, etc) damit funktionieren können, muss ganz klar festgehalten werden, dass solche tätigkeiten nicht “gewinnorientiert” definiert werden dürfen, sondern sich die entsprechenden gehälter ausschließlich an der nachfrage dieser leistungen orientieren dürfen. mehr bedarf an altenpflegern – höhere einstiegsgehälter, weniger bedarf an lehrern, weil weniger geburten, niedrigere einstiegsgehälter.
der “markt” kann solche gesellschaftliche bedürfnisse nicht regeln, da es durch die massive subvention dieser dienstleistungen nicht zu realem wettbewerb kommt.
viele stände dürfen beispielsweise keine eigenwerbung machen und sind durch gesetzliche leistungskataloge fixen honoraren unterworfen. es spielt also keine rolle, welche qualität die angebotene leistung hat, sondern es müssen “nur” gesetzliche mindeststandards eingehalten werden und dies suggeriert, dass jede sozialleistungen die gleiche qualität hat; was aber natürlich nicht der realität entspricht.
wenn eine gemeinde die gehälter ihrer zb lehrer selbst festlegen dürfte, dann würden sich sehr wahrscheinlich die besten/motiviertesten lehrer in jenen gemeindeschulen mit den besten rahmenbedingungen bewerben.
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>Die Firmen, die an der britischen Studie teilgenommen haben, wurden darüber hinaus vor dem Versuch gecoacht, womit man die Wahrscheinlichkeit positiver Effekte eher erhöht.
Ööh ja, und was spricht dagegen, das in der Realität auch zu tun?
>Erstens die Gruppe der Unternehmen, etwa aus der Kreativbranche oder Wissensarbeit, wo ein Produktivitätserhalt trotz reduzierter Stunden wahrscheinlicher ist. Deren Motivation ist es, damit Arbeitskräfte zu locken. Allerdings dauert dieser “first-mover advantage” nur eine gewisse Zeit an. Wenn andere folgen, gibt es keinen Vorteil mehr, aber alle Unternehmen sind mit höheren Kosten konfrontiert. Das ist ein Beispiel für das in der Volkswirtschaftslehre oft vorkommende Gefangenendilemma.
Höhere Kosten? Gehalt bliebt doch gleich? Und Produktivität scheint ja auch die gleiche zu bleiben?
>Wenig hingegen spricht gegen eine Flexibilisierung der Arbeitszeit – etwa der 40-Stunden-Woche, die in vier Tagen erledigt wird.
Doch, weil das mit die dümmste Variante einer 4 Tage Woche ist?
Monika Köppl-Turyna ist Ökonomin und Direktorin des arbeitgebernahen Forschungsinstituts Eco Austria.
Sagt alles über die Aussagekraft ihrer Meinung aus 🙂
Wenn ich mehr arbeite, haben halt nur die Aktionäre meiner Firma was davon. Ich persönlich nicht
Da bin ich ja echt dankbar das meine Firma so auf ihre Mitarbeiter schaut und strikt gegen Homeoffice und 4-Tage-Wochen ist, jetzt weiß ich das es nur zu meinem Besten ist.
die unternehmen machen seit den 1970er jahren im prinzip immer das gleiche und tun alles um aus ihrer komfortzone nicht raus zu müssen..
praktischerweise hat sich das reframing des KV von der ursprünglichen bedeutung “mindestgehalt der branche” zu (quasi nicht hinterfragtes) “maximalgehalt mit freiwilliger überzahlung” für die unternehmen total ausgezahlt.
ich bin schon sehr gespannt zu sehen, wer in diesem “abnützungskampf” am ende als gewinner hervorgeht.
a) unternehmen, die die gelegenheit nutzen und durch die höchst überfällige erhöhung der gehälter auf ein niveau, welches auf angebot und nachfrage beruht und damit (endlich) einen vernünftigen wettbewerb der unternehmen um die (hochqualifizierten) mitarbeiter auslöst.
b) die lebenserhaltungskosten (energie, inflation, etc.), welche die mitarbeiter dazu zwingt, wieder mehr stunden zu arbeiten.
c) die “wirtschaft”, vertreten durch die ÖVP, die inzwischen mit maximalen hochdruck versuchen, die bevölkerung zu spalten und die volksmeinung in richtung 40stunden woche zu drehen, indem sie die “teilzeitmitarbeiter” als sozialschmarotzer darstellen.
d) die mitarbeiter, die (durch covid) gelernt haben, dass die durch mehr freizeit gesteigerte lebensqualität nicht durch ein paar euro mehr im monat auszugleichen ist.
meine hoffnung ist, dass es eine kombination aus a und d sein wird, die endlich dazu führt, dass einerseits nicht profitable unternehmen, deren gewinne überhaupt nur durch niedriglöhne möglich sind ihre tätigkeiten einstellen und andererseits eine kultur des (lebenslangen) weiterbildens in den köpfen der mitarbeiter zum standard wird.
unternehmen, die innovative und benötigte produkte entwickeln/verkaufen, werden durch qualifiziertere mitarbeiter jedenfalls stark profitieren.
unternehmen, die “allerweltsprodukte” anbieten und deren unternehmenserfolg hauptsächlich durch preiskampf und niedriglöhne definiert ist, müssen nicht um jeden preis erhalten werden, schon gar nicht indem die ungünstigen rahmenbedingungen mittels subventionen kompensiert werden.
auf die (oft gebrachte) frage, wie systemkritische leistungen (zb kranken- und altenpflege, schulen, etc) damit funktionieren können, muss ganz klar festgehalten werden, dass solche tätigkeiten nicht “gewinnorientiert” definiert werden dürfen, sondern sich die entsprechenden gehälter ausschließlich an der nachfrage dieser leistungen orientieren dürfen. mehr bedarf an altenpflegern – höhere einstiegsgehälter, weniger bedarf an lehrern, weil weniger geburten, niedrigere einstiegsgehälter.
der “markt” kann solche gesellschaftliche bedürfnisse nicht regeln, da es durch die massive subvention dieser dienstleistungen nicht zu realem wettbewerb kommt.
viele stände dürfen beispielsweise keine eigenwerbung machen und sind durch gesetzliche leistungskataloge fixen honoraren unterworfen. es spielt also keine rolle, welche qualität die angebotene leistung hat, sondern es müssen “nur” gesetzliche mindeststandards eingehalten werden und dies suggeriert, dass jede sozialleistungen die gleiche qualität hat; was aber natürlich nicht der realität entspricht.
wenn eine gemeinde die gehälter ihrer zb lehrer selbst festlegen dürfte, dann würden sich sehr wahrscheinlich die besten/motiviertesten lehrer in jenen gemeindeschulen mit den besten rahmenbedingungen bewerben.
Die Nachteile für wen?