Liebe r/Austria Community,

Im Zuge meiner Bachelorarbeit für Sprachwissenschaft an der Universität Wien muss ich eine empirische Studie erstellen. Dadurch, dass mir unser Dialekt ein Anliegen ist und ich von mehreren anekdotischen Quellen (Verwandtschaft, Freund:innen usw.) schon des Öfteren gehört habe, dass ihre Kinder oder Kinder, die Ihnen bekannt sind, scheinbar fast nur noch Hochdeutsch sprechen, hab ich mich dazu entschlossen, das Thema genauer unter die Lupe zu nehmen und meine Bachelorarbeit darüber zu schreiben.

Die Grundfrage ist, ob es einen wahrgenommenen Verlust des österreichischen Dialekts bei Kindern gibt, die die Volkschule besuchen und wie sich die Eltern jener Kinder dazu positionieren.

Darum bitte ich alle Teilnehmer:innen der r/Austria Community, die Kinder haben oder Erziehungsberechtigte:r eines oder mehrerer Kinder sind, die die Volkschule besuchen, um die Teilnahme an dieser [Umfrage](https://www.empirio.de/s/=Z1xiYcab1).

Natürlich bleiben alle Teilnehmer:innen komplett anonym und die einzigen personenbezogenen Daten, die erfragt werden, beziehen sich auf Alter, Zeit die man in Österreich lebt, in welchem Bundesland man lebt, ob städtisches oder ländliches Gebiet und der Bildungsabschluss. Die Umfrage dauert ca. 5 – 10 Minuten und ist (hoffentlich) sehr verständlich aufgebaut.

Schonmal vorab vielen Dank für die Teilnahme an der [Umfrage](https://www.empirio.de/s/=Z1xiYcab1).

Donkschen und pfiat eich!

25 comments
  1. > scheinbar fast nur noch Hochdeutsch

    Mir scheint vielmehr ein deutscher Akzent immer häufiger. Führe ich in erster Linie auf online Influenza zurück, aber es gibt ja auch viele Migranten aus dem Norden bei Kindern und Betreuern. Wichtiges Thema jedenfalls.

  2. Viel Erfolg bei der Umfrage. Mangels Kindern (außer jenem im Umfeld die ich hie und da sehe) kann und werd ich da nicht teilnehmen.

    Mitten in Wien hab ich vor ein paar Wochen als ich zum ersten mal seit eeeewig wieder ohne Musik in den Ohren öffentlich unterwegs war kurz auf google Maps schauen müssen ob die Bim nicht durch ein Wurmloch unabsichtlich nach Berlin abgebogen ist und ich eh noch in Wien bin.

    Mehrere Kinder drin gewesen. 13:10 – kurz nach Schulschluss für viele.

    Auch jene (hört man ja an der Aussprache) die offensichtlich nicht Deutsch als Muttersprache hatten hatten den “hochdeutschen” Touch drin. Türkdeutsch wie man es vor 20 Jahren in RTL-Soaps hörte. Vor 20-30 Jahren hatte ich durch die Nähe zum Mexikoplatz in Wien viele Freunde aus Ex-Jugo und später aus der Türkei. Da hast auch an der Aussprache gemerkt, dass die “nicht von da” sind. Aber das was dann darin “von da” war war eher Wienerisch.

    Jetzt…es ist nicht nur die Aussprache, es sind auch die Worte. Guckst du. Lecker. Menno. Alder (das heißt OIDA!) … das hat sich innerhalb weniger Jahre stark geändert.

    Was 2 Generationen lang trotz RTL an uns vorbei ging hat das Internet in wenigen Jahren geschafft.

  3. Es kut glob echt druf ah, fu woher kusch. In da großa Städt oda allgemein im Rhiital, do ischas hochdütsche leida scho ziemle vabreitet. Aba ganz hinta deanna im Breagaza Wold no net sooo.

    Des liagt aba oh viel a dar Schuala, i ka mi no dra erinnera, dass mir zua Grumpara “Kartoffel” sega hond müssa, i moan was söll oh des? So zaschlagt ma jo im Kindesalta da schöne Dialekt 🙁

  4. Super Thema!

    Zu meiner Schulzeit war es unschicklich, tiefsten Dialekt zu sprechen, was dabei bei manchen rauskam, war „böhmisch“, und jedenfalls nicht Hochdeutsch. Schade, dadurch ist viel an Dialekt verloren gegangen. Aber als Kind willst du halt auch so reden, wie alle anderen.

  5. Unserer ist noch in einem Kindergarten, der international sehr gemischt ist. Dort wird ganz normales österreichisches Deutsch mit den Kindern gesprochen, also Kappe, Paradeiser, Gewand und so, aber kein tiefster tiroler Dialekt. Ist vermutlich auch im Sinne der Eltern. Stelle mir gerade vor, einen Deutschkurs zu machen und das Kind dann erst recht nicht zu verstehen, weil es im Kindergarten Tirolerisch lernt :D.

  6. Solange kein Umdenken stattfindet und man die Bairische Sprache nicht als solches anerkennt, kannst eh alles vergessen. Hab mich damit abgefunden, einer der letzen Sprecher zu sein.
    Die Diffamierung und Diskreditierung als Dialekt zerstört die heimatliche Sprache seit der Einführung der auf dem Sächsischen basierten Normschrift, was jedoch schon damals Vater des Gedankens war.
    Spätestens seit dem Austritt Österreichs aus Deutschland ist es aber nurmehr lächerlich, keine auf der eigenen gesprochenen Sprache basierende Standardschrift zu haben.
    Niederländisch, Luxemburgisch, Yiddisch, alles aus dem Deutschen ausgegliedert, bloß der Österreicher lässt sich einreden, seine Sprache sei ein dreckiger Dialekt, den man nicht schreiben darf.

  7. Jetzt ist es schon etwas spät, aber in der Umfrage gibt es eine Unschärfe. Wieso wird zwischen “geboren” und “aufgewachsen” in Österreich unterschieden?

    Und warum muss man für die Umfrage Staatsbürger*in sein?

    Ansonsten finde ich es interessant, aber was ist die Forschungsfrage dahinter? Was ist deine Hypothese?

  8. “Ein Mensch, der mich im österreichischen Dialekt anspricht, ist mir sympathischer als ein Mensch, der mich in Hochdeutsch anspricht.”

    Uhh, ich als österreichgeborener Österreicher mit deutscher Mutter bin schon gespannt was dabei rauskommt 🙁

  9. Da ich keine Kinder habe, kann ich dir leider nicht weiterhelfen. (Jetzt kommt das) ABER ich hoffe zumindest hier von deiner Studie zu lesen. Der Einfluß von Social Media wird mMn den sprachlichen Identitätsverlust noch weiter treiben. Finde ich als echt wienerisch sprechender (auch noch mit den Einflüssen von Jiddisch und Rotwelsch in meiner Familie) schade. Wie sagte H. C. Artmann schon vor Jahrzehnten? Immer mehr Menschen werden ein immer schlechteres Englisch sprechen. Dahin bewegen wir uns. Wenn ein 8 jähriger „flex“ und „no cap“ verwendet wird gar nichts wieder gut. Vor allem wenn dann auch noch die Grammatik des bastardisierten Deutsch-Englisch-Gemisches völlig falsch ist. Meine Frau ist Lehrerin, da höre ich so manchen Schwank. Also, in diesem Sinne, gut Lack and make what!

  10. Bin mir nicht sicher, obs wirklich der Verlust eines Dialekts ist. Könnte sich ebenso um einen Soziolekt handeln, der im Alter wieder verschwindet?

    Evt. würd ich dir auch empfehlen, die Zielgruppe der Umfrage zu erweitern. Gibt’s ja genug Leute, die mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben ohne dass sie erziehungsberechtigt und/oder Eltern sind.

    Prinzipiell aber ein sehr feines Thema und wünsch dir alles Gute!

  11. feedback zur Umfrage an sich:
    habs ausgefüllt und hab mir schon bei der 1. Frage schwer getan: “sprechen Sie im Alltag Dialekt?” mein Alltag beinhaltet ja auch meine Kinder. mit den Kindern spreche ich jedoch eher hochdeutsch, mit freunden/partner/Arbeitskollegen jedoch dialekt. hätte das also extra abgefragt mit wem man wie spricht.

    zum “Problem”:
    ich nehme es auch so wahr. Ein Grund könnte sein:
    Ich glaube, dass Kinder heutzutage einfach mehr Wertschätzung erfahren, generell mehr mit ihnen geredet wird, ihnen auch mehr zugehört wird als früher. und mir ist es wichtig dass sie mich gut verstehen, meine Kommunikation möglichst klar ist. und da hatte ich das Gefühl, dass sie mich besser verstehen wenn ich hochdeutsch rede, vor allem als sie noch ganz klein waren. das hat sich also so eingeschlichen. jetzt sind sie größer und ich bemühe mich nicht mehr so da sie jetzt auch dialekt gut verstehen können.

  12. Nur als Denkanstoß: Vielen Kindern in dem Alter wird von den Eltern aktiv verboten Dialekt/undeutlich zu sprechen damit ihnen die Rechtschreibung leichter fällt. Das heißt nicht unbedingt dass sie als Jugendliche oder Erwachsene noch so sprechen wie als Kinder.

    Ich habe auch vor 19 Jahren schon gehört dass die Kinder “nicht mehr so reden wie früher” und heute sagen das die Gleichen über die damals geredet wurde

    Heißt natürlich nicht, dass sich die Sprache nicht verändert aber mMn passiert das langsamer und nicht von einer Generation zur Nächsten.

    Bei den Schulklassen mit denen ich arbeite (10-11 Jährige) scheint Englisch aus dem Internet mittlerweile ein größerer Einfluss zu sein als Deutsch aus dem Fernsehen. Viele Kinder können sich schon fließend in Englisch unterhalten was ich echt beeindruckend fand.

  13. Als angehender Sprachwissenschaftler solltest du eine Umfrage zu einer wissenschaftlichen Arbeit vielleicht Korrektur lesen, bevor du sie veröffentlichst…

  14. Denke youtube ist ein Haupttreiber dafür.
    viele Streamer sind aus DE und sprechen dann genau so. Die Kinder kopieren es dann.
    Und jo.. Sprache ändert sich eben ständig. “Deutsch” vor 300 Jahren kann man kaum lesen.

  15. Super Idee, unterstütze ich und bin sehr gespannt auf die Ergebnisse! ich hoffe wirklich sehr, dass die Dialekte mit der Zeit verschwinden, da sie meiner Meinung nach sehr zurückgeblieben klingen und mir oft vor meinem geistigen Auge Bilder von Höhlenmenschen hervorrufen.

  16. Also beim Wiener Dialekt bin ich (m20) ehrlich gesagt froh, dass der früher oder später größtenteils aussterben wird. Bin selber Wiener und Wienerisch in seiner ausgeprägtesten Form ist schon sehr hässlich. Ich weiß, dass das eine unpopuläre Meinung hier ist, aber sind Ausdrücke wie “Oida” schön? Ist es schön wie der Mundl zu reden? Wienerisch, wenn es nicht gerade z.B. eine leichte Form des Schönbrunner Deutsch ist, kratzt für mich oft schon sehr am Rand von ordinär/asozial.

  17. Ich hab keine wirklichen Erinnerungen an die Volksschule, aber mein Dialekt dürfte mir in dieser Phase ziemlich ausgetrieben worden sein. Hab als Jugendlicher irgendwann Tonaufnahmen von mir als Kind (vor der Volksschulzeit) zu hören bekommen und war erstaunt wie konservativ und unverfälscht mein Dialekt damals noch war (z.B. “honn” statt “hob”, “kraxla” statt “klettern”, etc).

    Seitdem achte ich beim sprechen und schreiben im Dialekt darauf möglichst keine deutschen Einflüsse einzubauen.

    Hab im Studium eine angehende Volksschullehrerin kennengelernt, die mir erzählt hat, dass sie Dialekte minderwertig findet und ihre Schüler/Innen nur Hochdeutsch sprechen dürfen. Ich will mir ehrlich gesagt nicht ausmalen was für psychische Schäden so ein junges Kind davonträgt, wenn nach dem Schuleintritt (also sozusagen von heute auf morgen) die eigene Muttersprache als gering dargestellt und ihre Verwendung sogar verboten wird. Kindern die mit Türkisch aufwachen wird es da ähnlich schlecht gehen, diese Sprache wird ja in Österreich auch immer wieder als “schlecht” dargestellt anstatt die Mehrsprachigkeit positiv hervorzuheben.

  18. Es ist etwas schwierig zu sagen, ob ein „österreichischer Dialekt“ mir zusagt, denn Wienerisch/Niederösterreichisch kann man nicht mit Tirolerisch/Vorarlbergerisch in einen Topf werfen. Manche Dialekte finde ich sehr unangenehm.

  19. Was mir bei meinen Nichten und Neffen auffällt ist das sie eine Mischung aus hochdeutsch und Dialekt reden, bei meinen Neffen hab ich es nicht mitbekommen wann das aufgetreten ist, bei meinen Nichten ist mir das aufgefallen mit 2 klasse Gymnasium

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