Kritik an Digitaler Grundbildung: “Peinlich für die Republik”

5 comments
  1. > „Gegen Fake News kann man eh nix machen. Da muss man damit leben, dass man sich nie sicher sein kann“, sagte der Bursche im November des Vorjahres in einer Fokusgruppe des Instituts für Jugendkulturforschung.

    Das ist eine richtige und wichtige Erkenntniss auf dem Weg zum Erwachsenwerden. Denn diesse Erkenntniss gab es auch schon vor Fake News im Internet. Oder glaubt der Bursche, dass vor dem Internet nur die Wahrheit erzählt wurde?

    Vielleicht sollte man hier auch im Unterricht den Bogen spannen zu Propaganda und Co. früherer Zeiten.

  2. Lehrer hier, der das Fach in 2 ersten Klassen unterrichtet:

    Es ist, Stand jetzt, eine einzige Totgeburt. Ich bin studierter Informatiker, nicht Medienpädagoge, was für mich bedeutet, daas ich ein Fach ohne entsprechende Ausbildung und Expertise unterrichten muss (Fachdidaktik Informatik ist eben doch etwas ganz Anderes). Material existiert kaum, die Schulbücher tw. ein Witz, was dazu führt, dass ich für 2h DIG pro Woche durchschnittlich ca. 4-5h vor- und nachbereite.

    Die größte Enttäuschung für mich ist die Beobachtung, dass viel zu viele Politiker:innen, Eltern und sogar Lehrpersonen sich nun aus der Verantwortung ziehen, weil es jetzt ja das dezidierte Fach gibt, obwohl für das Fach lediglich eine Wochenstunde vorgesehen ist. Ich muss an meiner Schule iPad-Support spielen, Medienpädagoge und Informatiker in einem sein und soll SuS zu digital mündigen Bürger:innen machen, mit 50 Minuten pro Woche.

    Gleichzeitig wird das Fach 0 ernst genommen, insb. unter vielen Eltern herrscht eine Art “Das ist ein Neben-Neben-Neben-Fach”-Einstellung vor, die schon zu dezenten Anzweiflungen meiner Kompetenzen führten, weil ich halt auch 4er und gar 5er vergebe. “Mein Sohn hatte technische Schwierigkeiten, er konnte die letzten 3x gar nichts abgeben!” – “Frau Schuldsindandere, wir nahmen das Abgeben bereits mehrmals durch, es existiert außerhalb des Unterrichts eine dezidierte iPad-Sprechstunde, zu der ihr Sohn nie aufgetaucht ist, er hat 20 Mitschüler*innen, die er nie um Hilfte bittet, iwann sind technische Schwierigkeiten eher eine Ausrede.” – “Na was erlauben Sie sich!”

    Achja, stellt euch mal einen Raum mit 30 Schüler*innen vor, alle mit einem eigenen Gerät, das aus legalen Gründen nicht zu sehr eingeschränkt werden darf (Einschränkungen sehr leicht umgänglich) – jeder Schritt dauert 10x länger als man sich vorstellen hätte können, und wehe, ein Kind muss 2 Min. warten, dass ich ihm helfe, weil ich gerade 5 anderen helfen muss. 2 SuS haben in solchen Situatuonen tatsächlich angefangen zu weinen (nach Kennenlernen der Eltern wunderte es mich nicht).

    A letztes Gschichterl noch: Kinder sollen tippen üben, sprech mit Deutsch-Lehrer ab, dass die nächste HÜ digital zu machen ist. Kommt a Mutter in meine Sprechstunde.

    “Na hörens, ich war jahrelang im Nationalrat, ich hab mich sooo für DIG eingesetzt, so toll, so schön usw., aber diese letzte HÜ geht ja gar nicht. Mein armer Justitian-Christopherus ist halt sehr langsam beim Tippen, der hat weinen angefangen, weil er dieses tolle Gschichterl in seinem Kopf nicht auf Papier bringen konnte. Da hab ich ihm gsagt, er solls einfach mit Stift auf Papier schreiben – so a tolle Gschicht ist da rauskommen!” – “Das ist ja alles schön und gut, aber Sinn dahinter war ja, Tippen zu üben, gerade für die, die das nicht gut können?” – “Naja, sei ma uns ehrlich, die können das ja so lernen wie wir es gelernt haben, und wir hatten ja auch kein DIG.”

    Sprachlos. Rant Ende.

  3. Und SPÖ Mitglieder scheitern an Excel, bin mir nicht sicher was schwerer ist. Ein Programm welches auf Benutzerfreundlichkeit aufgebaut wird oder Texte welche absichtlich in die Irre führen sollen /s

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