>Nach dem Freispruch stehen ihm nun Entschädigungszahlungen zu. Nach Angaben des Justizministeriums bekommt ein zu Unrecht Inhaftierter 75 Euro Entschädigung pro Haft-Tag – in Genditzkis Fall insgesamt 368.400 Euro für die Jahre, in denen er seine Kinder nicht sah und die Geburt des Enkelkindes verpasste. Eine Summe, die Kritiker für viel zu gering halten. Bis vor einigen Jahren lag der Satz sogar bei lediglich 25 Euro pro Tag.
Ich finde, wer vom Staat aus Unrecht 13 Lebensjahre verloren hat, sollte zumindest für den Rest seines Lebens ausgesorgt haben und als mehrfacher Millionär aus der ganzen Sache herausgehen.
13 Lebensjahre sind mit keinem Geld der Welt aufzuwiegen, aber die bisherige Entschädigung ist viel zu wenig- Weniger als man mit Mindestlohn und 8 Stunden an einem Tag verdient!
///
Außerdem mal wieder ein gutes Beispiel dafür, warum eine Todesstrafe nicht eingeführt werden darf.
Das ist für mich eine Horrorvorstellung: Wegen einer Straftat ungerechtfertigt angeklagt und sogar verurteilt zu werden. Bei so einer schweren Straftat (angeblicher Mord) mit derart extremen Folgen (lebenslange Haft) erst recht.
Als Betroffener denkt man doch wohl die ganze Zeit, dass das alles nicht wahr sein kann und sich doch irgendwann klären muss: denn schließlich gibt es keine echten Beweise, kein wirklich nachvollziehbares Motiv; der Staatsanwalt muss doch seine “Arbeitshypothese” irgendwie schlüssig beweisen können. Es gilt doch “in dubio pro reo” (im Zweifelsfall für den Angeklagten), und die Schuld muss ohne jeglichen vernünftigen Zweifel eindeutig nachgewiesen sein.
Und dann hörst du die (ersten) Gutachter, die es auch nicht wirklich beweisen können, im Prinzip auch nur ihre Hypothesen haben, die aber halt in ihren Texten gut begründen können, warum sie das glauben (aber nicht wissen!), was sie halt glauben. Dann kommt das Urteil. Du verstehst die Welt nicht mehr. Du denkst, na gut, in der Berufung, oder spätestens der BGH wird dir recht geben, dass das alles für ne Verurteilung nicht ausreicht. Und immer die ganze Zeit weißt du ja, dass du es nicht warst.
Und irgendwann ist das letzte Rechtsmittel ausgeschöpft, die lebenslange Haft letztinstanzlich bestätigt und du gilst als Mörder. Als Mörder, der vor den Wärtern und Mitinsassen, ja vor der ganzen Welt, nicht mal zu seiner Tat stehen kann.
Welchen 50€ Gutschein gibts als Entschuldigung?
Ein weiterer Beweis dafür, warum die Todesstrafe mit der Würde des Menschen niemals vereinbar sein wird. Das existierende Risiko, jemand Unschuldigen umzubringen, ist es einfach nicht wert und ein zurecht hierzulande abgeschaffenes Konzept.
Freut mich sehr für ihn, dass er endlich draußen ist – hoffentlich fällt die Entschädigung aber noch weitaus höher aus.
darüber habe ich in der ard Mediathek vor wenigen wochen erst eine mehrteilige doku gesehen. ich erinnere mich tatsächlich nicht an viel, nur noch daran, dass ich mich sehr gefragt habe, wie zum Teufel man ihn bitte verurteilen konnte. und dass ich ihm die Daumen gedrückt habe für dieses Verfahren
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>Nach dem Freispruch stehen ihm nun Entschädigungszahlungen zu. Nach Angaben des Justizministeriums bekommt ein zu Unrecht Inhaftierter 75 Euro Entschädigung pro Haft-Tag – in Genditzkis Fall insgesamt 368.400 Euro für die Jahre, in denen er seine Kinder nicht sah und die Geburt des Enkelkindes verpasste. Eine Summe, die Kritiker für viel zu gering halten. Bis vor einigen Jahren lag der Satz sogar bei lediglich 25 Euro pro Tag.
Ich finde, wer vom Staat aus Unrecht 13 Lebensjahre verloren hat, sollte zumindest für den Rest seines Lebens ausgesorgt haben und als mehrfacher Millionär aus der ganzen Sache herausgehen.
13 Lebensjahre sind mit keinem Geld der Welt aufzuwiegen, aber die bisherige Entschädigung ist viel zu wenig- Weniger als man mit Mindestlohn und 8 Stunden an einem Tag verdient!
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Außerdem mal wieder ein gutes Beispiel dafür, warum eine Todesstrafe nicht eingeführt werden darf.
Das ist für mich eine Horrorvorstellung: Wegen einer Straftat ungerechtfertigt angeklagt und sogar verurteilt zu werden. Bei so einer schweren Straftat (angeblicher Mord) mit derart extremen Folgen (lebenslange Haft) erst recht.
Als Betroffener denkt man doch wohl die ganze Zeit, dass das alles nicht wahr sein kann und sich doch irgendwann klären muss: denn schließlich gibt es keine echten Beweise, kein wirklich nachvollziehbares Motiv; der Staatsanwalt muss doch seine “Arbeitshypothese” irgendwie schlüssig beweisen können. Es gilt doch “in dubio pro reo” (im Zweifelsfall für den Angeklagten), und die Schuld muss ohne jeglichen vernünftigen Zweifel eindeutig nachgewiesen sein.
Und dann hörst du die (ersten) Gutachter, die es auch nicht wirklich beweisen können, im Prinzip auch nur ihre Hypothesen haben, die aber halt in ihren Texten gut begründen können, warum sie das glauben (aber nicht wissen!), was sie halt glauben. Dann kommt das Urteil. Du verstehst die Welt nicht mehr. Du denkst, na gut, in der Berufung, oder spätestens der BGH wird dir recht geben, dass das alles für ne Verurteilung nicht ausreicht. Und immer die ganze Zeit weißt du ja, dass du es nicht warst.
Und irgendwann ist das letzte Rechtsmittel ausgeschöpft, die lebenslange Haft letztinstanzlich bestätigt und du gilst als Mörder. Als Mörder, der vor den Wärtern und Mitinsassen, ja vor der ganzen Welt, nicht mal zu seiner Tat stehen kann.
Welchen 50€ Gutschein gibts als Entschuldigung?
Ein weiterer Beweis dafür, warum die Todesstrafe mit der Würde des Menschen niemals vereinbar sein wird. Das existierende Risiko, jemand Unschuldigen umzubringen, ist es einfach nicht wert und ein zurecht hierzulande abgeschaffenes Konzept.
Freut mich sehr für ihn, dass er endlich draußen ist – hoffentlich fällt die Entschädigung aber noch weitaus höher aus.
darüber habe ich in der ard Mediathek vor wenigen wochen erst eine mehrteilige doku gesehen. ich erinnere mich tatsächlich nicht an viel, nur noch daran, dass ich mich sehr gefragt habe, wie zum Teufel man ihn bitte verurteilen konnte. und dass ich ihm die Daumen gedrückt habe für dieses Verfahren