> Anders als Henry L., der genug Geld hatte, um sich einen guten Anwalt zu leisten. Und ein Privatgutachten. Und 10.000 Euro für die Kaution. Genug, um seine Unschuld zu beweisen.
ich will gar nicht wissen wie viele Leute unschuldig im Gefängnis sitzen.
ich hab das Gefühl, dass der Artikel etwas einseitig ist. Als wäre ein Fußballsspiel ein valider Grund sich von einem Unfall mit Todesfolge zu entfernen und das Verhalten mit Pflichtbewusstsein zu erklären. Das Unfallopfer wird dagegen sehr negativ dargestellt.
Der Artikel ist ja wirklich sehr als Verteidigungsschrift für den Geschäftsmann geschrieben. Mit den gleichen Fakten könnte man auch einen Artikel mit dem Spin “Schwerreicher Geschäftsmann schubst Radfahrer aus schwierigen sozialen Verhältnissen vor die Bahn und die Justiz lässt ihn trotz klaren Videobeweises aufgrund eines Privatgutachtens ohne Prozess laufen” schreiben.
Wenn man nicht beweisen kann, dass der Geschäftsmann den Radfahrer absichtlich geschubst hat, kann man ihn deswegen nicht verurteilen. Insoweit ist er unschuldig. Trotzdem ist der Radfahrer aufgrund einer Bewegung des Geschäftsmanns vor die Bahn gestürzt, der Geschäftsmann war sich bewusst, dass er mit dem Radler zusammengestoßen ist; er hat auch gesehen wie er gestürzt und gestorben ist. Und trotzdem setzt er nur schnell einen Notruf bei der 112 ab, bei der er seine eigene Beteiligung nicht erwähnt, und begibt sich dann sofort zum Flughafen für seinen Flug nach München? Nur aus “Pflichtgefühl”, weil er den Flug nicht verpassen möchte und sich am Abend mit einem Freund ein Spiel des FC Bayern in der Allianz-Arena anschauen möchte, und nicht möchte, dass Flugtickets und Fußballkarten entschädigungslos verfallen? Das soll eine valide Abwägung sein, bei einem versehentlich verursachten Todesfall nicht auf die Polizei zu warten oder auch nur mit ihr zu telefonieren?
Die Polizei ruft er erst an, als er aus der Presse erfährt, dass die Mordkommission ermittelt. Das ist schon mal nicht gut. Dann sag er anscheinend auch nur, dass er “Zeuge” sei und die Sache “mitbekommen” hat, und offenbar nicht, dass er mit ihm zusammengestoßen ist. Dass die Staatsanwaltschaft ihn dann bei dieser Vorgeschichte in Untersuchungshaft steckt, kann man ihr wirklich nicht verübeln, gerade weil der Geschäftsmann wahrscheinlich auch über einen englischen Pass und eine Menge Geld verfügt, was für eine erhöhte Fluchtgefahr spricht. Von daher saß er wohl unschuldig im Gefängnis, aber bestimmt nicht schuldlos. Und am Ende kam er dann trotzdem sogar ohne Prozess frei. Ohne eigenes Gutachten wäre es wohl zum Prozess bekommen, aber das heißt ja auch nicht, dass er dann tatsächlich verurteilt worden wäre. Aus meiner Sicht hat die Justiz alles richtig gemacht, der Geschäftsmann kommt trotz des Weichzeichners des Spiegels extrem verantwortungslos rüber und musste dafür jetzt zum ersten Mal in seinem Leben die Konsequenzen tragen.
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Redditthreads zum damaligen Vorfall:
https://www.reddit.com/r/de/comments/v7ngxp/offenbar_rempler_in_hamburgohlsdorf_mann_wird_von
https://www.reddit.com/r/hamburg/comments/v8osr5/toter_radfahrer_polizei_verhaftet_mutmaßlichen
> Anders als Henry L., der genug Geld hatte, um sich einen guten Anwalt zu leisten. Und ein Privatgutachten. Und 10.000 Euro für die Kaution. Genug, um seine Unschuld zu beweisen.
ich will gar nicht wissen wie viele Leute unschuldig im Gefängnis sitzen.
ich hab das Gefühl, dass der Artikel etwas einseitig ist. Als wäre ein Fußballsspiel ein valider Grund sich von einem Unfall mit Todesfolge zu entfernen und das Verhalten mit Pflichtbewusstsein zu erklären. Das Unfallopfer wird dagegen sehr negativ dargestellt.
Der Artikel ist ja wirklich sehr als Verteidigungsschrift für den Geschäftsmann geschrieben. Mit den gleichen Fakten könnte man auch einen Artikel mit dem Spin “Schwerreicher Geschäftsmann schubst Radfahrer aus schwierigen sozialen Verhältnissen vor die Bahn und die Justiz lässt ihn trotz klaren Videobeweises aufgrund eines Privatgutachtens ohne Prozess laufen” schreiben.
Wenn man nicht beweisen kann, dass der Geschäftsmann den Radfahrer absichtlich geschubst hat, kann man ihn deswegen nicht verurteilen. Insoweit ist er unschuldig. Trotzdem ist der Radfahrer aufgrund einer Bewegung des Geschäftsmanns vor die Bahn gestürzt, der Geschäftsmann war sich bewusst, dass er mit dem Radler zusammengestoßen ist; er hat auch gesehen wie er gestürzt und gestorben ist. Und trotzdem setzt er nur schnell einen Notruf bei der 112 ab, bei der er seine eigene Beteiligung nicht erwähnt, und begibt sich dann sofort zum Flughafen für seinen Flug nach München? Nur aus “Pflichtgefühl”, weil er den Flug nicht verpassen möchte und sich am Abend mit einem Freund ein Spiel des FC Bayern in der Allianz-Arena anschauen möchte, und nicht möchte, dass Flugtickets und Fußballkarten entschädigungslos verfallen? Das soll eine valide Abwägung sein, bei einem versehentlich verursachten Todesfall nicht auf die Polizei zu warten oder auch nur mit ihr zu telefonieren?
Die Polizei ruft er erst an, als er aus der Presse erfährt, dass die Mordkommission ermittelt. Das ist schon mal nicht gut. Dann sag er anscheinend auch nur, dass er “Zeuge” sei und die Sache “mitbekommen” hat, und offenbar nicht, dass er mit ihm zusammengestoßen ist. Dass die Staatsanwaltschaft ihn dann bei dieser Vorgeschichte in Untersuchungshaft steckt, kann man ihr wirklich nicht verübeln, gerade weil der Geschäftsmann wahrscheinlich auch über einen englischen Pass und eine Menge Geld verfügt, was für eine erhöhte Fluchtgefahr spricht. Von daher saß er wohl unschuldig im Gefängnis, aber bestimmt nicht schuldlos. Und am Ende kam er dann trotzdem sogar ohne Prozess frei. Ohne eigenes Gutachten wäre es wohl zum Prozess bekommen, aber das heißt ja auch nicht, dass er dann tatsächlich verurteilt worden wäre. Aus meiner Sicht hat die Justiz alles richtig gemacht, der Geschäftsmann kommt trotz des Weichzeichners des Spiegels extrem verantwortungslos rüber und musste dafür jetzt zum ersten Mal in seinem Leben die Konsequenzen tragen.