Leichtathletik-WM: “Worst Case” – Deutsche Leichtathleten ohne WM-Medaille

by krutopatkin

8 comments
  1. Wenn alle Überflieger verletzt sind, wird’s halt schwer. Trotzdem schon etwas peinlich. Aber die Sportförderung ist halt Jahrzehnte hinter anderen Länder zurück, in den NL gibt’s bspw. ein Grundgehalt von mehreren tausend €, damit man sich voll konzentrieren kann. Hier nur 600.

    China hat aber z.B. auch nur zwei Bronzene geholt.

    Aber hey, im Placing Table sind wir auf Platz 12!
    https://worldathletics.org/competitions/world-athletics-championships/budapest23/placingtable

  2. Ich frag mich immer, wieviel da so mit Doping passiert und ob die Deutschen da eventuell einfach zu ehrlich sind. Andererseits ist die Förderung halt Mist…

  3. Doping, Verletzungen, Zufall, Höchstformen von Konkurrenten usw. können natürlich mit reinspielen, keine Frage. Als jemand aus der SpoWi Branche der durchaus auch das Glück hat Hauptberuflich sehr nahe am nationalen und internationalen Leistungssport zu stehen kann ich aber auch sagen dass die Deutsche Leichtathletik lernresistent ist – mehr noch als DFB, DHB und co. Und das will was heißen.

    Ein Verband der in 20 Jahren über 100.000 Mitglieder verliert muss verstehen dass er an der Basis zu wenig macht. Je Kleiner die Basis ist desto kleiner wird natürlich schonmal der verfügbare Pool für die Spitze. Ich habe hier selbst bei einem großen Verein mitbekommen wie wenig wert die Breite ist und dass der Fokus immer auf den Ältesten liegt. Das ist ein komplett veraltetes Konzept welches in der Schweiz, Norwegen und GB z.b. besser angegangen wird. Hinzu kommt dass die Trainer oft komplett alleine gelassen werden. Hierzu gibt es eine, schon etwas ältere aber sehr aktuelle Folge des Wachstumskompasses in der eine Nachwuchstrainerin die Problematiken anspricht.

    Auch bei den Verletzungen kann ich sagen dass da durchaus lernresistenz in Trainingssteuerung und Behandlungsansätzen vorhanden ist. Geschweige denn bei der Bezahlung von Therapien. Da sind schon Klassiker dabei wie bei einem Bänderriss noch einen Gips anzulegen.

    Hinzu kommt dann noch dass Trainer unterbezahlt sind und zurecht lieber auswandern (im BuLi Nachwuchs z.b. auch kaum besser, da gibts NLZs bei denen du als Vollzeit Athletiktrainer mal eben mit 30k abgespeist wirst. Für weniger findet sich ja auch noch wer).

    Und dann sind wir noch gar nicht bei den Umständen angekommen dass die Athleten selber sehr wenig verdienen, ausbleibende Erfolge noch mit Budgetkürzungen bestraft werden und Infrastruktur, Suppport und Co. nicht immer dem entsprechen was “Konkurrenten” vorfinden.

    Das ist ein riesiges strukturelles Problem. Hinzu kommt aus eigener Erfahrung dass viele Funktionäre und Trainer halt Einzelsportler waren. Dementsprechend sehr ich-fokussiert. So kommz es zu unglaublich vorlen Grabenkämpfen zwischen den Klischee 40+ bis 80+ möchtegern-Alphatieren die dann alle Vorschläge von anderen abblocken. Mein Lowlight war in meiner Region eine angedachte Vortragsreihe zu zyklusbasiertem Training die an an viele Athletinnen nicht weitergegeben wurde weil “was soll das bringen?!”. Sowas passiert da leider täglich und man klopft sich dann doch auf die Schulter wie toll man ist und hat tausend Ausreden. Mit unserem geno-/phänopool müssten wir deutlich weiter oben stehen, siehe UK usw.

    Das wird hier bald zur Tirade 🙂

  4. Nicht wirklich überraschend. Nachdem Mihambo verletzt ausgefallen ist, war nur noch Neugebauer ein solider Medaillenkandidat.

    Alles andere waren eher Wunschträume. So hat beispielsweise der als Medaillenkandidat gehandelte Christopher Linke durchaus seine Topleistung gebracht und über 35k den eigenen deutsche Rekord um über eine Minute verbessert. Aber das reicht halt nur für den fünften Platz, und hätte auch letztes Jahr in Eugene nicht gereicht. Ähnliche gilt für Potye im Hochsprung.

    Auch ein Lita Baehre oder eine in Bestbesetzung laufende 4x100m-Frauenstaffel wären Aussenseiter gewesen. 5,95 im Stabhoch im ersten Versuch bzw. 41,97 über die Staffel ist denen eher nicht zuzutrauen.

  5. Vermutlich werden nun aufgrund der ausbleibenden Erfolge noch die Budgets gekürzt und erwartet, dass das nächstes Jahr bei Olympia dadurch besser wird

  6. Man muss einfach mal einsehen, dass die Sportförderung in Deutschland ein Witz ist. Für ein Land wie Deutschland ist das mehr als peinlich. Man will sich immer präsentieren, tut aber nicht ansatzweise genug dafür.

    Ohne die Fördergruppen von Bundeswehr und Bundespolizei sähe es in Deutschland im Leistungssport katastrophal aus. Man kann nur vor jedem deutschen Spitzenathleten den Hut ziehen, die sich das noch alles antun.

    Den Stellenwert des Sports sieht man doch schon in den Schulen, da wird zuerst gestrichen. Wobei Sport Unterricht im Großteil der Schulen sowieso nur aus ein bisschen fussball und 1-2x im Jahr Gerateturnen oder Bundesjugendspiele besteht.

    Und selbst bei Bundesjugendspielen hat man dann irgendwelche getriggerten Eltern, dass man das ja nicht mach dürfe weil der arme Noah dann seelischen Schaden nimmt wenn es beim Sport schlechte Leistungen gibt. Was kommt dann als nächstes, generell keine Noten mehr in allen Fächern weil Ben schlecht in Mathe ist oder Leonie in Englisch?

    Ein erfolgreicher Spitzensport ist halt auch für die Kinder und Jugendgesundheit förderlich. Von 1000 Kindern in einer Sportart schafft es vielleicht nur eine handvoll als Talent für weitere Förderung in Frage zu kommen und vielleicht nur einer noch weiter, aber die restlichen profitieren von einer besseren körperlichen und geistigen Gesundheit. Zudem hat Sport auch viele positive soziale Aspekte.

    Beim DLV scheint man ja solangsam auch erkannt zu haben, dass man gerade wenn man mit so schweren Bedingungen zu kämpfen hat, die Sportler in jeder Hinsicht auf ihrem für sie richtigen Weg unterstützt werden. Gerade in der Vergangenheit wurden Sportler die den Weg über sie USA oder andere Trainings Möglichkeiten gesucht haben noch belächelt oder fast als Verräter behandelt. Da man es doch nicht wagen könnte die Bedingungen in Deutschland zu hinterfragen.

    Das Interesse und die Unterstützung für die Leichtathletik ist auf jeden Fall da. Hier in Budapest waren wir deutschen Fans vielleicht sogar das größte Kontingent neben den Ungarn und haben bedingungslos jeden der deutschen Athleten unterstützt. Was Angesicht der Strapazen, die diese in Deutschland auf sich nehmen müssen, mehr als verdient ist.

  7. Schwierig wenn viele der Leichtathleten Teilzeit-Sportler sind, während andere Länder Millionen in den Sport pumpen

  8. Kommt es mir nur so vor oder wird Deutschland in allen Sportarten immer schlechter?

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