
**Die Zahl der Erwerbstätigen in Wien, die ihr Arbeitseinkommen mit der Mindestsicherung aufbessern müssen, steigt. Bei vielen ist auch die Arbeitslosenleistung zu gering, sie müssen daher ebenso aufstocken. Das geht aus dem Jahresbericht der Wiener Mindestsicherung 2022 hervor.**
Die Anzahl der Bezieherinnen und Bezieher der Wiener Mindestsicherung ist 2022 im Jahresdurchschnitt mit 134.303 Personen nahezu unverändert geblieben. Gegenüber 2021 sank die Zahl um rund ein Prozent bzw. 1.346 Personen. Mit 11.429 Erwerbstätigen fanden sich 2022 um 13,5 Prozent mehr als im Vorjahr in der Wiener Mindestsicherung.
„Wir sehen im Sozialsystem eine größer werdende Anzahl an Personen, die über ein zu niedriges Einkommen oder eine zu geringe Leistung aus der Arbeitslosenversicherung verfügen. Die AMS-Leistungen werden nicht valorisiert, die Lohnentwicklung hält mit der Teuerung nur unzureichend Schritt und die Sozialsysteme müssen diese Fehlentwicklungen ausgleichen“, erklärte Sozialstadtrat Peter Hacker (SPÖ).
## AMS-Leistungen gesunken
Beinahe die Hälfte aller arbeitsfähigen Mindestsicherungsbeziehenden erhält eine Leistung des AMS. Das sind 31.187 Beziehende – um 28 Personen weniger als im Vorjahr. Die bezogenen AMS-Leistungen pro Person sind laut Bericht gesunken, sodass in dieser Gruppe eine höhere Aufstockung durch die Mindestsicherung nötig war.
„Die stark steigenden Kosten bereiten vielen Menschen Schwierigkeiten, besonders aber jenen mit geringen Einkommen.“ Agnes Berlakovich, Leiterin der Abteilung Soziales, Sozial- und Gesundheitsrecht der Stadt Wien meinte, es sei ein großer Einsatz in allen Bereichen notwendig, um die Menschen zielgerichtet und kundenfreundlich zu unterstützen.
## Verschlechterung für Familien mit Kindern
Die Anzahl der Alleinerziehenden in der Mindestsicherung ist 2022 leicht zurückgegangen (-98 Personen), die Abgänge sind im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Laut Bericht schaffen die meisten den Sprung in die Beschäftigung. Rund 10.000 beziehende Paarhaushalte – das sind drei Viertel aller Paare in der Wiener Mindestsicherung – haben minderjährige Kinder. Wien muss laut Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofes mit 1. Jänner 2024 die Paarrichtsätze reduzieren. Diese Verschlechterung trifft laut Bericht insbesondere Familien mit Kindern. Die bereits bestehende Differenz der Mindestsicherung zur von der Statistik Austria definierten Armutsgefährdungsschwelle sowie zu den tatsächlichen Kosten dürfte sich nochmals vergrößern.
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[https://wien.orf.at/stories/3222061/](https://wien.orf.at/stories/3222061/)
by Educational-Note-757
3 comments
Meiner Meinung nach gehört eine Aufstockung durch das AMS verboten. Im Grunde ist das eine Quersubvention von Unternehmen.
In einem funktionierendem Markt würden Jobs, die nicht genug zum Leben zahlen, entweder verschwinden, weil sie niemand macht oder die Löhne würden höher werden.
Leider ist das politisch nicht gewollt.
Ich schließe daraus, wir sollten die Beihilfen abschaffen. – Politiker
Rechnets euch mal durch was man verdienen muss um einen AMS bezug zu bekommen der nicht mehr aufstockbar ist durch die Mindestsicherung.
Ich machs vor: wenn du 2000 brutto verdienst bekommst du also mit 60% nettoersatzrate gerade mal 1100 euro arbeitslosengeld. das sind 50 euro über mindestsicherung.
aber achtung. gerade jetzt kommt es da zu komischen situationen: Das AMS wird prinzipiell mit dem gehalt von vor 2 jahren berechnet. also musst du dir die ganzen lohnerhöhungen wegdenken (vor 2 jahren war der lohn der leute sicher 200€ brutto weniger. netto noch weniger wegen der fehlenden steuerreform). dafür ist die mindestsicherung aber valorisiert worden im gegensatz zur AMS Berechnungsgrundlage.
daraus folgt, das es viele Teilzeitkräfte und sogar vollzeitkräfte im untersten lohnsegment gibt, die von haus aus immer die mindestsicherung zum aufstocken beantragen müssen, wenn sie einmal arbeitslos sind.
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das ist das land in dem wir leben. wo es leute gibt die vollzeit arbeiten und nicht mehr genug AMS bekommen um über der mindestsicherung zu leben.