Immer beeindruckend zu sehen, dass sich Städte in anderen Ländern weiterentwickeln können..
> Und trotzdem: Wie kann es sein, dass in Berlin nicht einmal 500 Meter Radweg gebaut werden können, ohne dass es Proteste gibt, in Kopenhagen aber relativ geräuschlos ganze Parks und Straßenzüge für den Hochwasserschutz umgepflügt werden können?
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>»Natürlich gab es auch Streit«, räumt Landschaftsarchitektin Sørensen ein. Nicht überall verliefen die Diskussionen so problemlos wie an der Scandigade-Straße. Rund um das Stadtteilzentrum Karens Minde etwa waren die Anwohner anfangs wenig begeistert, als ihr bisheriger Park in ein Auffangbecken für den Rest der Stadt verwandelt werden sollte. Fast drei Jahre lang habe sie regelmäßig mit ihnen diskutiert. Ihnen erklärt, dass die unter Naturschutz stehenden Linden und Pappeln im Park ohnehin bleiben würden. Am Ende durften die Anwohner Pflastersteine und Bänke aussuchen, der Hochwasserschutz stand nicht zur Disposition. »Wir hatten alle eine gemeinsame Verantwortung«, sagt Sørensen.
Es gibt auch in Deutschland mehr als genug Bürgerbeteiligung. Wer sich beschwert, dass es bei lokalen Projekten keine Einbindung gäbe ist schlichtweg zu faul sich zu informieren und dann zu den Veranstaltungen hinzugehen. Und es gehen auch genügend Bürger hin, daher zieht das Argument erst recht nicht.
Das alleine kann also nicht der Grund sein, weshalb in Deutschland keinerlei Verbesserung geduldet wird. Ich habe eher die Vermutung, dass mir dem rigorosen Erziehen zur Ellenbogengesellschaft eine „Ich hab mein‘s, was schert mit der Rest?!“-Mentalität vorherrschend ist, mit der jede Veränderung die keine persönliche Verbesserung darstellt nicht nur abgelehnt sondern aktiv bekämpft wird.
Daneben ist der Vergleich mit der Verkehrsplanung natürlich etwas unfair, weil in Deutschland Verkehrs- und Stadtplanung halt ausschließlich und ohne jede Ausnahme am Auto ausgerichtet wird. Über die Jahrzehnte hat man damit eine Situation geschaffen, in der jede Veränderung einen konkreten Nachteil für Autofahrer bedeuten würde (und durch die selbstgeschaffenen Umstände gibt es halt so viele davon, induzierte Nachfrage erzeugt ja nicht unmittelbar Verkehr sondern zunächst erstmal Verkehrsteilnehmer der induzierten Verkehrsart). Und das teilweise sogar, ohne dass sich ein echter Vorteil für andere Verkehrsteilnehmer ergibt (siehe Schutzstreifen für den Radverkehr, die tatsächlich nur für eine einzige Gruppe einen Vorteil bieten: dümmlich in die Kamera grinsende Lokalpolitiker die Greenwashing betreiben wollen).
5 comments
Berlin sei wie: HÄ, AUF SCHWAMM KANN DOCH KEIN AUTO FAHREN
erstmal Autobahn durch Stadt bauen
Köln ist im Karneval auch ein Schwamm.
Dazu Wissen vor Acht (30.8.2023): [Die Schwammstadt](https://www.ardmediathek.de/video/Y3JpZDovL2Rhc2Vyc3RlLmRlL3dpc3NlbiB2b3IgYWNodCAtIGVyZGUvMjAyMy0wOC0zMF8xOS00NS1NRVNa) (ARD Mediathek – 3min11)
Immer beeindruckend zu sehen, dass sich Städte in anderen Ländern weiterentwickeln können..
> Und trotzdem: Wie kann es sein, dass in Berlin nicht einmal 500 Meter Radweg gebaut werden können, ohne dass es Proteste gibt, in Kopenhagen aber relativ geräuschlos ganze Parks und Straßenzüge für den Hochwasserschutz umgepflügt werden können?
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>»Natürlich gab es auch Streit«, räumt Landschaftsarchitektin Sørensen ein. Nicht überall verliefen die Diskussionen so problemlos wie an der Scandigade-Straße. Rund um das Stadtteilzentrum Karens Minde etwa waren die Anwohner anfangs wenig begeistert, als ihr bisheriger Park in ein Auffangbecken für den Rest der Stadt verwandelt werden sollte. Fast drei Jahre lang habe sie regelmäßig mit ihnen diskutiert. Ihnen erklärt, dass die unter Naturschutz stehenden Linden und Pappeln im Park ohnehin bleiben würden. Am Ende durften die Anwohner Pflastersteine und Bänke aussuchen, der Hochwasserschutz stand nicht zur Disposition. »Wir hatten alle eine gemeinsame Verantwortung«, sagt Sørensen.
Es gibt auch in Deutschland mehr als genug Bürgerbeteiligung. Wer sich beschwert, dass es bei lokalen Projekten keine Einbindung gäbe ist schlichtweg zu faul sich zu informieren und dann zu den Veranstaltungen hinzugehen. Und es gehen auch genügend Bürger hin, daher zieht das Argument erst recht nicht.
Das alleine kann also nicht der Grund sein, weshalb in Deutschland keinerlei Verbesserung geduldet wird. Ich habe eher die Vermutung, dass mir dem rigorosen Erziehen zur Ellenbogengesellschaft eine „Ich hab mein‘s, was schert mit der Rest?!“-Mentalität vorherrschend ist, mit der jede Veränderung die keine persönliche Verbesserung darstellt nicht nur abgelehnt sondern aktiv bekämpft wird.
Daneben ist der Vergleich mit der Verkehrsplanung natürlich etwas unfair, weil in Deutschland Verkehrs- und Stadtplanung halt ausschließlich und ohne jede Ausnahme am Auto ausgerichtet wird. Über die Jahrzehnte hat man damit eine Situation geschaffen, in der jede Veränderung einen konkreten Nachteil für Autofahrer bedeuten würde (und durch die selbstgeschaffenen Umstände gibt es halt so viele davon, induzierte Nachfrage erzeugt ja nicht unmittelbar Verkehr sondern zunächst erstmal Verkehrsteilnehmer der induzierten Verkehrsart). Und das teilweise sogar, ohne dass sich ein echter Vorteil für andere Verkehrsteilnehmer ergibt (siehe Schutzstreifen für den Radverkehr, die tatsächlich nur für eine einzige Gruppe einen Vorteil bieten: dümmlich in die Kamera grinsende Lokalpolitiker die Greenwashing betreiben wollen).