Inzwischen sprechen Hochzeitsplaner vom sogenannten Elopement. Klassischerweise versteht man darunter das »Durchbrennen« zu zweit, eine Art Flucht des Brautpaares, bei der die Ehe plötzlich und im Verborgenen geschlossen wird – etwa, weil die Eltern ihre Zustimmung nicht gegeben haben.
Heute stehen hinter der Flucht keine sozialen Zwänge; stattdessen entscheiden sich Paare aus freien Stücken, auf den großen Trubel zur Hochzeit gepflegt zu verzichten. In den USA rufen Magazine Elopement schon als eine Art Gegenbewegung zu opulenten Zeremonien aus. Demnach sollen sich inzwischen 91 Prozent der Jugendlichen eine Hochzeit nur zu zweit vorstellen können.
Das spart auch Geld. Für gewöhnlich laden deutsche Hochzeitspaare mindestens 25, meistens sogar über 50–100 Gäste zur Feier ein. Laut einer Statistik der Hochzeitswebsite WeddyPlace.de gab in einer breit angelegten Umfrage aus 2023 über die Hälfte der befragten Brautpaare bis 15.000 Euro für ihre Hochzeit aus. 30 Prozent der Befragten ließen sich ihre Hochzeit sogar 15.000 bis 25.000 Euro kosten.
Und wer so viel Aufmerksamkeit auf sich zieht, setzt sich immensem Druck aus. Wer sitzt bei der Hochzeit neben wem? Wen lädt man ein – und wen nicht? Man kennt die Kommentare hinter vorgehaltener Hand, über das Essen, die albernen Spiele, die peinlichen Reden, das Kleid oder die Oberarme der Braut. Oder den Wein, der – »was für eine Frechheit« – nur bis 22 Uhr gratis ist.
Viele Hochzeitsplaner richten ihre Angebote nach den neuen Bedürfnissen aus. »Wir beobachten diesen Trend zu kleinen, intimen Events seit Corona«, sagt der Lübecker Hochzeitsplaner Adam Betaib von »A&A Dreamevents«. Neben pompösen Feiern gebe es seit der Pandemie auch immer mehr besinnliche Hochzeiten zu zweit. Zwischen 2000 und 5000 Euro lassen Paare sich laut Anbietern ein Elopement kosten, wenn Hochzeitsplaner die Organisation übernehmen.
[…]
Das Elopement-Phänomen gehört für mich zum Trend der »Individualisierung««, sagt Soziologin Barbara Kuchler. Sie sieht in der Bewegung der Hochzeit zu zweit eine Selbst-Zelebrierung des Paares. Heiraten diene normalerweise der Objektivierung der Paarbeziehung, sie werde aus der reinen Privatheit der Beteiligten herausgelöst und einem größeren Umfeld von Personen zugänglich gemacht.
»Durch eine Hochzeit weiß anschließend jeder, dass diese zwei Menschen zusammen sind, dass sie dauerhaft und stabil zusammengehören – Scheidungsrate mal außen vor«, sagt Kuchler. Als Ehepaar werde man gemeinsam eingeladen und angesprochen, weshalb die Paarbeziehung nicht mehr ausschließlich »privat«, sondern gewissermaßen eine soziale Tatsache sei. »In diesem Sinn wird die Beziehung ›objektiviert‹, oder ›institutionalisiert‹«, sagt Kuchler.
Der Soziologin zufolge steigern Paare, die nur zu zweit heiraten, damit in gewisser Weise das, was die moderne Paarbeziehung in unserer westlichen Welt sowieso ist: ein rein privates und gefühlsbasiertes soziales Gebilde, das in erster Linie die zwei beteiligten Personen angeht.
[…]
Hochzeitsplanerin Denise Stock von »Two Hearts and Co« sieht aber auch in der Erfahrung mit der Coronakrise einen Grund. Abstandhalten, Social Distancing und Ausgehverbote haben bei vielen Menschen dazu geführt, zu überdenken, wen sie wirklich dauerhaft in ihren Leben haben wollen. Viele hätten nach der Pandemie ihren Freundeskreis reduziert. Nun traue man sich auch beim Heiraten, »Nein« zu den Erwartungen anderer zu sagen. »Nein« zu den Dingen, die man eigentlich nicht tun will und nur für andere gemacht hat.
Nachvollziehbar. Auf je mehr Hochzeiten ich Gast bin, desto weniger hab ich Lust auf meine eigene. Die ganzen Veranstaltungen wirken schon beim zuschauen furchtbar stressig. Man bereitet sich monatelang auf den Termin vor, gibt Unsummen aus und dann fliegt der Tag vorbei, weil man von Programmpunkt zu Programmpunkt hetzt und am Ende fällt man totmüde ins Bett und hat nichts von einer eigenen Hochzeit mitbekommen.
So machen das meine Verlobte und ich nächstes Jahr 🙂
Haben wir vor zwei Jahren auch gemacht. Zu zweit aufs Standesamt, reicht. Das gesparte Geld in den Urlaub investiert 🥳👌
Nachvollziehbar. Die letzten 4 Hochzeiten in meiner Umgebung waren 2x komplett allein und 2x strikt auf unter 30 Personen begrenzt. Und in allen Fällen eher sparsam, d.h. mit Gesamtkosten unter 1.000 Euro.
​
Find ich vernünftig. Jede Generation muss für sich selbst Traditionen hinterfragen und ändern und die Hochzeit war klar überfällig. Gerade auch weil ja das kirchliche immer mehr aus der Mode fällt und schon rein Standesamtlich durchgeführt wird.
Wie lost muss man eigentlich sein, um für das “Elopement” noch einen Weddingplaner zu brauchen?
Kann denn nicht irgendeiner an die Hochzeitsabhängigen Beschäftigten denken? /s
Wäre jetzt nicht unbedingt meine Methode der Wahl, aber eine klassische Hochzeit auch nicht.
Ich würde es so machen wie ein Bekannter von mir: Für den war es die zweite Hochzeit, für seine Frau auch. Die haben auf ihrem Bauernhof einfach einen Spanferkelgrill aufstellen lassen (inkl Grillmeister und Spanferkel irgendwas um die 500€) Bierzeltgarnituren aufgestellt (ausgeliehen bei der Gemeinde gegen eine Spende), einige Kisten Getränke geholt (ca. 300€) und den Gästen gesagt, dass sie statt Geschenken lieber Salate, Beilagen, Nachtische etc mitbringen sollen. Dresscode “wie es passt”. Auf dem Bauernhof konnte man dann natürlich auch noch super Outdoor-Spiele spielen.
Das war zum einen die entspannteste Hochzeit auf der ich bisher war, und das Essen war mit Abstand am besten.
Ein besserer Trend wäre, gar nicht zu heiraten. Die Ehe ist ein Fossil
Hätte ich auch am liebsten gemacht. Kann ich nur empfehlen. Oder ganz klein nur mit Eltern feiern (sofern man sie denn leiden kann).
Ein Hochzeitsplaner um nach dem Termin beim Standesamt Urlaub zu machen. Einfacher Geld verdienen wird schwierig.
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Inzwischen sprechen Hochzeitsplaner vom sogenannten Elopement. Klassischerweise versteht man darunter das »Durchbrennen« zu zweit, eine Art Flucht des Brautpaares, bei der die Ehe plötzlich und im Verborgenen geschlossen wird – etwa, weil die Eltern ihre Zustimmung nicht gegeben haben.
Heute stehen hinter der Flucht keine sozialen Zwänge; stattdessen entscheiden sich Paare aus freien Stücken, auf den großen Trubel zur Hochzeit gepflegt zu verzichten. In den USA rufen Magazine Elopement schon als eine Art Gegenbewegung zu opulenten Zeremonien aus. Demnach sollen sich inzwischen 91 Prozent der Jugendlichen eine Hochzeit nur zu zweit vorstellen können.
Das spart auch Geld. Für gewöhnlich laden deutsche Hochzeitspaare mindestens 25, meistens sogar über 50–100 Gäste zur Feier ein. Laut einer Statistik der Hochzeitswebsite WeddyPlace.de gab in einer breit angelegten Umfrage aus 2023 über die Hälfte der befragten Brautpaare bis 15.000 Euro für ihre Hochzeit aus. 30 Prozent der Befragten ließen sich ihre Hochzeit sogar 15.000 bis 25.000 Euro kosten.
Und wer so viel Aufmerksamkeit auf sich zieht, setzt sich immensem Druck aus. Wer sitzt bei der Hochzeit neben wem? Wen lädt man ein – und wen nicht? Man kennt die Kommentare hinter vorgehaltener Hand, über das Essen, die albernen Spiele, die peinlichen Reden, das Kleid oder die Oberarme der Braut. Oder den Wein, der – »was für eine Frechheit« – nur bis 22 Uhr gratis ist.
Viele Hochzeitsplaner richten ihre Angebote nach den neuen Bedürfnissen aus. »Wir beobachten diesen Trend zu kleinen, intimen Events seit Corona«, sagt der Lübecker Hochzeitsplaner Adam Betaib von »A&A Dreamevents«. Neben pompösen Feiern gebe es seit der Pandemie auch immer mehr besinnliche Hochzeiten zu zweit. Zwischen 2000 und 5000 Euro lassen Paare sich laut Anbietern ein Elopement kosten, wenn Hochzeitsplaner die Organisation übernehmen.
[…]
Das Elopement-Phänomen gehört für mich zum Trend der »Individualisierung««, sagt Soziologin Barbara Kuchler. Sie sieht in der Bewegung der Hochzeit zu zweit eine Selbst-Zelebrierung des Paares. Heiraten diene normalerweise der Objektivierung der Paarbeziehung, sie werde aus der reinen Privatheit der Beteiligten herausgelöst und einem größeren Umfeld von Personen zugänglich gemacht.
»Durch eine Hochzeit weiß anschließend jeder, dass diese zwei Menschen zusammen sind, dass sie dauerhaft und stabil zusammengehören – Scheidungsrate mal außen vor«, sagt Kuchler. Als Ehepaar werde man gemeinsam eingeladen und angesprochen, weshalb die Paarbeziehung nicht mehr ausschließlich »privat«, sondern gewissermaßen eine soziale Tatsache sei. »In diesem Sinn wird die Beziehung ›objektiviert‹, oder ›institutionalisiert‹«, sagt Kuchler.
Der Soziologin zufolge steigern Paare, die nur zu zweit heiraten, damit in gewisser Weise das, was die moderne Paarbeziehung in unserer westlichen Welt sowieso ist: ein rein privates und gefühlsbasiertes soziales Gebilde, das in erster Linie die zwei beteiligten Personen angeht.
[…]
Hochzeitsplanerin Denise Stock von »Two Hearts and Co« sieht aber auch in der Erfahrung mit der Coronakrise einen Grund. Abstandhalten, Social Distancing und Ausgehverbote haben bei vielen Menschen dazu geführt, zu überdenken, wen sie wirklich dauerhaft in ihren Leben haben wollen. Viele hätten nach der Pandemie ihren Freundeskreis reduziert. Nun traue man sich auch beim Heiraten, »Nein« zu den Erwartungen anderer zu sagen. »Nein« zu den Dingen, die man eigentlich nicht tun will und nur für andere gemacht hat.
Nachvollziehbar. Auf je mehr Hochzeiten ich Gast bin, desto weniger hab ich Lust auf meine eigene. Die ganzen Veranstaltungen wirken schon beim zuschauen furchtbar stressig. Man bereitet sich monatelang auf den Termin vor, gibt Unsummen aus und dann fliegt der Tag vorbei, weil man von Programmpunkt zu Programmpunkt hetzt und am Ende fällt man totmüde ins Bett und hat nichts von einer eigenen Hochzeit mitbekommen.
So machen das meine Verlobte und ich nächstes Jahr 🙂
Haben wir vor zwei Jahren auch gemacht. Zu zweit aufs Standesamt, reicht. Das gesparte Geld in den Urlaub investiert 🥳👌
Nachvollziehbar. Die letzten 4 Hochzeiten in meiner Umgebung waren 2x komplett allein und 2x strikt auf unter 30 Personen begrenzt. Und in allen Fällen eher sparsam, d.h. mit Gesamtkosten unter 1.000 Euro.
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Find ich vernünftig. Jede Generation muss für sich selbst Traditionen hinterfragen und ändern und die Hochzeit war klar überfällig. Gerade auch weil ja das kirchliche immer mehr aus der Mode fällt und schon rein Standesamtlich durchgeführt wird.
Wie lost muss man eigentlich sein, um für das “Elopement” noch einen Weddingplaner zu brauchen?
Kann denn nicht irgendeiner an die Hochzeitsabhängigen Beschäftigten denken? /s
Wäre jetzt nicht unbedingt meine Methode der Wahl, aber eine klassische Hochzeit auch nicht.
Ich würde es so machen wie ein Bekannter von mir: Für den war es die zweite Hochzeit, für seine Frau auch. Die haben auf ihrem Bauernhof einfach einen Spanferkelgrill aufstellen lassen (inkl Grillmeister und Spanferkel irgendwas um die 500€) Bierzeltgarnituren aufgestellt (ausgeliehen bei der Gemeinde gegen eine Spende), einige Kisten Getränke geholt (ca. 300€) und den Gästen gesagt, dass sie statt Geschenken lieber Salate, Beilagen, Nachtische etc mitbringen sollen. Dresscode “wie es passt”. Auf dem Bauernhof konnte man dann natürlich auch noch super Outdoor-Spiele spielen.
Das war zum einen die entspannteste Hochzeit auf der ich bisher war, und das Essen war mit Abstand am besten.
Ein besserer Trend wäre, gar nicht zu heiraten. Die Ehe ist ein Fossil
Hätte ich auch am liebsten gemacht. Kann ich nur empfehlen. Oder ganz klein nur mit Eltern feiern (sofern man sie denn leiden kann).
Ein Hochzeitsplaner um nach dem Termin beim Standesamt Urlaub zu machen. Einfacher Geld verdienen wird schwierig.