Warum Deborah Feldman ihren Freundeskreis halbierte: „Jüdischsein in Deutschland ist wie ein Varieté in der 250. Vorstellung“

by vestingz

4 comments
  1. Sehr interessantes Interview, danke!

    >In meinem privaten jüdischen Leben fühle ich mich sehr wohl und frei in Deutschland, nur das öffentliche Judentum ist ein Zerrbild.

    Nur um die kantige Überschrift zu relativieren.

  2. *”Ich finde es problematisch, dass Identitäten heute keine Fußnoten mehr sind, sondern immer stärker als Gegenüber-Positionierung fungieren, wie Cliquen.”*

    *”****Wird Identität heute zu viel Bedeutung beigemessen?***
    *Ich würde schon sagen, dass es eine fundamentalistische Tendenz gibt, Individualität zugunsten von Gruppenmerkmalen aufzuopfern.”*

    Das kann man verbreitet durchweg erkennen. Livebeispiele sind auf Twitter zu finden. Meine Zeit liegt schon eine Weile zurück, aber da wurde oftmals *nach dem Mund geredet* um ja nicht aufzufallen und plötzlich unter Kritik zu stehen – um Teil der Gruppe zu bleiben. Und es ist schwerer als man denkt, schon ein Fehltritt – sei es auch nur ein differenzierter Kommentar – und schon kam die Schelte auf einen ein.

    Es ist dann so ein wenig verbohrt. Anstatt das man sich dann mit der Aussage/dem Inhalt auseinandersetzt, hat man bereits ein Urteil gefallen und nicht selten *Persona non grata*.

    Viel Schauspiel ist da draußen unterwegs.

  3. São Paulo ist für mich in dem Kontext eine sehr interessante Metropolregion. Auf der einen Seite gibt’s sehr viele Identitäten, die aus europäischer und aus nordamerikanischer Sicht gleichzeitig sehr widersprüchlich sind. Auf der anderen Seite existieren einzigartige Kulturzentren wie das SESC Pompéia oder das SESC 24 de Maio, welche von der gesamten Zivilgesellschaft mitgetragen und gemeinsam genutzt werden. Darüber hinausgehend betrachten sich zudem viele Bürger als Paulistanos.

    Die Widersprüche in São Paulo rühren daher, dass sich die Identitäten im Zeitverlauf oftmals weiter entwickelt haben. Häufig sind japanische, deutsche oder koreanische Restaurants in São Paulo etwas anders als in Japan, Deutschland oder Korea, jedoch oftmals auf eine gute Art und Weise.

    Gerade die Ansicht von unveränderlichen Identitäten aus einem stereotypen Blickwinkel heraus führen zu Eindrücken wie bei Deborah Feldmann.

  4. >Kein Politiker kann hierzulande Karriere machen, ohne sich als Förderer des Judentums zu präsentieren, also braucht man dringend passendes jüdisches Leben. 

    Der letzte OB Frankfurts, Peter Feldmann, ist Jude. Er hat das weder während der Wahlkämpfe und bei der ersten Wahl 2012 galt er als chancenlos gegen Boris Rhein, noch in seinen Amtszeiten, an die große Glocke gehängt. Obwohl er die Möglichkeit gehabt hätte, das war Thema in allen großen liberalen Zeitungen, von der Haaretz bis zur NYT, erster jüdischer Bürgermeister einer deutschen Großstadt seit Jahrzehnten. Frau Feldmann pauschalisiert hier ziemlich.

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