Bei der Zeit jammert man also in Woche 1 über den Ärztemangel und in Woche 2 beschwert man sich, dass nicht mehr Leute an
Untersuchungen teilnehmen, die vermutlich nichts für die Lebenserwartung erreichen, aber das Gesundheitssystem weiter belasten.
Dass die Autoren der dort zitierten Studie “Nichtwissen” als Grund für die Nichtteilnahme anführen, ist dann die Krönung.
Noch eine technische Anmerkung: Gezeigt werden hier zum Teil “ecological correlations”. Also Korrelationen von Daten, die ihrerseits bereits
Mittelwerte von feiner aufgelösten Daten sind. Durch die Unterdrückung der Varianz in diesen gemittelten Daten sind diese
Korrelationen tendenziell stärker, als sie es auf der Ebene von einzelnen Personen etwa wären. Da mein “Argument” aber eher auf der
Abwesenheit von Korrelationen fußt, kommt mir das höchstens zusätzlich gelegen.
Was ist das, ein Post für Ameisen?
Viele Zahlen. Ich hab da keinen Überblick mehr.
Ich kann berichten, die Leute werden viel unselbstständiger. Der Anteil der Patienten mit Lappalien ( Papierschnitt, Mückenstich, Muskelkater) ist viel größer geworden in den letzten Jahren und die Patienten sind häufig relativ jung. Seit Corona, wo die Krankenhausbesuche der Normalpatienten deutlich zurück gegangen ist, haben wir aktuell (Mittelgroße Stadt, Ballungsgebiet) fast doppelt so viele Patienten wie vor Corona.
Und wie immer ist die quartalsweise Abrechnung der absolute Humbug. In welchem anderen Beruf wird man bei zweiter Inanspruchnahme in einem Quartal für die dann notwendige Arbeit einfach pauschal nicht bezahlt.
Sind Blutbilder denn eine Kassenleistung? Ich werde mir die Vorsorgeuntersuchung und die kostenlose Hodenmassage mal vormerken, danke für die Erinnerung!
Könntest du den Post nicht mal mit ChatGPT Zusammenfassen?
Was zur hölle ist das für eine Darstellung? Wie soll man da noch den Überblick behalten…
Die Schlussfolgerung ist doch aber auch nicht belegt, dass das Gesundheitssystem so überbeansprucht sei, dass so eine niedrige Lebenserwartung bei rauskommt. Das ist, sorry, ziemlich miese Wissenschaft.
Ich würde erstmal gerne sehen, wie sich die Lebenserwartung zwischen Ein- und Auswanderungsländern verhält, bei ersteren fällt nämlich Geburten- und Kindersterblichkeit massiv weg.
Und dann würde ich das ganze auch gerne nach Raucherquote und Alkoholkonsum normalisieren und schließlich müsste man auch noch Dinge wie Hitzetode und Verkehrsunfälle und Übergewicht usw betrachten.
Das alles hat massive Auswirkung auf die Lebenserwartung, ohne, dass da das Gesundheitssystem viel ausrichten kann.
Ich schätze den Aufwand, den du in das Thema investiert hast. Leider leider die Leserlichkeit unter dem Format und das wird einige abschrecken. Vor Allem bei den 6 kleineren Grafiken hast du 3 farbige Punkte, aber welches davon D, A & CH repräsentiert, ist für mich nicht ersichtlich.
Dass die Lebenserwartung niedrig sei höre ich ehrlich gesagt zum ersten Mal (liegt aber vermutlich an mir). Ich glaube das größte Problem, dass die meisten deutschen haben, sind die langen Wartezeiten und die hohen Kosten.
Was ich much frage: Ist es in den anderen betrachteten Ländern auch üblich für kurze Erkrankungen einen Arzt aufzusuchen für eine Krankschreibung?
Ich vermute diese Art Arztkontakt tut rein gar nichts für die Gesundheit der Bevölkerung, stellt aber bei einem großen Teil der arbeitenden Bevölkerung die einzigen Arztkontakte da.
9 comments
Quellen (bedenken, dass teilweise auch Nicht-OECD-Länder in den OECD-Datensätzen stehen):
Arztbesuche: https://data.oecd.org/healthcare/doctors-consultations.htm
KH-Entlassungen: https://data.oecd.org/healthcare/hospital-discharge-rates.htm
Influenza-Impfungen: https://data.oecd.org/healthcare/influenza-vaccination-rates.htm
Praktizierende Ärzte (nicht Forschung/Verwaltung): https://data.oecd.org/healthres/doctors.htm
Bevölkerung über 65: https://data.oecd.org/pop/elderly-population.htm
Lebenserwartung: https://data.oecd.org/healthstat/life-expectancy-at-birth.htm
Review-Paper zu Kontaktdauer: https://bmjopen.bmj.com/content/7/10/e017902
Erläuterungen zur Kontakte-Statistik (Download): http://stats.oecd.org/wbos/fileview2.aspx?IDFile=587d7574-6ed6-4408-9c32-481d322936e6
Barmer-Report (insb. S. 48-50, 56ff.): https://www.barmer.de/resource/blob/1026970/0b4f90cb97f8b72206127d2b66507b89/barmer-gek-arztreport-2010-data.pdf
Erwähnter Zeit-Artikel: https://www.zeit.de/gesundheit/2023-09/health-report-voruntersuchungen
Ich empfehle dazu https://www.zeit.de/2023/38/aertzemangel-ruhestand-praxen-fachkraeftemangel von nur einer Woche vorher.
Insbesondere das Diagramm zur Ärztedichte ist nicht weniger als eine manipulative Unverschämtheit (man vergleiche mit der Quelle oben).
Ergänzende Lektüre: https://np.reddit.com/r/dataisbeautiful/comments/16lymi6/oc_life_expectancy_vs_health_expenditure/
Wer nicht versteht, was der letzte Absatz genau aussagen soll:
Es gibt keinen Beleg, dass Hodenkrebsscreenings nützlich wären: https://www.iqwig.de/download/ht18-01_screening-for-testicular-cancer_extract-of-hta-report_v1-0.pdf
Und es wird zum Teil explizit davon abgeraten: https://www.uspreventiveservicestaskforce.org/uspstf/recommendation/testicular-cancer-screening
Es gibt keinen Beleg, dass Hautkrebsscreenings nützlich wären: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK65861/
https://www.gesundheitsinformation.de/wie-sinnvoll-ist-die-hautkrebs-frueherkennung.html (vom IQWiG)
Und zu Blutbildern, Blutdruckmessungen und diversem anderen anlasslosen Tinnef:
https://www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD009009.pub3/full
Bei der Zeit jammert man also in Woche 1 über den Ärztemangel und in Woche 2 beschwert man sich, dass nicht mehr Leute an
Untersuchungen teilnehmen, die vermutlich nichts für die Lebenserwartung erreichen, aber das Gesundheitssystem weiter belasten.
Dass die Autoren der dort zitierten Studie “Nichtwissen” als Grund für die Nichtteilnahme anführen, ist dann die Krönung.
Noch eine technische Anmerkung: Gezeigt werden hier zum Teil “ecological correlations”. Also Korrelationen von Daten, die ihrerseits bereits
Mittelwerte von feiner aufgelösten Daten sind. Durch die Unterdrückung der Varianz in diesen gemittelten Daten sind diese
Korrelationen tendenziell stärker, als sie es auf der Ebene von einzelnen Personen etwa wären. Da mein “Argument” aber eher auf der
Abwesenheit von Korrelationen fußt, kommt mir das höchstens zusätzlich gelegen.
Was ist das, ein Post für Ameisen?
Viele Zahlen. Ich hab da keinen Überblick mehr.
Ich kann berichten, die Leute werden viel unselbstständiger. Der Anteil der Patienten mit Lappalien ( Papierschnitt, Mückenstich, Muskelkater) ist viel größer geworden in den letzten Jahren und die Patienten sind häufig relativ jung. Seit Corona, wo die Krankenhausbesuche der Normalpatienten deutlich zurück gegangen ist, haben wir aktuell (Mittelgroße Stadt, Ballungsgebiet) fast doppelt so viele Patienten wie vor Corona.
Und wie immer ist die quartalsweise Abrechnung der absolute Humbug. In welchem anderen Beruf wird man bei zweiter Inanspruchnahme in einem Quartal für die dann notwendige Arbeit einfach pauschal nicht bezahlt.
Sind Blutbilder denn eine Kassenleistung? Ich werde mir die Vorsorgeuntersuchung und die kostenlose Hodenmassage mal vormerken, danke für die Erinnerung!
Könntest du den Post nicht mal mit ChatGPT Zusammenfassen?
Was zur hölle ist das für eine Darstellung? Wie soll man da noch den Überblick behalten…
Die Schlussfolgerung ist doch aber auch nicht belegt, dass das Gesundheitssystem so überbeansprucht sei, dass so eine niedrige Lebenserwartung bei rauskommt. Das ist, sorry, ziemlich miese Wissenschaft.
Ich würde erstmal gerne sehen, wie sich die Lebenserwartung zwischen Ein- und Auswanderungsländern verhält, bei ersteren fällt nämlich Geburten- und Kindersterblichkeit massiv weg.
Und dann würde ich das ganze auch gerne nach Raucherquote und Alkoholkonsum normalisieren und schließlich müsste man auch noch Dinge wie Hitzetode und Verkehrsunfälle und Übergewicht usw betrachten.
Das alles hat massive Auswirkung auf die Lebenserwartung, ohne, dass da das Gesundheitssystem viel ausrichten kann.
Ich schätze den Aufwand, den du in das Thema investiert hast. Leider leider die Leserlichkeit unter dem Format und das wird einige abschrecken. Vor Allem bei den 6 kleineren Grafiken hast du 3 farbige Punkte, aber welches davon D, A & CH repräsentiert, ist für mich nicht ersichtlich.
Dass die Lebenserwartung niedrig sei höre ich ehrlich gesagt zum ersten Mal (liegt aber vermutlich an mir). Ich glaube das größte Problem, dass die meisten deutschen haben, sind die langen Wartezeiten und die hohen Kosten.
Was ich much frage: Ist es in den anderen betrachteten Ländern auch üblich für kurze Erkrankungen einen Arzt aufzusuchen für eine Krankschreibung?
Ich vermute diese Art Arztkontakt tut rein gar nichts für die Gesundheit der Bevölkerung, stellt aber bei einem großen Teil der arbeitenden Bevölkerung die einzigen Arztkontakte da.