Bedrohte AfD-Chefin Weidel machte Urlaub auf Mallorca

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11 comments
  1. Spiegel online vom 4.10.23

    Abgesagter Auftritt

    Angeblich bedrohte AfD-Chefin Weidel machte Urlaub auf Mallorca

    Am Tag der Deutschen Einheit blieb AfD-Chefin Alice Weidel einer Wahlkampfveranstaltung fern: Wegen eines Vorfalls sei sie »an einen sicheren Ort verbracht« worden, hieß es. Nun kam heraus, wo sie sich aufhielt.

    Am Tag der Deutschen Einheit sollte Alice Weidel eigentlich einen wichtigen Wahlkampfauftritt absolvieren. Vorgesehen war die AfD-Co-Chefin als Hauptrednerin in Mödlareuth – einem Ort, der sowohl in Bayern als auch in Thüringen liegt und durch den einst die Grenze zwischen Ost- und Westdeutschland verlief. Der Termin sollte der Höhepunkt des AfD-Wahlkampfs in Bayern sein, im Freistaat wird am 8. Oktober gewählt.

    Wer nicht auftauchte, war Alice Weidel.

    Stattdessen erschien ein AfD-Vertreter auf der Bühne und verkündete eine schockierende Nachricht. »Am vergangenen Wochenende gab es einen sicherheitsrelevanten Vorfall bei Frau Weidel«, sagte er mit ernster Miene. »Sie und ihre Familie wurden von der Polizei aus ihrer privaten Wohnung evakuiert und an einen sicheren Ort verbracht, da sich die Hinweise verdichteten, dass auf sie ein Anschlag inklusive Familie geplant wird.«

    Und weiter: »Sie darf nicht aus diesem Safehouse raus, sie muss untergetaucht bleiben bis auf Weiteres«, erklärte der AfD-Mann dem Publikum. Dann wurde eine Videobotschaft Weidels an die »lieben Freunde in Bayern« abgespielt: »Ich würde nichts lieber tun, als heute bei euch zu sein, aber ich kann es leider nicht.«

    Die Szene wirkte, als würde Weidel ihre Botschaft direkt aus einem Safehouse der Polizei senden, also einem geschützten Versteck der Sicherheitsbehörden. Tatsächlich weilte sie zum Zeitpunkt des Wahlkampfauftritts auf der Ferieninsel Mallorca.

    Nach SPIEGEL-Informationen wurde Weidel am Nachmittag des 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, in einer Ortschaft an der mallorquinischen Ostküste in einem Strandrestaurant gesehen – im Urlaub am Meer, gemeinsam mit ihrer Lebensgefährtin.

    Auf SPIEGEL-Anfrage bestätigte Weidels Büro am Mittwoch den Urlaubsaufenthalt der AfD-Chefin. »Es ist korrekt, Frau Weidel hat sich mit ihrer Familie zum besagten Zeitpunkt auf Mallorca aufgehalten«, so Weidels persönlicher Sprecher. Allerdings habe es zuvor tatsächlich einen sicherheitsrelevanten Zwischenfall gegeben – am 23. September, also zehn Tage vor dem abgesagten Wahlkampfauftritt.

    Nach dem »doch sehr aufrührenden Ereignis vom 23. September« sei die Familie der Empfehlung gefolgt, »einige Zeit ihrer häuslichen Umgebung fernzubleiben, welche ein mutmaßliches Anschlagsziel war«, so ihr Sprecher. Frau Weidel habe sich »nach den bedrohlichen Eindrücken dafür entschieden, bei ihrer Familie zu sein«. Sie habe sich »aus Sicherheitsgründen dagegen entschieden, ihren Aufenthaltsort zu kommunizieren«.

    SPIEGEL-Fragen, seit wann Weidel auf Mallorca weilte, ob sie sich noch immer dort aufhält und seit wann der Urlaub auf der spanischen Ferieninsel geplant war, ließ Weidels Sprecher hingegen unbeantwortet. Genau wie die Frage, wie der Mallorca-Trip inklusive Besuch eines öffentlichen Strandrestaurants mit der angeblichen Bedrohungslage gegen ihre Person und den damit verbundenen Sicherheitsmaßnahmen vereinbar ist.

  2. Zu der Sache wird jetzt die Ablenkungskampagne „Chrupalla im Krankenhaus“ gefahren:

    „ Die AfD spricht von einem “tätlichen Vorfall”; was genau passiert ist, ist noch unklar. Am Dienstag hatte Co-Parteichefin Weidel einen Auftritt angeblich wegen einer Gefährdung abgesagt. Sie hält sich, wie nun bekannt wurde, auf Mallorca auf. (…)

    Der AfD-Bundesvorsitzende Tino Chrupalla ist am Rande einer Wahlkampfkundgebung in Ingolstadt in ein Krankenhaus eingeliefert worden. Nach Angaben der Partei habe es einen “tätlichen Vorfall” gegeben, weshalb Chrupalla in die Klinik gebracht wurde. Seinem Büro zufolge werde er dort intensivmedizinisch überwacht, er sei den Umständen entsprechend stabil und ansprechbar. Dies sei alles, was man dazu aktuell veröffentlichen könne.

    Die Polizei Ingolstadt teilte am Abend mit, dass der Bundestagsabgeordnete noch vor Beginn seines Redebeitrags auf dem Theaterplatz hinter der Bühne medizinisch versorgt werden musste, “wobei eine offensichtliche Verletzung zu diesem Zeitpunkt nicht erkennbar war”, heißt es in einer Pressemitteilung. “Um die näheren Umstände dieses medizinischen Vorfalls abzuklären, wurden die weiteren Ermittlungen durch die Kriminalpolizeiinspektion Ingolstadt übernommen.” Ein Polizeisprecher sagte, man wolle ermitteln, ob Dritte für den Vorfall verantwortlich sein könnten. Es gebe aber keine Hinweise auf einen Angriff. Zuerst hatte der Donaukurier über den Vorfall berichtet.„

    SZ vom 5.10.23

  3. Warum muss ich unwirkürlich an den Reichstagsbrand denken?

    Nazis tun Nazi-Dinge amk.

  4. So schlimm ist es im linksgrünen Deutschland, dass die Alice nach Malle flüchten muss und der Tino mit dem Fahrrad ins Krankenhaus fällt. O tempora, o mores! Was kommt wohl als nächstes? Opa Gauland verliert beim Baden mal wieder seine Klamotten?

  5. Schade, dass man nicht mehr erfährt. 😞
    Bestimmt klärt sich das erst nach den Wahlen auf.

  6. Tja, dass man lieber Urlaub auf Malle macht, statt vor Ort Wahlkampf, ist halt nichts, womit man die eigenen Anhänger aufstacheln kann. Da greift man halt lieber zur Opferrolle…

  7. Nazis inszenieren Gewalt gegen sich selber. Nächstes beelendendes Feldchen, das man auf der “Geschichte wiederholt sich”-Agenda abkreuzen kann.

  8. Im Fall Weidel kommt ja jetzt immer mehr Licht ins Dunkel.

    Vorab, egal wie sehr man gegen eine Partei oder ein Gedankengut ist, Gewalt sollte nie das Mittel zur Wahl sein.

    Nun da das gesagt ist, gab es ja wohl tatsächlich in den letzten 2-3 Wochen arge Bedenken das Weidel einer möglichen Bedrohung ausgesetzt ist, das kann man zumindest ableiten wenn die Daten der Schweizer Kantonspolizei zum 23.September verlässlich sind, welche u.a. eben dem Spiegel vorliegen. (Warum sollten sie es nicht sein)

    Demnach war jegliche Gefahrenlage am 29.9 auch schon “abgeklungen” so zumindest im Plenarprotokoll des Bundestages vermerkt, da sie an einer Sitzung jenes Bundestages teilnahm.

    Intern hielt man es aber wohl für eine gute und clevere Idee das ganze hoch zu kochen und an die Medien zu stecken, denn “Eine Spitzenpolitikern in Deutschland muss untertauchen, da sie und ihre Familie in Gefahr ist” kommt einfach gut, Kleinwächter hat das ganze aber noch größer gemacht und von irgendwelchen Safehouses gesprochen. Der erste Punkt an sich wäre ja noch abkaufbar gewesen, u.a. auch ein Grund warum man im Ausland ist, ja auch Malle wäre hier denkbar, aber dann halt von Safehouses und Hausarrest zu sprechen kommt selten dämlich.

    Am Ende sind wird dann jetzt wohl beim Punkt angekommen an welchem Rechte tatsächlich Gewalt gegen sich selbst inszenieren, mal wieder ein Punkt der abgehakt werden kann in der “Geschichte wiederholt sich” Tabelle.

    Wie gesagt, wenn sie wirklich bedroht worden ist, geht das gar nicht egal wie sehr man sie oder die AfD verachtet, denn das gießt nur weiter Öl ins Feuer und sorgt dafür dass die AfD sich in die Opferrolle stellen kann. Das ganze aber so zu inszenieren und zu faken, dass sich sogar das BKA welches u.a. mit dem Personenschutz von MdBs beschäftigt dazu äußert und klar stellt das es zu keiner Zeit eine reale Gefahr gab, setzt dem ganzen die Krone auf. Leider wird das leise verstummen und macht mir persönlich nur noch mehr Angst für die Zukunft.

    Für Chrupalla gilt übrigens ähnliches, das BKA weiß nichts zu einem angeblichen Angriff, aber laut AfD ist es ja sehr schlimm und hier gilt selbiges wie bei Weidel. Gewalt ist keine Lösung und ist nur positiv für die AfD.

  9. Eine funktionierende Demokratie hat ihren eigenen Killswitch eingebaut. Und es passiert immer wieder, dass Agenten auftreten, die ihn drücken wollen. Dies bedeutet: Wahlen gewinnen, dann Demokratie abschaffen.

    Die Kraft der Demokratie liegt darin, neue Ideen, die vom Rand kommen, aufzusaugen und zu integrieren. Wenn aber jemand auftaucht, der prinzipenlos ist und ausschließlich das Instrument der politischen Lüge nutzt, wie die Führungsriege der AfD, kann das gar nicht integriert werden. Dann schützt die Demokratie nur, wenn die Mehrheit nicht indifferent wird.

    Wenn man sich ansieht, für was die Parteiführung der AfD seit ihrer Gründung alles gestanden hat (Teuro, Goldhandel, Anti-EU), ist das vollkommen beliebig. Bedauerlicherweise wird man die AfD-Anhänger davon, dass sie von der Partei, der sie zuneigen, am meisten über‘s Ohr gehauen werden, nicht überzeugen können. Denn die AfD rahmt das so ein, dass doch „alle“ unehrlich seien. Dieses Gefühl, dass jedenfalls auch die Angehörigen der anderen Parteien „unehrlich“ sind, hat mehr damit zu tun, dass die Politik sich eben um alles zugleich kümmern muss und Interessensausgleich bedeutet, dass niemand 100% bekommt. Das rechtfertigt keinen Ekel vor demokratischen Prozessen, den die AfD kultiviert. Jedenfalls kann man wohl von anderen Parteivertretern erwarten, dass Prinzipien – jenseits des reinen Machtwillens – die Bemühungen irgendwie doch steuern.

    Ein gutes Beispiel dafür, dass doch jemand aufrichtig nachdenkt, war kürzlich der Moment, als Herr Laumann aus NRW mal sechs Minuten Zeit hatte, seine Überlegungen zum Umgang mit den Flüchtlingen zu äußern:

    https://www.sueddeutsche.de/politik/cdu-laumann-fluechtlinge-migration-asyl-1.6264479

    Zu solchen Erläuterungen bleibt oft keine Zeit. Und es hilft auch nicht, dass der Merz selber die Bedrohungswahrnehmung aktuell so schlagzeilenheischend kultiviert.

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