Sozialleistungen als Pull-Faktor? Zieht Deutschlands Sozialstaat Migranten an?

by ReadSomeEngels

8 comments
  1. …Auf diese Weise wurde in den vergangenen Wochen ein bestimmtes Bild von Flüchtlingen gezeichnet oder auch bedient. Das Bild von Menschen, denen es in erheblichem Maße darum gehe, Sozialleistungen, auch in Form von Bargeld, abzuschöpfen. Wenn dies nicht mehr möglich sei, so der Schluss, dann seien entscheidende Pull-Faktoren beseitigt und Deutschland für sie als Fluchtort nicht mehr so interessant.Erstaunlich ist, dass niemand nachgefragt hat, auf welche Grundlagen sich die genannten Politiker bei ihrem Kausalschluss „Deutscher Sozialstaat zieht Flüchtlinge an“ eigentlich beziehen. Woher haben sie ihre Erkenntnisse?

    Die F.A.S. hat sich erkundigt, und das Ergebnis ist überraschend: Sie können keine Grundlagen benennen. Die CSU im Bundestag antwortet auf eine entsprechende Nachfrage zu den Äußerungen Dobrindts so: „Die Fakten sprechen eine eindeutige Sprache.“ Und zählt dann zwei dieser Fakten auf. Einmal: „Die Zahlen steigen in Deutschland weit überdurchschnittlich.“ Und zweitens: „Flüchtlingshelfer berichten, dass der Wunsch, schnell einen deutschen Pass zu bekommen, weit verbreitet ist.“ Beide Fakten sind reine Ist-Beschreibungen, sie erklären keine Zusammenhänge.

    Aus der CDU-Landtagsfraktion in Baden-Württemberg meldet sich der Sprecher telefonisch und macht klar, dass die Verknüpfung zu den Sozialleistungen nicht ganz eindeutig sei, es aber „Korrelationen“ gebe, er würde noch ein, zwei Studien schicken – trotz Nachfrage schickt er danach allerdings nichts mehr.

    Nachfrage bei der Pressestelle der FDP: Worauf stützt sich Generalsekretär Bijan Djir-Sarai eigentlich, wenn er sagt, dass Deutschland keine Anreize schaffen dürfe, sich auf den Weg nach Europa zu machen? Als Antwort wiederholt die Pressestelle die Behauptung. Auf die Bitte, die gestellte Frage zu beantworten, kommt auch hier keine Antwort mehr.

  2. > Wenn Menschen befragt würden, was ihnen wichtig in einem Zielland ist, nennen sie „zuallererst Rechtsstaatlichkeit und Humanität, dann das Bildungssystem und das Gefühl, willkommen zu sein“.

    Dann sollte sich die Migrationsthematik in den nächsten Jahren ja von selbst lösen.

  3. > Nachfrage bei der Pressestelle der FDP: Worauf stützt sich Generalsekretär Bijan Djir-Sarai eigentlich, wenn er sagt, dass Deutschland keine Anreize schaffen dürfe, sich auf den Weg nach Europa zu machen? Als Antwort wiederholt die Pressestelle die Behauptung. Auf die Bitte, die gestellte Frage zu beantworten, kommt auch hier keine Antwort mehr.

    Classic.

    Aber ich bin positiv überrascht, ein gut recherchierter Artikel zu einem Stammthema der Populisten, der auch recht bissig mit den bürgerlich-konservativen Parteien umgeht, und das bei der FAZ.

    An sich ist doch diese Idee der verschiedenen, durchs Dorf getriebenen “Pull-Faktoren” recht überaltet, z.B. hält auch die Idee der [Seenotrettung als Pull-Faktor einer Untersuchung nicht stand](https://www.dezim-institut.de/presse/presse-detail/kein-pull-effekt-durch-seenotrettung/)

  4. Korrigiert mich, aber war es nicht gerade erst in den Nachrichten, dass Ukraineflüchtlinge nach Deutschland weiter gezogen sind, weil die Sozialleistungen in anderen Ländern unzureichend waren oder sogar gekürzt wurden?

  5. Egal wie viel ein Asylant kriegt, in Europa zu leben ist nun mal schöner als in den meisten Herkunftsländer, das ist einfach keine Diskussion.

    Egal wie viel man ihnen gibt, am ende Wählen die meisten Bürger rechts weil zu viel -> MEINE STEUERN! zu wenig -> mehr Kriminalität.

    Ich bin immernoch der Meinung man müsse in AFrika ein Stück land kaufen und dort “Deutschen” Boden haben. Dann beschaft man sich essen und sonstiges direkt aus den anliegenden Länder für weniger und kann dennoch die Leute gut versorgen. Und wenn man sich dort benimmt, dann kann man vielleicht nach Deutschland/EU.

  6. Dann müssten in Ostdeutschland durch günstigere Preise ja besonders viele Migranten sein…

  7. Das “Problem”: Deutschland ist als Gesamtpaket gar nicht so schlecht, wie es immer von uns selbst herbeigeredet wird. Infrastruktur, gesundheitliche Versorgung, sozialsystem, Arbeitsmarkt, Preisniveau, Wohnungsmarkt, Sicherheit. In keinen der Bereiche ist Deutschland wirklich führend aber auch nicht schlecht, sodass das Gesamtpaket passt. Das Wetter ist es mit Sicherheit nicht, das die Leute anlockt. Wir schieben auch kaum ab, wenn also der Erstantrag in Deutschland gestellt wird hat man fast schon ein sicheres bleiberecht. In anderen Ländern bekommen abgelehnte Asylbewerber auch keine Möglichkeit mehr an Sozialleistungen in dem Umfang wie in Deutschland zu kommen. Wie in dem Artikel schon erwähnt die Leute sind ja nicht dumm.

  8. Es ist erstaunlich, wie die Meinungen “von Bürgergeldsätzen kann man in Deutschland nicht leben” und “Ausländer kommen nach Deutschland wegen der tollen Sozialleistungen und schicken davon noch Geld in die Heimat” nebeneinander existieren.

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