Verschwörungsmythen bei Landwirtstreffen: Bauern flirten mit Rechtsradikalen

by Xizorfalleen

10 comments
  1. > Dass viele Bauern landwirtschaftspolitisch eher rechts ticken, ist nichts Neues: Sie sind zum Beispiel gegen Regeln, die Empfänger von Agrarsubventionen zu mehr Umweltschutz verpflichten. Nun aber haben bekannte Landwirte gezeigt, dass sie sich auch sonst rechtsradikalem Gedankengut annähern: bei einer Veranstaltung mit dem Titel „Bauern tot – alle in Not“ Mitte September an einem unbekannten Ort in der Nähe von Berlin.

    > Man traf sich unter geradezu konspirativen Umständen in einer Halle mit Strohballen und Mistgabeln auf der Bühne. Der genaue Ort und die Veranstalternamen wurden nicht offiziell veröffentlicht, weder auf der Einladung noch in dem Video, das Beteiligte bei Youtube hochgeladen haben. Doch dort war zu sehen, dass radikale Rechte wie Hans-Georg Maaßen – von 2012 bis 2018 Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz – oder der Buchautor Markus Krall offensiv um die Landwirte werben. Und wie aufgeschlossen manche für solche Avancen sind.

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    > Maaßen biederte sich bei den Bauern zunächst mit fachpolitischen Plattitüden an: „Ich lehne die Landwirtschaftspolitik dieser ökosozialistischen Bundesregierung ab“, sagte er.

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    > Applaus bekam Maaßen auch für den Satz: „Ich bin ein Ketzer und ich glaube nicht an den menschengemachten Klimawandel.“ Die Begründung dafür sollte Klaus Ermecke liefern, ein Diplomkaufmann, der mit seinem Vortrag Tausende Physiker, Klimawissenschaftler und andere Forscher des Betrugs überführen wollte. „Wenn Sie mit der Hand kalte Luft spüren, ist das das Ergebnis davon, dass die Treibhausgase gerade die Luft gekühlt haben. So ist das“, sagte Ermecke. Also könnten sie nicht die Erde erwärmen.

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    > Noch krassere Desinformation verbreitete die ehemalige DDR-Bürgerrechtlerin Angelika Barbe. „Wir leben in einer faschistischen Diktatur“, sagte sie und erntete Applaus. „100 Städte wollen bis 2030 Fleisch, Milchprodukte und private Autos verbieten.“ Berlin habe „das 2019 heimlich unterschrieben“.

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    > Dann wetterte Barbe mit haltlosen Behauptungen gegen die Corona-Impfung. „Man hat diesen Covid-Impfstoff so prädestiniert, dass er die Möglichkeit hat, die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden und unsere Denkfähigkeit anzugreifen … Den Menschen vergeht dann die Möglichkeit, wieder neu zu denken.“

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    > Ob es für die Bauern nützlich ist, solchen Rattenfängern hinterherzulaufen? Krall hat öffentlich gefordert, Empfänger von staatlichen Transferleistungen wie Sozialhilfe, aber auch von Subventionen das Wahlrecht zu entziehen. Das verschwieg er jedoch vor den Bauern, denn deren Betriebe beziehen laut Bundesagrarministerium rund die Hälfte ihres Einkommens aus staatlichen Hilfen wie den EU-Agrarsubventionen.

  2. Das ist leider, in unserem System, vorprogrammiert.

    1. Aus Klimaschutz- und Umweltgründen muss die Landwirtschaft und viele damit zusammenhängende Prozesse in den nächsten Jahrzehnten ständig reformiert und angepasst werden. Zusätzlich droht ständig die scheinbare “Gefahr” für die Bäuer:innen, dass grüne Politiker:innen oder die EU auf die Idee kommen könnten die Haltebedingungen für Tiere zu verbessern. (Beides mehr als notwendig!)

    2. Menschen haben Sorge vor allem was ihre bisherige Lebensgrundlage verändert oder gar in´s Wackeln zu bringen scheint, oder schlichtweg mit Aufwand und Änderung für sie verbunden ist.

    3. Die Rechten stellen sich geschlossen gegen jegliche Änderung und Anpassung im Bereich des Umgangs mit der Umwelt und Tieren. Als Bonus stellen sich diese Rechten auch gegen alle möglichen progressiven Gesellschaftsentwicklungen, was bei so mancher Person, die ländlicher und konservativer sozialisiert worden ist, Bonuspunkte einbringt.

    4. Deshalb werden Bäuer:innen und Rechte stetig weiter zusammenwachsen.

  3. Allein von der Überschrift: Ich weigere mich die Information aufzunhemen. ALLE Bauern sind jetzt also die bösen? Ist das nicht genau was das Land spaltet?

  4. „ Dass viele Bauern landwirtschaftspolitisch eher rechts ticken, ist nichts Neues: Sie sind zum Beispiel gegen Regeln, die Empfänger von Agrarsubventionen zu mehr Umweltschutz verpflichten.“

    Was ist das für ein Framing? Wie ist die Positionierung bei dem einem Thema gleich einer politischen Positionierung?

  5. Für Ideologen ist natürlich alles eine Frage des Glaubens, selbst wenn das Gegenteil mit Fakten bewiesen ist.

  6. Ich dachte kurz es ging um die größte Verschwörungsgruppe in der Landwirtschaft, die Biodynamie/Demeter, aber das ist bei der Taz natürlich nicht gemeint.

  7. Wenn wir die Grenzen in Europa abgeschafft haben brauchen wir eh keine Landwirtschaft mehr

  8. Im Westen nichts neues.

    Bauer und rechtsradikal sind miteinander austauschbare Begriffe

  9. Bei Bauern-Demos wird widerspruchslos das Symbol der Landvolkbewegung verwendet.. also nicht SOO überraschend

  10. Lustige Anekdote dazu. Wir haben hier auch einen Pferde/Bauernhof in dessen Nähe ich immer einen Bauer mit Hitlerbart und Frisur treffe. Der geht dann abends mit seinem Schäferhund (kein Witz) öfters um die Felder und grüßt natürlich nicht, sondern guckt nur grimmig.

    Der ist vielleicht so um die 30 und könnte als Hitlerimmitator durchgehen. Wie es auf dem Hof zugeht, will ich gar nicht wissen.

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