Moin,

jeden juckts in den Fingern, alle wollen wie blöd kaufen. Jetzt steckt eure Kreditkarten weg, setzt euch erstmal in Ruhe hin; wir machen nämlich ein TLDR ins Handelsrecht damit ihr nicht verarscht werdet.

Worum geht’s? Na um Fette Rabatte natürlich. Die Black Week, Black Fridays Cyber Mondays und was weiß ich was diverse Marketing Leute sich noch so einfallen lassen. **BIS ZU 50% RABATT!1!1!** Liest man oft und wundert sich, wieso es lediglich der übliche Marktpreis ist. Von *echten* Rabatten keine Spur.

Kunden, das sind wir, sollten auf drei magische Buchstaben achten. **UVP**, die Unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers an den Handel.

Die UVP hilft Shops eine Orientierung zu haben, was sie dem Kunden für Artikel X in Rechnung stellen können. Wichtig: dieser UVP wird einmalig, nämlich bei Erstveröffentlichung des Artikels vorgenommen und dann praktisch nie wieder aktualisiert. Das kann insbesondere bei Technik Artikel nach wenigen Monaten schnell zu überhöhten Preisen führen.

Dennoch ist die UVP sehr [sinnvoll](https://www.roll-pastuch.de/unverbindliche-preisempfehlung-uvp-was-ist-erlaubt-was-nicht/), da es bestimmte Vorgaben gibt die verhindern, dass ein Hersteller sagt “Jo dieser Plastikfernseher mit Röhre hat ein UVP von 1500€ viel Spaß beim verkaufen liebe Händler”. Sogenannte Mondpreise werden durch Regularien also ebenso verhindert wie Preisdruck nach unten.

Im Handelsrecht ist festgeschrieben, dass ein “Rabatt”, der Bezug auf den UVP nimmt verpflichtend als solcher gekennzeichnet werden muss.

Beispiel:

Sensung Hendi **150€, 50% Rabatt** ~~UVP: 300€~~

Super, wir wissen nun also dass dieses Hendi “Angebot” vermutlich keines ist und die 150€ eher der durchschnittliche Marktpreis ist.

Worauf also achten?

Im Gegenzug zum UVP Vergleich gibt es den sogenannten **[Streichpreis](https://www.haendlerbund.de/de/ratgeber/marketing/3826-preiswerbung)**. Dieser muss **nicht gesondert gekennzeichnet** werden *aber* es muss ein Preis sein, den es bei dem Händler bereits gegeben hat.

>Streichpreise ohne Erläuterung sind entsprechend nur dann zulässig, wenn:
* sie der Wahrheit entsprechen. Der Händler muss den durchgestrichenen Preis ernsthaft über längere Zeit verlangt haben. Außerdem darf der frühere Preis nicht überhöht angesetzt worden sein, um dann mit einem noch größeren Rabatt zu werben.
* Mit dem Streichpreis nicht länger als vier Wochen geworben wurde. Der Streichpreis soll ausdrücken, dass das Angebot jetzt günstiger ist als normalerweise. Wird ohne nähere Erläuterung über längere Zeit mit dem Streichpreis geworben, so wird aus dem rabattierten Preis der neue Normalpreis.

https://www.haendlerbund.de/de/ratgeber/marketing/3826-preiswerbung

Merken:
* UVP Vergleich = vermutlich kein Deal
* UVP fehlt = Streichpreis = vermutlich guter Deal

Ansonsten wie immer auf historische Preise gucken. Ganz vorne dabei ist oft idealo. Gibt auch diverse Browsererweiterungen für sowas. Da bin ich aber nicht im bilde was gut ist und was nicht.

Und jetzt noch ein geheimer 100% Rabattcode: n1ch75k4uf3n

Den könnt ihr in jedem Store benutzen und keine Sorge: ich erhalte keine Provision dafür.

by GhostSierra117

18 comments
  1. ich empfehle den amazon price tracker von Keepa (zb als Browser-addon), der fügt eine Grafik direkt auf die Seite von jedem Artikel ein, um den tatsächlichen Preisverlauf zu sehen.

  2. > Ganz vorne dabei ist oft idealo.

    Wer Axel Springer nicht unterstützen möchte, nutzt Geizhals.

  3. Kleinigkeit aber fiel mir zuletzt auf, Versandkosten von „reduzierten“ Artikel werden unsinnig erhöht. z.B. einen Barhocker den ich kaufen wollte. Viele Angebote auch vom gleichen Hersteller, nur der reduzierte Black Friday Artikel wurde von 8,95 auf 19,99 erhöht, alle anderen bleiben gleich und die Differenz entspricht in etwa dem „Rabatt“

  4. Ich sehe bei Plattformen wie eBay oder Amazon immer öfter, dass Händler von Rabattcodes gebrauch machen, die automatisch oder mit einem Klick aktiviert werden können. Meistens mit 20%+ Ersparnis.

    Ich nehme an, die werden verwendet um den Verkaufspreis möglichst hoch zu halten, um auch bei einem Streichpreis Rabatt mit künstlich hohen Prozentwerten werben zu können.

  5. Wenn die UVP “sehr sinnvoll” ist, warum ist dann der Vergleich mit der UVP ein Hinweis auf einen schlechten Deal, während ein Streichpreis der irgendwas sein kann ein guter Deal? Oder ist hier was durcheinander geraten?

  6. hab einfach über das Jahr verteilt Preise verglichen und am Ende ist es genauso günstig/teuer wie sonstige Angebote (aber bei Amazon kann ich das jetzt 2 monate statt 2 wochen lang zurückgeben)

  7. Danke für die Aufklärung.

    Weißt du, wie sich das mit Rabatten verhält, die angeblich “nur für kurze Zeit” gelten, aber ständig verlängert werden (mit Einschüben wie “Wir behalten uns eine Verlängerung des Angebots vor”)? Ich denke da zum Beispiel an die Studiokette FitnessFirst (zwei Freimonate bei Abschluss eines 2-Jahres-Vertrags; das Angebot wird seit Januar mit damals noch einem Monat “für kurze Zeit” beworben, auf der Webseite läuft ein Timer ab und kurz vor Ablauf wird der wieder einige Tage in die Zukunft geschoben).

  8. Danke und zusätzlich Rabatte sind schlussendlich dafür da um den Konsum anzuregen und sind immer schon einkalkuliert auf verschiedensten Weisen (bedeutet Hersteller und/oder Handel machen kein Minusgeschäft damit)
    (Natürlich kann es Einzelfälle geben, dass ein Händler sehr schlecht eingekauft hat, etwas ins MHD geht und dann sinkt dafür doch sein Rohertrag).

    Das Internet ist leider noch etwas tükischer und hat Möglichkeiten viel irreführender die Kunden anzulocken als der stationäre Handel, daher ist immer vier mal Luft holen sinnvoll und entsprechend verschiedene Seiten abklappern ob das nun wirklich “günstig” ist.

    Doch das wichtigste: BRAUCHST du das rabattierte Produkt WIRKLICH JETZT? Immer diese Frage stellen. Wir Menschen neigen nunmal dazu uns verleiten zu lassen, weil es unser Belohnungssystem anregt und gute Gefühle da lässt und auch irgendwo Stolz macht jezt nen guten Deal zu machen, doch letztendlich leben wir in einer dermaßen Überkonsumgesellschaft und es ist wichtig eben zu hinterfragen ob das Produkt gerade wirklich sein muss und sinvoll genutzt werden würde.

  9. Ich kaufe mittlerweile fast alles nur über Mydealz.

  10. Ich finde es beeindruckend wie viele Leute Black Friday und Co. für voll nehmen. Als wäre das kein von Unternehmen gefahrene Kampagne sondern eine höhere Gewalt die die Unternehmen zwingt ihre Ware unter Wert abzugeben.

  11. >Wichtig: dieser UVP wird einmalig, nämlich bei Erstveröffentlichung des Artikels vorgenommen und dann praktisch nie wieder aktualisiert.

    Vor allem ist dieser Preis häufig schon bei Markteinführung veraltet.

  12. Unverbindliche Preisempfehlung = **UPE**
    Unverbindlicher Verkaufspreis = **UVP**

    MAN MAN MAN

  13. Es gibt ja genug Händler, die immer mit Streichpreisen werben. Teufel zum Beispiel, bei denen ist immer alles “on sale”. Egal wann man schaut, es ist gerade irgendein toller Sale und zum UVP kann man da gar nicht kaufen, auch wenn es keine Händler gibt. Eigentlich müsste das mal jemand abmahnen, interessiert am Ende aber keine Sau.

  14. >Und jetzt noch ein geheimer 100% Rabattcode: n1ch75k4uf3n
    Den könnt ihr in jedem Store benutzen und keine Sorge: ich erhalte keine Provision dafür.

    LOL. Starke abschließende Aussage, sehr schön!

  15. Für Amazon kann ich auch die Seite:

    https://de.camelcamelcamel.com/ empfehlen.

    Auf Amazon den kompletten Link des Artikels bei “Amazon Produkt finden” eingeben und ihr könnt die Preise der letzten Monate sehen und gut abschätzen ob es ein fake Rabatt auf Amazon ist.

Leave a Reply