Für mich scheint es so als ob diese Leute gar kein Problem mit Corona an sich haben, sondern einfach von der immer schneller werdenden Welt überfordert wären… Verlierer der Globalisierung…

9 comments
  1. Müssen nicht unbedingt Verlierer sein. Das ganze Thema ist grundsätzlich schon lange kein medizinisches mehr sondern ein rein politisches.

  2. Schön, dass das endlich in den Diskurs gebracht wird. Natürlich schwingt bei der Spaltung sehr viel lange aufgebaute Unzufriedenheit mit. Die Europäische Wirtschaft läuft seit der Finanzkriese 2008 nicht mehr so wirklich an. Arbeitslosigkeit ist seit den 80ern stetig am steigen. Prekäre Arbeitsverhältnisse breiten sich aus.

    Dann spielen natürlich auch noch andere Faktoren mit. Wenns dir wirtschaftlich schlecht geht, begeisterst du dich eher weniger für Regenbogenfahnen, Gendersternchen, grüne Energie oder Immigranten zu helfen. Wenn diese Themen dann im politischen/gesellschaftlichen Diskurs aufblühen, während deine Zukunft immer finsterer wird, dann fühlst du dich verarscht.

    Das Sora hat ja vor kurzem wieder eine Umfrage gemacht. Laut Standard: “Nur 40 Prozent von jenen, die schlecht für die Zukunft abgesichert sind, glauben, dass das politische System gut funktioniert. Acht von zehn in dieser Gruppe fühlen sich von der Politik nicht repräsentiert. Jeder Fünfte von ihnen geht nicht wählen.”

    Die Leute glauben nicht an Verschwörungstheorien einfach weil sie dumm sind. Sie “glauben” daran, weil sie das Vertrauen ins System und unsere Eliten verloren haben. Das “Angebot” an Verschwörungstheorien braucht auch eine “Nachfrage” in der Form von Leuten, die nach neuem Sinn suchen.

    Und es wird nicht helfen “Aufklärung zu betreiben” (was auch immer das sein soll) oder sie als “Verlierer der Globalisierung” abzustempeln. Man hat den Leuten die Globalisierung und die neoliberale Wirtschaftspolitik verkauft indem man gesagt hat sie ist eh für alle am besten. “Geht’s der Wirtschaft gut, geht’s und allen gut”. Jetzt wo sich herausstellt, dass es sehr wohl Verlierer dabei gibt, sagt man den Leuten sie sind selbst Schuld und dumm.

    Das traurigste ist, dass man so was inzwischen auch von sogenannten “linken” zu hören kriegt. Und da auch die SPÖ sich nicht bemüht diese Leute anzusprechen, haben sie niemand außer der FPÖ zu dem sie rennen können, der ihnen eine Möglichkeit gibt ihre Wut zu artikulieren.

    TL,DR: Das Wirtschaftssystem bringt immer mehr Leute in eine scheiß Lage. Das wird auch auf “linker” Seite einfach hingenommen und den Leuten als persönliche Schwäche angekreidet. Sie können ihre Wut durch nichts anderes als rechte Verschwörungstheorien artikulieren.

  3. “Verlierer der Globalisierung” ist zwar jedenfalls richtig, wird aber meiner Meinung nach nicht ganz dem kompletten Problem gerecht. Ich glaube, es handelt sich vor allem um Verlierer des Bildungssystems. Ich glaube, auch wenn hier Herr Gauß hier widersprechen würde, dass wir Menschen mit einem sehr ähnlichen Startkapital starten. Also kognitiv betrachtet. Die Frage ist: Was machen wir daraus? Die einen sitzen in der Schule und haben Augen für die Mädls in der Klasse, werden später viel daraus gelernt haben und sich so in vielen Bereichen des Lebens leichter tun. Die anderen haben stupide gelernt ohne Ende, waren an manchen Fächern sehr interessiert und haben themenübergreifend verstanden, WIE man sich Dinge aneignet. Denn das ist Schule im Prinzip bis zur Uni. Eine Werkstatt, in der man lernt, wie man Teile zusammensetzt und auseinandernimmt und daraus irgendwas sinnvolles für die eigenen grauen Zellen entwickelt. Und dann gabs da eben noch jene, die in der Volksschule überfordert waren und dann leider (!) von Eltern und Schulen später fallen gelassen wurden, weil man eben nicht immer auf die schwächsten Rücksicht nimmt in unserem miserablen Bildungssystem. Dadurch haben sie letztlich ALLES verpasst und verloren, was sie später brauchen werden: Strukturiertes recherchieren, Herleitung von Prozessen, Grundlagen der Statistik, das Lernen lernen, Selbstreflexion und solide Einschätzung der eigenen Kenntnisse, Quellenüberprüfung und das Verstehen größerer Zusammenhänge. All das ist wichtig, um auf unserem Planeten in unserer Zeit gut, sicher und gerne leben zu können.

    Und nun noch unpopular opinion von meiner Seite: Diese Leute brabbeln auch immer irgendwas von “Spaltung der Gesellschaft”. Und ich muss sagen: Ja, sie haben vollkommen recht. Denn unsere Gesellschaft ist und wird immer weiter gespalten. Aber nicht in der Form, die diese Leute vermuten oder skandieren. In Wirklichkeit gibt es eine Spaltung in Menschen, die mit modernen Mitteln und Wissensvermittlung umgehen können und in Menschen, die das eben nicht können.

    Ist Spaltung schlecht? Ja, natürlich. Aber man muss nicht verlangen, dass man sich mit Menschen auseinandersetzt, die einen nicht verstehen können und dadurch dank Dunning-Kruger-Effekt einen auch nicht verstehen WOLLEN. Deshalb ist diese Spaltung nur allzu verständlich.

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